„Accidentally Created“

Weimar. Bereits zum 19. Mal fand Weimars studentisches Kurzfilmfestival backup vom 17.-21. Mai statt! Unter dem Motto „Accidentally Created“ liefen rund 80 Kurzfilme in den Wettbewerbskategorien „backup.award“, „clip.award“, und „backup.at.home“. Auch in diesem Jahr wurde wieder der „Weimarer Poetryfilmpreis“ von der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. in Zusammenarbeit mit dem backup_festival vergeben.
Zusammen mit dem umfangreichen Rahmenprogramm waren rund 400 filmische Arbeiten zu bestaunen. Erstmalig spielte sich ein Großteil des Festivals im Gaswerk in Weimar ab.

backup wird von Studenten der Bauhaus-Universität Weimar organisiert und bietet Studenten und Absolventen von Medien-, Gestaltungs- und Kunsthochschulen aus der ganzen Welt die Möglichkeit, ihre Kurzfilme zu präsentieren. An fünf vielfältigen Festivaltagen genossen rund 1.000 Besucher die entspannte Atmosphäre in den Räumen des Gaswerks, Lichthaus Kinos im Weimarer E-Werk, des Druckgrafischen Museums, der alten Staatsbank und in verschiedenen studentischen WGs. Darüber hinaus konnten über 100 Filmemacher und Fachbesucher aus verschiedenste Ländern der Welt begrüßt werden.
Die Festivalleitung, federführend Juliane Fuchs und Anne Körnig, zog bei der Preisverleihung am Samstagabend im Lichthaus Kino ein positives Fazit des diesjährigen Festivals: „Wir haben auch in diesem Jahr wieder ein großartiges, vielfältiges Festival erlebt und können sehr stolz auf die vergangenen Tage zurückschauen.“
Im Jahr 2017 erreichten das Festival mehr als 3.000 Einsendungen aus über 100 Nationen, darunter Filme aus der Demokratischen Republik Kongo, Neuseeland dem Iran und Venezuela.

Für den backup.award wurden filmische Arbeiten gesucht, die sich kreativ mit verschiedenen Produktions- und Ausdrucksweisen des filmischen Formats beschäftigen. Die Idee von backup ist es, nicht nur das bereits entdeckte zu zeigen, sondern sich immer weiter zu entwickeln und dem bisher Unentdecktem eine Plattform zu geben.
Die Vielfalt und Verschiedenheit der gezeigten Filme hat der dreiköpfigen Jury, bestehend aus der Filmemacherin Clara Winter, der Schriftstellerin und Medienkünsterlin Sigrun Höllrigl und dem Vorsitzenden des Bundesverbandes kommunaler Filmarbeit e.V. Andreas Heidenreich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Dennoch konnten während der feierlichen Preisverleihung am Samstagabend die Gewinner der von der Sparkasse Mittelthüringen gesponserten Preise bekannt gegeben werden.

Den mit 1.500 Euro dotierte Hauptpreis der Jury gewann der Animationsfilm „Trial & Error“ von Antje Heyn. Die Jury zeigte sich begeistert von der „hintersinnigen, humorvolle Geschichte mit überraschenden Pointen und unerwarteten Wendungen.“ Dabei sei „der Animationsstil, der einen skurrilen Mikrokosmus entwirft, ebenso reduziert wie die Erzählung.“ Der Film schaffe es, in nur fünf Minuten, eine wunderschöne Geschichte zu erzählen, so die Begründung der Jury.

Ein weiterer Jurypreis ging an den Super8-Film „Veterok“ von Andreas Kersten, Gunnar Grah und Florian Rau. „Mit seinen einfachen analogen Mitteln entwickelt der Film dabei eine dichte Atmosphäre. Jedes einzelne Schwarz-Weiss Bild ist für sich ein Kunstwerk“, führte die Jury aus. Der Preis ist mit 500€ dotiert.

Außerdem ging ein ebenfalls mit 500 Euro dotierter Jurypreis an den Stop-Motion-Film „Feel“ von Imer Ari und Hakan Dursun, der sich mit einem Journalisten beschäftigt, der unschuldig im Gefängnis landet. Die Jury zeigte sich vor allem vom politischen Kontext angetan: „Die Gefahr durch journalistische Tätigkeiten oder selbst das simple zur falschen Zeit am falschen Ort sein, in eine Machtmaschinerie zu geraten, der man hilflos ausgesetzt ist, wird hier angeprangert und dem Zuschauer auf einfache, bewegende Art vermittelt.“

Der mit 2.500 Euro dotierte Publikumspreis backup.collaboration.award konnte durch ein auch in diesem Jahr wieder erfolgreiches Crowdfunding mit Vision Bakery finanziert werden. Das Publikum entschied sich in diesem Jahr für den Film „Bug City“ von Andreas Weber, Andreas Helt und Thomas Simeth, der sich mit dem Innenleben eines Computers beschäftigt.

Der Gewinner des mit 1.000 Euro dotierten Weimarer 2. Poetryfilmpreis des backup_festivals und der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V. ist „Standard Time“ von Hanna Slak und Lena Reinhold, nach einem Gedicht der Berliner Lyrikerin Daniela Seel. Die Jury, bestehend aus der Filmemacherin Ebele Okoye (Berlin), dem Weimarer Schriftsteller Stefan Petermann und dem US-amerikanischen Dichter und Poetryfilm-Experten Dave Bonta, zeigte sich begeistert von der Art und Weise, wie der Film „den Poetryfilm selbst reflektiert.“ Der Filme habe, „wie jedes gute Gedicht, mehr zu sagen, als nur sein eigentlicher Text.“
Eine lobende Erwähnung erhielt außerdem „Heartbreak“ von Dave Tynan. Der Film schaffe es „auf beeindruckende Weise, die kraftvollen Worte in berührende Bilder zu übersetzen und dabei immer klar und direkt zu bleiben.“

Der Publikumspreis ging an „The Last Time“ von Christine Hooper.

In der Kategorie clip.award, bei der es um das beste Musikvideo ging, gab es ebenfalls einen Publikumspreis. Der Film „Ponura Tresura/ Grim Training“ von Ala Nunu Leszynska war der Liebling des Publikums.

Außerdem wurde der backup.liqiuid.sound.club.award vergeben. In diesem Jahr entschied sich die Jury, bestehend aus dem Publizisten Thomas Mießgang, dem Musiker Martin Kohlstedt und dem Künstler Friedrich Liechtenstein dafür, den Preis an Ponura Tresura/ Grim Training von Ala Nunu Leszynska zu vergeben.
Mit ihrer bizarren Alice im Wunderland-Geschichte schaffe es das Stop-Motion-Puppenspieldrama „an die bekannten polnischen/ tschechischen Puppenspieltraditionen anzuschliessen und gleichzeitig darüber hinauszuweisen: In ihrem Mikrodrama manifestiert sich ein Theater der Grausamkeit, das einer künstlerischen Ausdrucksform, die gerne als Kinderunterhaltung diskreditiert wird, existentielle Tiefe verleiht“, so die Jury in ihrer Begründung. Sie war von der intensiven und liebevollen Arbeit bei der Herstellung der Puppen und bei der Ausgestaltung der Szenographie so angetan, dass sie Ala Nunu Leszynska ohne lange Diskussion den liquid.sound.club.award verlieh.

Lobende Erwähnungen erhielten außerdem das Video „Electronic Superhighway“ von Paolo Benetazzo, sowie die Arbeit von Maximilian Andreas Schmidt zum Song „Heilig“ des CloudRappers LGoony.

Der von Partisan Vodka gesponsorte „backup.herzblut.award“ geht in diesem Jahr an den Film „A Passion of Gold and Fire“ von Sebastien Pins.

Begleitend zum Wettbewerb gab es auch beim 19. backup_festival ein umfangreiches Rahmenprogramm. Neben Podiumsdiskussionen mit Fachleuten aus dem Medienbereich, gab es auch verschiedene Sonderprogramme zu bestaunen, u.a. mit Filmen von der Steve Tisch School in Israel und einer Sondervorstellung des Künstlers Friedrich Liechtenstein, der ein Programm zum Thema „Vertikales Kino“ mitbrachte. Weitere Sonderprogramme gab es zu den Themen: „Katzen und andere Tiere“, „Scary Movies“, „Wundervoll queer“ u.v.m.

Auch die große bckp-Party am Freitag erfreute sich großer Beliebtheit.
Das backup_festival-Team möchte sich bei allen Helfern, Filmemachern, Partnern und Zuschauern für das erneut großartigen Festival bedanken.
Alle Beteiligten und Gäste freuen sich schon auf das große 20. Jubliäum des backup_festival 2018. Besucher aus Thüringen und der ganzen Welt sind schon heute herzlich eingeladen!

Weitere Informationen finden sich unter www.backup-festival.de