Bonifatius. Foto mit freundlicher Genehmigung durch den Rotary Club Erfurt
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Erfurt. Einen erfreulichen Ausgang hatte die Sonderstadtratssitzung am 24. Mai 2017. Zu den öffentlichen Themen zählte u.a. die Schenkung zweier Bronzestatuen durch den Rotary Club an die Stadt Erfurt. Ziel dieser Schenkung ist die Installation einer Bonifatius- und einer Lutherstatue an der Fassade des Erfurter Rathauses. Die Mehrheit des Erfurter Stadtrates votierte schlussendlich nach einer langen vorangehenden Debatte in den Medien und im Stadtrat mehrheitlich für die Annahme der Schenkung und der Installation am Erfurter Rathaus. Ein Dank geht besonders an die Initiative des Rotary Clubs.

Zu Beginn der Sitzung war völlig unklar, wie das Ergebnis der Abstimmung ausgehen würde. Auf der Besuchertribüne saßen der Erfurter Ehrenbürger Manfred Ruge (Oberbürgermeister a.D.) sowie weitere Mitglieder des Rotary Clubs. Als das Thema aufgerufen wurde, herrschte erstaunliche Stille im Ratssitzungssaal. Im Laufe der Diskussion stellte sich zunächst heraus, und in dem Punkt waren sich auch alle einig, dass OB Bausewein einen formellen Fehler gemacht hat. Er hatte Ruge voreilig eine Zusage erteilt, ohne zuvor den Stadtrat zu konsultieren. Diesen Fehler gestand er auch ein, verteidigte aber auch ganz klar seine Zusage. Einigkeit bestand auch dahin gehend, dass man der Initiative Ruges und des Rotary Clubs dankbar ist. Immerhin kann man ja nicht gegen bürgerschaftliches Engagement sein.

Sollte die Schenkung also angenommen werden? Ja, aber… so erweckte es den Anschein, wenn man den Ausführungen des SPD-Stadtrats Wolfang Beese und des Grünenvorsitzenden Alexander Thumfart folgte. Sie waren gedanklich davon geplagt, dass zwei kirchliche Figuren, die Säkularisierung in Frage stellen könnten. Thumfart war sogar der Auffassung, dass das Obrigkeitsdenken Luthers ein Hindernis wäre, vergaß dabei in seiner unschlüssigen Argumentation aber, dass vielerorts noch heute Straßen und Plätze nach Personen wie Karl Marx benannt werden, dessen Philosophie Millionen von Tote in der Folge hatte.
Ja, hieß es deshalb, man würde das Geschenk annehmen, aber man wolle noch darüber diskutieren, wo die Figuren angebracht werden sollen – am liebsten jedoch nicht am Rathaus. Dies nicht zu tun, würde sich allerdings als schwierig erweisen, da die Schenkungsintension eindeutig im Zusammenhang der Platzierung auf den beiden Sockeln an der Rathausfassade steht. Darauf und auf die kulturhistorische Bedeutung der beiden Figuren verwies die CDU-Fraktion bereits im Vorfeld der Sitzung. In der Sitzung bestätigten dies der Oberbürgermeister, genauso wie sein Beigeordneter Alexander Hilge.

Beese, Thumfart, ein paar andere Rote und ein paar andere Grüne sollten allerdings bei der Abstimmung „Exoten“ bleiben. Ihr Verständnis, bürgerschaftliches Engagement zu würdigen, wurde glücklicherweise mehrheitlich nicht bestätigt. Vielmehr wurde ein mündlicher Ergänzungsantrag des CDU-Fraktionschefs Michael Panse angenommen. Im ursprünglichen Beschlusstext der Drucksache wurde zwar die Annahme der Schenkung genannt, es fehlte aber ein Passus, der explizit vorsehen würde, die Figuren am Rathaus zu installieren. Panse schlug vor, diesen in die Vorlage einzubauen und erhielt fraktionsübergreifend Zustimmung. Somit kann die Schenkung in ihrer Grundintension nicht nur vollzogen werden, sondern es erübrigen sich dazu auch weitere Grundsatzdiskussionen.

Man darf dabei nicht vergessen, hätte der Stadtrat mehrheitlich gegen die Annahme der Schenkung und der Installation am Rathaus gestimmt, wäre das im 1275-jährigen Stadtjubiläum Erfurts und im Jubiläumsjahr der Reformation für Erfurt und den Oberbürgermeister ziemlich peinlich geworden. Bonifatius und Luther dürfen also kommen!

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