Von Michael Sander - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4009855

Temporäre Schließung ist keine Option

Erfurt. CDU-Stadträtin Marion Walsmann sieht in der temporären Schließung einer Dauerausstellung im Volkskundemuseum ein schlechtes kulturelles Aushängeschild für die Landeshauptstadt. „Den Wert eines Museums kann man nicht in Euro zählen, doch das scheint die in Erfurt für Kultur verantwortliche Führungsspitze nicht zu interessieren“, zeigt sich Marion Walsmann verärgert über die neuerliche kulturelle Fehlentscheidung hinsichtlich des Volkkundemuseums. „Die Mitglieder des Kulturausschusses wurden über die ‚verwaltungstechnischen Umstände‘ nicht informiert“.

Wiederholt muss das Volkskundemuseum für die desolate Kulturpolitik herhalten. Zunächst mussten sich Erfurts Kulturbürger gegen die Schließung wehren. Jetzt wird ganz praktisch peu à peu Hand angelegt. Klappt die Abstimmung im Ratssitzungssaal nicht, wird Personal abgezogen. Das ist ein bitteres kulturpolitisches Possenspiel, das nun auch noch durch einen weiteren Handstreich den Höhepunkt erreicht. Zwar gibt es ein Kombiticket zur Besichtigung zur Ausstellung im Stadtmuseum „Barfuß ins Himmelreich“, das auch den Zugang zu anderen Ausstellungen in anderen Museen ermöglicht, jedoch ist die Ausstellung zum Lutherjahr „Pilger(n): Auf der Suche nach Glück“ im Volkskundemuseum nicht mit eingeschlossen.

„Wer ein öffentliches Museum auch nur teilweise unzugänglich macht, unterschlägt seinen kulturellen und damit seinen eigentlichen Wert. Der Auftrag der Volkkundemuseen zur Pflege von Sitten und Brauchtum darf nicht vernachlässigt werden. Die Erkenntnis, dass eine Dauerausstellung am wenigsten, nämlich gar nichts kostet, wenn es sie nicht (mehr) gibt, ist Ausweis von ökonomischer Inkompetenz. Sie verrät zugleich einen grundlegenden Mangel an kulturpolitischem Sachverstand und an der Wertschätzung gegenüber der Erfurter Museumslandschaft. Dies ist ein schlechtes kulturelles Aushängeschild. Die Sammlung im Volkskundemuseum ist jedoch als eine Sammlung der Bürger zu verstehen, die durch zahlreiche Leihgaben und Schenkungen bereichert wird“, erklärt Marion Walsmann.

Ob die begangenen Fehler noch revidiert werden können, ist schwer abzusehen. Marion Walsmann hofft dennoch auf eine zeitnahe Aufhebung der temporären Schließung der Dauerausstellung und fordert entsprechende Nachbesserung. Sie fordert dabei außerdem den Direktor der Geschichtsmuseen auf, tatsächlich als Koordinator aller Museen zu fungieren und nicht nur seine selbst kuratierte Ausstellung im Blick zu haben.

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