Weimar. Immer diese Touristen! Kaum tauchen die ersten Sonnenstrahlen die Klassikerstadt in ein warmes Licht, kommen sie von überall her und verstopfen die Straßen, Gassen und Plätze der Stadt. Wenn das Goethe wüsste! Kein Haus, an dem der Dichterfürst nicht vorbei gegangen wäre, keine Bank, auf der er keine Zeichnung erstellt, kein Brieflein verfasst hätte. All das wollen die Touristen sehen, begreifen und etwas vom Genius loci erfassen.

Doch muss das alles dort sein, wo Jahrhunderte später das Leben tobt und die Weimarerinnen und Weimarer ihren alltäglichen Besorgungen nachkommen, Freunde besuchen oder zur Arbeit gehen müssen? Eine Idee wurde geboren und mit der Denkmalstelle abgesprochen: Zum 1. Juni wird eine Schnellgeher-Spur eingeführt. Diese ist an der blauen Markierung zu erkennen. Kleine Kinder, ältere Menschen, Touristen und Leute, die bummeln, dürfen diese Spur nicht betreten. Es droht ein Verwarngeld in Höhe von 15 Euro. In den ersten Juni-Tagen wird jedoch nur mündlich verwarnt, so das Ordnungsamt.
Vorbild für die Einführung der „Schnellgeher-Spur“ ist Liverpool.

Bezahlt wird die neue Spur aus den Mitteln der Kulturabgabe. Damit soll ein Ausgleich geschaffen werden, dass Touristen einen Eingriff in die Lebenswelt der Menschen in Weimar vornehmen. Diese sollen nicht mehr durch Menschentrauben vor den zahlreichen Goethe-, Schiller- , Herder-, Carl August-, Anna Amalia – und anderen Gedenkstätten behindert werden.

Autor: Faulloch. Satire für die schweigende Mehrheit.