Folge der G8-Schulreform

Um ein Jahr verkürzte Gymnasialschulzeit sorgt für weniger Studierende, spätere Einschreibungen und unregelmäßigere Studienverläufe – Ziel, dass Abiturientinnen und Abiturienten früher studieren, wird dennoch erreicht – Rückkehr zu G9 ist daher nicht zwangsläufig empfehlenswert

Die von neun auf acht Jahre verkürzte Gymnasialschulzeit (G8-Reform) hat zur Folge, dass weniger Abiturientinnen und Abiturienten studieren. Das ist ein zentrales Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die als eine der ersten Effekte der G8-Reform untersucht, die erst nach der Schulzeit auftreten. Demnach sinkt aufgrund der G8-Reform der Anteil derer, die im Jahr des Abiturs oder im Folgejahr ein Studium aufnehmen, um sechs Prozentpunkte im Vergleich zu einem Referenzszenario, in dem es die Reform nicht gegeben hätte. Diejenigen, die sich für ein Studium entscheiden, legen vor dem Uni-Start häufiger eine Pause ein und wechseln im ersten Studienjahr mit einer höheren Wahrscheinlichkeit das Studienfach oder brechen das Studium komplett ab. Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern oder den Geschlechtern gibt es dabei kaum.

Eine Empfehlung für eine Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialschulzeit (G9) lässt sich aus den Ergebnissen gleichwohl nicht zwangsläufig ableiten. „Ein wichtiges Ziel der G8-Reform war, dass Abiturientinnen und Abiturienten früher beginnen zu studieren und so auch früher in den Arbeitsmarkt eintreten können – und dieses Ziel wird erreicht“, so Bildungsökonom Jan Marcus, Wissenschaftler in der Abteilung Bildung und Familie am DIW Berlin, der die Studie gemeinsam mit Vaishali Zambre erstellt hat. Im Durchschnitt sind die Abiturientinnen und Abiturienten unter G8 zum Start des Studiums achteinhalb Monate jünger. Zudem müsse bedacht werden, dass mögliche Vorteile von G8 erst später zum Tragen kommen. So könne ein früherer Arbeitsmarkteintritt das Lebenseinkommen erhöhen. Zudem kann das „gewonnene“ Jahr auch für Auslandsaufenthalte oder ein freiwilliges soziales Jahr nach dem Abitur genutzt werden.

Effekte der G8-Reform auf Studienentscheidungen sind längerfristig

Für die Studien haben Marcus und Zambre umfangreiche Datensammlungen der amtlichen Studentenstatistik für die Abiturjahrgänge 2002 bis 2013 ausgewertet. Durch die Wahl des Zeitraums stellten sie sicher, dass die Ergebnisse nicht durch Rückumstellungen auf G9 verfälscht werden. So sind einige Bundesländer mittlerweile aufgrund der Kritik teilweise oder sogar vollständig zum neunjährigen Gymnasium zurückgekehrt. Die Analysemethode, ein sogenannter Differenz-von-Differenzen-Ansatz, stellt zudem sicher, dass die identifizierten Effekte nicht durch andere Entwicklungen wie die Aussetzung der Wehrpflicht oder die Einführung beziehungsweise Abschaffung von Studiengebühren beeinflusst sind und somit tatsächlich auf die G8-Reform zurückgeführt werden können.

Dabei zeigte sich, dass die G8-Reform nicht nur die Übergangsquote zur Uni im Jahr des Abiturs und im Folgejahr senkt, sondern auch bei Betrachtung weiterer Jahre nach dem Abitur. „Der negative Effekt auf die Übergangsquote ist mit vier Prozentpunkten auch drei Kalenderjahre nach dem Abitur noch groß“, so Zambre. Ausgeschlossen werden kann zudem, dass die Effekte von G8 nur kurz nach der Umsetzung der Reform auftreten. So entscheiden sich auch in Jahrgängen, die erst vier oder mehr Jahre nach dem G8/G9-Doppeljahrgang die Abiturprüfungen ablegen, weniger für ein Studium.

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