Schuhmacherlehrling aus Namibia im Schuhkombinat Weißenfels 1985 Bundesarchiv, Bild 183-1985-0121-002 / CC-BY-SA 3.0 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5344689

Podium “Die ham se sozusagen aus dem Busch geholt” – Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit in der DDR”

Jena. Im Gegensatz zur von der SED propagierten Völkerfreundschaft war eine Praxis der Partei gegenüber AusländerInnen zu beobachten, die als Segregationspolitik bezeichnet wird. Eine nachhaltige Integration von MigrantInnen in die Gesellschaft versuchte die SED zu verhindern. Gastarbeiter wurden in separaten Wohnheimen, oftmals außerhalb der Innenstädte, untergebracht. Vietnamesische Vertragsarbeiterinnen, die in der DDR schwanger wurden, wurden zurück in ihre Heimat geschickt. Die praktizierte Abschottung verhinderte Kontaktmöglichkeiten zwischen Einheimischen und MigrantInnen.

Ob dies zur Entwicklung von Vorurteilen oder Fremdenfeindlichkeit beitrug, ist in der Forschung umstritten. Manche Geschichts- und Sozialwissenschaftler gehen davon aus, dass die Separation ausländischer Vertragsarbeitskräfte zur Bildung von negativen Stereotypen und Gerüchten führte. Andere bezweifeln, dass bessere Kontaktmöglichkeiten zum Abbau von Vorurteilen und Alltagsrassismus geführt hätten.

Dass die Intransparenz der SED-Ausländerpolitik die Aufklärung der Bevölkerung über Beweggründe und Bedingungen für den Aufenthalt der Zugewanderten verhinderte, ist eine weitere Annahme in der Forschung. Der Mangel an Informationen, die über Propaganda hinausgingen, habe Raum für Mutmaßungen und Gerüchte geschaffen. Dies konnte zur Bildung von Vorurteilen führen.

Die angesprochenen Erklärungsansätze für Fremdenfeindlichkeit in der DDR beleuchtet das ThürAZ im Rahmen eines Podiums und fragt nach deren Plausibilität. Vor der Eröffnung des Podiums hält Historiker Patrice G. Poutrus einen Impulsvortrag zum Thema “Fremdenfeindlichkeit in der DDR”. Podium “Die ham se sozusagen aus dem Busch geholt” – Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit in der DDR

Donnerstag, 1. Juni, 20.00 Uhr,
im Stadtmuseum Jena (Markt 7, 07743 Jena)

Referent: Dr. Patrice G. Poutrus (DFG-Netzwerk “Grundlagen der Flüchtlingsforschung”)
Gäste: Dr. Ulrike Heß-Meining (Ludwig-Maximilians- Universität München), Dr. Patrice G. Poutrus,
Heiner Sandig (Ausländerbeauftragter des Freistaats Sachsen 1992-2004)

Moderation: PD Dr. Annegret Schüle (Leiterin des Erinnerungsortes Topf & Söhne, Erfurt)


Die Veranstaltung ist Teil einer Reihe des Thüringer Archivs für Zeitgeschichte “Matthias Domaschk” zum Thema “Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in der DDR und in den neuen Bundesländern”. Fördermittel stellt die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur bereit, Medienpartner ist der Offene Kanal Jena (OKJ).

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