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Jena. Es ist 24 Jahre her, als die Leiche des Kindes Bernd B. am Ufer der Saale in Jena Göschwitz gefunden wurde. Nun haben die Staatsanwaltschaft Gera und die Kriminalpolizei Jena den Fall des bislang ungeklärten Tötungsdelikts aus dem Jahr 1993 wieder aufgerollt. Besonders zu einem Ruderboot und einem dazugehörigen weißen Außenbordmotor erhoffen sich die Ermittler neue Hinweise.

In Zusammenarbeit mit der Hochschule Mittweida nahmen wir am 29. Mai zu Ermittlungszwecken im Fall Bernd B. eine Tatortrekonstruktion vor. Dazu nutzt man verschiedene Informationsebenen, um ein genaues 3D-Modell der Umgebung zu erstellen. Es fließen die Aufnahmen einer Drohne, unseres Polizeihubschraubers und die Geländevermessung eines Lasermessgerätes ein. Mit einem Polizeiboot unserer technischen Einsatzeinheit stellten die Ermittler verschiedene Weg- Zeit- Berechnungen auf dem Wasser an.

Aus allen diesen Daten ergibt sich ein Modell, das anschließend mit einer hochkomplexen Software ins Jahr 1993 zurückversetzt wird. In welchem Zustand befand sich die damalige Ufervegetation? Wie war die bauliche Situation? Wie war das Wetter im Tatzeitraum? Wie hoch stand das Wasser der Saale, wie war die Strömung? In Kombination klassischer Ermittlungsarbeit und den neuesten technischen Möglichkeiten werten die Ermittler ebenfalls viele alte Aufzeichnungen und Bilder aus Archiven aus. Auch der „Jenaer Zeitgeist“, die Kleidung und die Verhaltensweisen der Menschen in dieser Zeit werden betrachtet. Die zentrale Frage lautet: „Wie war dieser Ort vor 24 Jahren?“

Nebenbei arbeiten die Ermittler die alten Akten neu auf. In den bisherigen sechs Monaten SoKo Arbeit mussten die Akten digitalisiert werden. Altes, dünnes Papier erschwert die Arbeit, teilweise müssen sogar ganze Akten abgeschrieben werden. Bei mehreren hundert Aktenordnern haben die Ermittler alle Hände voll zu tun, da die alten Ermittlungsergebnisse überprüft und neu eingeschätzt werden müssen. Es werden sogar damals bereits ermittelnde Kollegen befragt, die sich jetzt schon längst im Ruhestand befinden.

Um den Überblick über alle Ermittlungsergebnisse, Spuren und Beweise zu behalten, wird neueste Software zur Fallanalyse eingesetzt, da eine komplexe mentale Arbeit wie diese die menschliche Gedächtnisleistung übersteigt.

Ein besonderes Anliegen äußerte der SoKo Leiter Polizeidirektor Lutz Schnelle in der Pressekonferenz: Die Sonderkommission ist über jeden noch so kleinen Hinweis dankbar, selbst wenn Sie meinen, dass er vielleicht nichts zur Sache beiträgt. Sollten Sie Hinweise zum Fall Bernd B. haben, bitten die Staatsanwaltschaft Gera und die Kriminalpolizei Jena darum, dass Sie sich unter 0365-834-2707 (StA Gera) oder 03641-811-678 (LPI Jena) melden.

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