Trotz 0:1-Niederlage im Relegationsrückspiel in Jena

Jena. Dank der Auswärtstorregel gelingt unserem FC Carl Zeiss Jena (FCC) nach fünf Jahren Abstinenz die Rückkehr in die 3. Liga. Der 1:0-Erfolg des FC Viktoria Köln im Rückspiel reicht den Domstädtern nicht. In einer speziell nach dem Gegentreffer 10 Minuten vor dem Ende nervenaufreibenden Partie hat unser FCC das glückliche Ende auf seiner Seite.

Groß war die Erleichterung bei den Anhängern unseres FCC bei Bekanntgabe der Aufstellung. Timmy Thiele konnte trotz einer im Hinspiel am Sonntag erlittenen schweren Mittelfußprellung auflaufen. Und so schickte Mark Zimmermann exakt die gleiche Startelf auf den Platz wie beim 3:2-Erfolg in Köln. Bei Viktoria Köln gab es gleich drei Änderungen im Vergleich zum Hinspiel. Für den rotgesperrten Mike Wunderlich rückte Marcel Gottschling in die Offensivabteilung der Domstädter. Daneben baute Trainer Marco Antwerpen seine Defensive auf zwei Positionen um. Anstelle der etatmäßigen Nummer 1 Philipp Kühn stand Alexander Monath zwischen den Pfosten. Und in der Innenverteidigung ersetzte Ex-Profi Markus Brzenska Edwin Schwarz, der zunächst auf der Bank Platz nahm.

Bereits weit vor Anpfiff herrschte im weiten Rund eine absolut klasse Stimmung. Die Südkurve war in die drei schönsten Farben der Welt gehüllt und wollte unseren FCC in blau, gelb und weiß zum Sieg schreien. Krasser Kontrast hierzu im Gästeblock: Nur ein kleines Häufchen war aus der Domstadt ins Paradies gekommen. Von den angekündigten 400 Gästefans fehlten gut und gerne 250.

Nach 4 Minuten näherten sich die Kölner im Anschluss an einen Eckball von Fatih Candan erstmals dem Jenaer Tor an. Doch Lanius‘ Kopfball ging weit über die Querlatte. Unser FCC störte wie bereits im Hinspiel früh und versuchte so die Kölner vom eigenen Tor fernzuhalten. Denn die Ausgangsposition war klar: Aufgrund der Auswärtstorregel benötigte Köln mindestens zwei Treffer, um das Ergebnis aus dem Hinspiel doch noch zu drehen. Erneut eine Ecke von Candan war der Ausgangspunkt für die erste echte Torchance der Gäste. Der Ball kann im ersten Anlauf nach einem Seitfallzieher von Golley nicht geklärt werden. Die Kugel springt vor die Füße von Backszat, der das Leder aus 14 Metern knapp einen Meter über die Querlatte knallt (14.).

20 Minuten dauerte es, bis sich unser FCC erstmals in gute Abschlussposition brachte. Ein starkes Anspiel von Sucsuz auf die linke Seite erläuft Thiele, umkreist Monath und flankt dann nach innen auf Eckardt. Zwar war das Tor verwaist, doch im Kopfballduell erreicht der Jenaer Kapitän die Kugel um Haaresbreite nicht. 120 Sekunden später macht Cros eine verunglückte Flanke von Golley völlig unnötig wieder scharf. Der Ball landet beim freistehenden Gottschling, der das Spielgerät von der Strafraumkante an die Querlatte schießt (23.).

Da hatten der französische Linksverteidiger und unser FCC Glück, dass der Blackout nicht bestraft wird. Ein Pass von Manfred Starke auf seinen Sturmpartner Timmy Thiele brachte auf der Gegenseite die nächste Möglichkeit für unseren FCC. Doch Thieles Flanke von der Grundlinie findet im Sturmzentrum keinen Abnehmer (25.). Im Anschluss an den folgenden Eckball verfehlt René Eckardt das Tor von der Strafraumkante deutlich. Kölns dritte Ecke, wieder von Candan getreten, verfehlt zunächst Brzenska, doch dafür ergibt sich die Schusschance für Backszat. Dessen Flachschuss kann mit Glück und Geschick geklärt werden (28.).

Die Kölner zeigten sich in der Spielanlage insgesamt offensiver als unser FCC, was aufgrund des Hinspielergebnisses aber auch nichtüberraschte. Nur Zentimeter fehlten unserem FCC nach 32 Minuten zur Führung: Die Ecke von René Eckardt ertaucht Sören Eismann am kurzen Pfosten und befördert die Kugel ins kurze Eck. Monath ist auf seinem Posten und kann das 1:0 mit etwas Mühe verhindern. Wenige Sekunden später unterläuft dem alles andere als sicher und austrainiert wirkenden Markus Brzenska ein Fehler im Abwehrverhalten. Timmy Thiele läuft auf das Kölner Tor, legt uneigennützig quer auf René Eckardt, doch dessen Abschluss kann geklärt werden. Vielleicht hätte Thiele hier besser selbst den Abschluss suchen sollen (33.). Und erneut nur wenige Minutenbruchteile später ist es erneut Timmy Thiele, der von einem Missverständnis im Kölner Abwehrverbund profitiert, doch auch diesmal fehlt die Präzision im Abschluss.

Die Kölner konnten sich aufgrund der drei Jenaer Chancen innerhalb von nur 3 Minuten zu diesem Zeitpunkt über den Zwischenstand nicht beschweren. Ein Freistoß von Candan nach Foul von Cros eröffnete unserem FCC wenig später die Chance zum Konter. Niclas Erlbeck erkannte wunderbar den freien Raum und schickte Firat Sucsuz auf die Reise. Doch der wird von der Kölner Verteidigung eingeholt und verpasst zudem den Querpass auf den mitgelaufenen Mitspieler. Der Schuss von der Strafraumkante war folglich die letzte Option, stellte Monath aber vor keine Probleme (39.). Kurz vor der Halbzeit musste Kölns Interimskapitän Markus Brzenska verletzungsbedingt den Platz verlassen – er hatte sich ohne gegnerische Einwirkung verletzt. Für ihn rückte der etatmäßige Mittelfeldspieler Marco Fiore in die Innenverteidigung. Durch ein Solo von Holzweiler sollten die Kölner in der Nachspielzeit der 1. Halbzeit noch einmal zu einer Schusschance kommen. Doch den Flachschuss aus 16 Metern kann Raphael Koczor sicher entschärfen. Und so ging es torlos in die Pause.

Personell unverändert gingen beide Mannschaften in die letzten 45 Minuten der Saison 2016/2017. Und wieder war es ein Standard, der die Kölner zu Torgefahr brachte. Candans Freistoß landet über Umwege bei Backszat auf Höhe des Elfmeterpunktes, doch der Schuss des Kölners kann geblockt werden (50.). Köln versuchte es zu Beginn der 2. Halbzeit hauptsächlich über die rechte Angriffsseite und hatte in Person von Gottschling und speziell Holzweiler durchaus gewisse Schnelligkeitsvorteile. Doch gefährliche Torchancen konnten sich die Domstädter dennoch nicht erspielen. In der 56. Minuten kam Bedi Buval für Manfred Starke in die Partie, um für neue Offensivakzente auf Seiten unseres FCC zu sorgen. Kölns Trainer Marco Antwerpen nahm wenig später Rechtsverteidiger Patrick Koronkiewicz vom Platz und brachte mit David Jansen einen weiteren Stürmer. Viktoria verteidigte fortan mit einer Dreierkette.

Nach 64 Minuten kochten die Emotionen über. Firat Sucsuz lag verletzt am Kölner Strafraum, doch das veranlasste die Domstädter nicht Fair Play walten zu lassen. Stattdessen spielten sie den Angriff aus der eigenen Hälfte heraus zu Ende und kamen in Person von Timm Golley zum Abschluss. Doch dessen Schuss aus halblinker Position ging deutlich am Ziel vorbei. Dass nach Abschluss der Szene Kölns Trainer Antwerpen auch noch mit Gesten in Richtung Tribüne provozierte, setzte der Unsportlichkeit der Kölner die Krone auf. Nach einem Eckball von René Eckardt war es erneut Sören Eismann per Kopf, der für Torgefahr sorgte. Doch sein Kopfstoß vom Elfmeterpunkt ging gut einen Meter rechts vorbei (68.). Das gesamte Stadion erhob sich von seinen Plätzen, als nach 72 Minuten Timmy Thiele für Maximilian Wolfram Platz machte.

Trotz Verletzung kämpfte der Jenaer Angreifer wie eh und je, riss Lücken für seine Mitspieler und sorgte immer wieder für Offensivgefahr. Eine mustergültige Leistung unserer Nummer 7. Ab der 70. Minute war feststellbar, dass bei den Kölnern aufgrund der laufintensiven Vorstellung speziell in der ersten Stunde der Partie die Kräfte schwanden. Oder glaubten sie in Anbetracht der nunmehr bombenfest stehenden Zeiss-Defensive doch nicht mehr an den Sieg? 9 Minuten vor dem Ende bewiesen die Domstädter das Gegenteil. Cros klärt den Ball nicht souverän, ein Kölner steckt zu Candan durch, der aus spitzem Winkel unter Koczor hindurch zum 0:1 vollendet. Zittern war angesagt!

Die Kölner warfen in den letzten Minuten alles nach vorne. Ein weiterer Treffer und sie hätten die Relegation gedreht. Doch unser FCC kämpfte und biss und stemmte sich als Team gegen den zweiten Gegentreffer. Mit den Fans im Rücken ging die Partie in vier Minuten Nachspielzeit. Jede Aktion wurde von den Fans phrenetisch begleitet. Als nach der Hälfte der Nachspielzeit Nottbeck aus 7 Metern zum Abschluss kam, stockte den FCC-Fans der Atem. Doch der Ball ging vorbei.

Zwei Minuten vor dem Ende: Ecke für Köln von der rechten Seite. Der FCC kann sich befreien. Doch noch immer ist nicht Schluss. Bei Viktoria geht der Torwart mit nach vorne. Strukturierte Aktionen sind kaum mehr erkennbar. Und dennoch ist die Anspannung kaum auszuhalten, wenn der Ball in die Jenaer Hälfte kommt. Und dann endlich: Der Schiedsrichter pfeift ab! Die Fans stürmen den Rasen und feiern den Aufstieg. Die Fans, die unseren FCC in zwei Partien unheimlich und bis zum Ende gepusht haben. Sie waren am Ende vielleicht das entscheidende Quäntchen.

Statistik

FC Carl Zeiss Jena: Koczor – Kühne, Klingbeil, Slamar, Cros – Eismann, Erlbeck (68. Reimann) – Eckardt, Starke (56. Buval), Sucsuz – Thiele (72. Wolfram)

FC Viktoria Köln: Monath – Koronkiewicz (58. Jansen), Brzenska (44. Fiore), Lanius, Lejan – Backszat (75. Ciganiks), Nottbeck – Holzweiler, Gottschling, Golley – Candan

Tore: 0:1 Candan (81.)

Gelbe Karten: Koczor (65.), Eismann (73.) – Lejan (58.), Fiore (66.), Nottbeck (79.), Golley (85.), Holzweiler (90.)

Schiedsrichter: Robert Schröder (Hannover)

Zuschauer: 13.800 (ausverkauft)

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