Tragischer Held des intensiven Fußballkrimis ist Doppeltorschütze Timmy Thiele.

Köln/Jena. Der FC Carl Zeiss Jena erarbeitet sich bei sengender Hitze vor 6.241 Zuschauern im Sportpark Höhenberg, darunter mehr als 4.000 Zeiss-Fans, eine sehr gute Ausgangposition für das am 1. Juni in Jena stattfindende Rückspiel.

Dabei wurde es zum Ende der Partie nochmals spannend, als der FCC seine komfortable 3:0 Führung gegen einen starken und niemals aufgebenden FC Viktoria Köln fast noch aus der Hand gab. Zudem verloren beide Teams zum Ende der Begegnung ihre wohl wichtigsten Spieler. Während Mike Wunderlich nach einer Verbalinjurie in Richtung eines Jenaer Spielers glatt Rot sah (90.+5) und somit seiner Mannschaft definitiv im Rückspiel fehlen wird, besteht beim Doppeltorschützen Timmy Thiele zumindest noch ein Fünkchen Hoffnung. Thiele zog sich in einem Pressschlag kurz vor Abpfiff eine Knöchelverletzung und musste verletzt raus. Die noch unbestätigten Vermutungen (genaue Diagnose steht aktuell noch aus) schwanken zwischen Prellung und Mittelfußbruch.

Dabei war es vor allen Dingen Thiele, der das Jenaer Spiel maßgeblich prägte, und dem die Kölner schon im Vorfeld der Partie einigen Respekt zollten. Während die Viktoria wie die Feuerwehr begann und zu wirklich nennenswerten Möglichkeiten gelangte, es aber versäumte, das frühe Tor zu machen, schlug Timmy Thiele eiskalt zu. Aus einer Chance, die kaum eine war, erzielte Thiele im Fallen aus spitzem Winkel mit dem rechten Außenrist ein Traumtor und ließ den Kessel überkochen (21.).

Jena spielte aggressiv und mit Härte – eine Gangart, mit der die spielstarken Rheinländer so ihre Probleme hatten. Zudem leisteten sich die Kölner speziell in der Defensive haarsträubende Fehler. Einen davon wusste Jenas Firat Sucsuz mit seiner Schnelligkeit eiskalt auszunutzen, der zur 2:0 Führung für Zeiss einschob (27.). Danach spielte Jena wie entfesselt und ging mit aller Macht auf das 3:0. Den Hausherren gelang es über Minuten nicbt, dem Angriffswirbel der Jenaer etwas entgegenzusetzen. Der FCC erspielte sich fünf Ecken in Folge und erarbeitete sich dabei drei Großchancen, die jedoch ungenutzt blieben. Siomit ging es mit der 2:0 Führung der Zimmermann-Elf in die Kabinen.

Dort blieb gleich Niclas Erlbeck, der unter der Woche schon gesundheitlich angeschlagen war. Für ihn kam Sven Reimann ins Spiel. Nun hatte Jena das Spiel, was es eigentlich liebt: Die Kölner drückten, und Jena konterte. Wieder war es Timmy Thiele, der einen der Tempogegenstöße mit einer fulminanten Einzelleistung zum 3:0 krönte (67.). Nach einem unnötigen Jenaer Ballverlust foulte Sven Reimann im eigenen Strafraum. Den fälligen Elfer verwandelte Mike Wunderlich zum 1:3 (72.). Dieser Treffer beatmete die Kölner Mannschaft, die nun mit Macht auf das 2:3 ging. Und es sollte fallen. Innenverteidiger Lanius brachte drei Minuten vor Schluss die Hausherren auf 2:3 ran. Der Rest war eine Abnutzungsschlacht, in der Jena – auch durch eine tolle Parade von Raphael Koczor – bestand und beide Teams noch ihre wichtigsten Akteure verloren.


Trainerstimmen

Mark Zimmermann: „Es war ein brutales Spiel. Es war extrem viel Tempo drin, es gab jede Menge Zweikämpfe. Mit dem 3:2 ist für beide Mannschaften im Rückspiel in Jena noch alles drin. Viktoria hat große Moral gezeigt und sich die beiden Tore auch verdient. Wir hätten genau so gut auch zu Beginn des Spiels in Rückstand geraten können. Unsere Jungs sind teilweise in der zweiten Halbzeit auf dem Zahnfleisch gegangen. Es war eine Energieleistung. Und genau diese Energieleistung müssen wir am Donnerstag wieder zeigen. Die Unterstützung, die wir heute erfahren haben, war phänomenal! Das war genau der Grund, warum dann der eine oder andere Spiele diesen einen, wichtigen Schritt noch macht. Ich hoffe, dass wir am Donnerstag nochmals genau so eine Leistung abliefern können, um das große Ziel zu schaffen.“

Marco Antwerpen: „Wir kamen sehr gut ins Spiel, hatten durch Mike Wunderlich auch zwei gute Möglichkeiten. Dann haben wir das Spiel so gestaltet, dass Jena nur noch die Geschenke von uns annehmen musste. Zwei Mal haben wir ihnen den Ball in die Füße gespielt, in Jena musste nur noch einschieben.Dann liegst du 0:2 hinten, mussten uns erst mal schütteln und hatten dann auch eine Phase zu überstehen, wo wir etwas Glück hatten, dass es nicht schon 0:3 steht. Wir haben uns dann in der Halbzeit neu justiert, sind gut rausgekommen und kassieren in dieser Phase das 0:3. Dann haben wir eine überrragende Moral gezeigt, haben aus dem 0:3 ein 2:3 gemacht und ein Lebenszeichen für Donnerstag gesendet. Wir geben uns nicht auf. Und das hat das Spiel heute auch gezeigt. Wir werden Jena einen harten Fight liefern – leider ohne Mike Wunderlich. Da muss ich klar sagen, dass ich mir in einem solchen Spiel in dieser Situation mehr Fingerspitzengefühl beim Schiedsrichter gewünscht hätte.“