LVV-Konzern steigert operatives Ergebnis, setzt Investitionsoffensive fort und senkt Verschuldung

Leipzig. Mit dem Jahresabschluss 2016 setzt die Unternehmensgruppe der LVV ihren Erfolgskurs fort. Das operative Ergebnis im laufenden Geschäft (EBITDA) ist im Vergleich zum Vorjahr um knapp 5 Millionen Euro auf 216 Millionen Euro gestiegen. Die Investitionen in die wachsende Stadt Leipzig steigerten sich auf 175,9 Millionen Euro (2015: 171,3 Millionen Euro). Gleichzeitig sank die Nettogesamtverschuldung auf 588,2 Millionen Euro (2015: 612,1 Millionen Euro). Das Betriebsergebnis wurde im zurückliegenden Geschäftsjahr auf 73,9 Millionen Euro verbessert (2015: 58,5 Millionen Euro). Wie in den Vorjahren schließt der Konzern das Geschäftsjahr positiv ab, erfüllt die Finanzierung der ÖPNV-Leistungen aus eigener Kraft – und damit eine zentrale Erwartung der Stadt Leipzig. Aufgrund von Steuerzahlungen, unter anderem Nachzahlungen für Vorgänge aus vergangenen Jahren, sank das Konzernjahresergebnis für das Geschäftsjahr auf 6,3 Millionen Euro.

„Leipzig wächst nachhaltig. Die Leipziger Gruppe leistet dazu erneut einen wichtigen Beitrag“, so Burkhard Jung, Oberbürgermeister der Stadt Leipzig und Aufsichtsratsvorsitzender der LVV. „Die Stadt und die Kommunalwirtschaft werden in diesem Jahr in Leipzig mehr als 700 Millionen Euro investieren. Damit ist das Investitionsvolumen in Leipzig so hoch wie seit 1990 nicht mehr. Die Verkehrsbetriebe investieren in einen modernen Nahverkehr, die Stadtwerke in eine zukunftsfähige Energieversorgung im Zeichen der Energiewende und die Wasserwerke stellen sich den Herausforderungen der Versorgung einer wachsenden Bevölkerungszahl.“

„Mit dem Jahresabschluss 2016 setzen wir unseren Erfolgskurs der letzten Jahre fort. Einmal mehr zeigt sich unser Konzern als zuverlässiger Partner der Stadt Leipzig für die Umsetzung ihrer Ziele. Solide Finanzen und eine Verbesserung unserer Ertragskraft haben dabei oberste Priorität. Im letzten Geschäftsjahr haben wir unsere Investitionen verstärkt und gleichzeitig mit unserem Schuldenabbau dafür Vorsorge getragen, dass dieser Kurs auch zukünftig fortgeführt werden kann“, sagt Norbert Menke, Sprecher der Geschäftsführung der LVV. „Mit dem Geschäftsjahr 2016 sind wir sehr zufrieden.“ In allen Unternehmen der Gruppe seien Fortschritte erzielt worden, so Menke weiter.

„Es gelingt uns im ÖPNV, der Wasserversorgung und der Netzinfrastruktur zunehmend das Wachstum der Stadt für unsere Geschäftsfelder zu nutzen.“ Aber das Wachstum zu gestalten sei auch eine große technische und finanzielle Herausforderung, betont Menke. Investitionen in Netze und Anlagen sowie in die Digitalisierung von Prozessen, Produkten und Services hätten auch weiterhin eine große Bedeutung. Entscheidend dafür seien verlässliche Rahmenbedingungen der Bundes- und Landespolitik. Das gelte insbesondere für Investitionen im Energiebereich und den öffentlichen Nahverkehr. „Unsere zentrale Herausforderung ist es, die Infrastruktur der dynamischen Bevölkerungsentwicklung anzupassen und die CO2-Effizienz in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität kontinuierlich zu verbessern.“ Mit ihrem Impulspapier „leipzig.leben.morgen“ habe die Unternehmensgruppe konkretisiert, welche Beiträge ihre Unternehmen für die nachhaltige Gestaltung der Zukunftsstadt Leipzig leisten können. „Wir freuen uns, dass unser Weg in Richtung Zukunftsstadt bundesweit anerkannt wird.“ So belege beispielsweise Leipzigs ÖPNV in der aktuellen Studie „Digital mobil in Deutschlands Städten“ Platz eins.

Volkmar Müller, kaufmännischer Geschäftsführer der LVV, unterstrich, die Unternehmensgruppe habe erneut sehr gut gewirtschaftet. „Wir haben uns in den wesentlichen Geschäftskennzahlen verbessert.“ So seien auch die Eigenmittel gestärkt worden – von 864,6 Millionen Euro im Vorjahr auf 877,9 Millionen Euro. „Unterm Strich haben wir enorm in die wachsende Stadt investiert. Diesen Kurs wollen wir beibehalten. Die dafür nötige Investitionskraft konnten wir 2016 stärken. Für die Herausforderungen der Zukunft haben wir uns eine gute Position erarbeitet.“

Leipziger Stadtwerke

Die Stadtwerke realisierten im Geschäftsjahr 2016 ein Ergebnis nach Steuern von 64,1 Millionen Euro, welches 9,7 Millionen Euro über dem des Vorjahres liegt. Einen positiven Einfluss hatten die kühlere Witterung und der daraus resultierende Mehrabsatz im Wärmemarkt sowie der wirtschaftlichere Betrieb der Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD). Ergebnissteigernd wirkten darüber hinaus Sondereffekte: 2016 konnten die Stadtwerke verschiedene strittige Geschäftsvorfälle aus Vorjahren zu ihren Gunsten abschließen.

2016 konnten die Stadtwerke ihre GuD wirtschaftlicher betreiben. Da bei gesunkenen Gaspreisen die Strompreise, die sich weiterhin auf niedrigem Niveau bewegen, stiegen, konnte die GuD über Plan eingesetzt und das Ergebnis verbessert werden. Allerdings gefährdet das aktuell in Bundestag und Bundesrat diskutierte Netzentgeltmodernisierungsgesetz (NEMOG) erneut die Wirtschaftlichkeit der GuD, nachdem diese gerade erst durch das Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz und die damit verbundene Förderung stabilisiert werden konnte. Das NEMOG sieht vor, die Vergütung für steuerbare Anlagen zu streichen, die mit ihrer dezentralen Erzeugung dazu beitragen, die Netznutzung zu reduzieren und damit Netzkosten zu senken. Lastnähe, Steuerbarkeit und Flexibilität von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen sind aber für ein modernes und wettbewerbliches Strommarktdesign unverzichtbar. Sie stabilisieren darüber hinaus das System, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Die nachhaltige Vermeidung der Netznutzung muss deshalb auch über 2021 hinaus honoriert werden.

Die Biomasseanlagen arbeiteten durch die Stabilisierung des Anlagenbetriebs bei niedrigen Brennstoffpreisen wirtschaftlich. Auch die Beteiligung in Danzig hat sich stabil entwickelt.

Ende 2016 investierten die Stadtwerke rund drei Millionen Euro in eine 70-prozentige Beteiligung an einem von der BOREAS Energie GmbH errichteten Windpark bei Gotha. Auch künftig plant das Leipziger Unternehmen Investitionen in moderne, erneuerbare Erzeugerstrukturen.

2016 investierten die Stadtwerke und ihre 100 prozentige Tochter Netz Leipzig rund 20 Millionen Euro in die Ertüchtigung und den Ausbau der Infrastruktur und realisierten über 1.000 Bauprojekte. Im vergangenen Jahr konnte die durchschnittliche Dauer von Versorgungsunterbrechungen im Vergleich zu den beiden Vorjahren um 2 Minuten auf ca. 7 Minuten pro Kunde gesenkt werden. Gründe sind ein leichter Rückgang des allgemeinen Störgeschehens, vor allem aber die Reduzierung geplanter Versorgungsunterbrechungen. Dies wurde durch vermehrte Arbeiten unter Spannung und einer allgemein schnelleren Wiederversorgung erreicht. Einen Beitrag hierzu leistete auch der Einsatz von fernauslesbaren Kurzschlussanzeigern im Mittelspannungsnetz.

Aufgrund der einmaligen Sondereffekte werden die Ergebnisse in den nächsten Jahren deutlich niedriger ausfallen. Kurzfristig wird für das Ergebnis nach wie vor die Witterung prägend sein. Mittelfristig maßgeblich werden der Erfolg der aktuellen Veränderungsmaßnahmen im Unternehmen sowie die politischen Rahmenbedingungen sein.

Hier erwarten die Stadtwerke deutliche Weichenstellungen nach der Bundestagswahl im Herbst, die Planungs- und Investitionssicherheit geben und die Energiewende technologieoffen und wettbewerblich vorantreiben. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien und moderner, intelligenter Netzinfrastrukturen müssen dezentral Strom, Wärme, Mobilität und industrielle Prozesse energiewirtschaftlich intelligent verknüpft werden. Insbesondere die urbane Energiewende braucht ein klares, politisches Bekenntnis zu flexiblen Wärmenetzen und zur Kraft-Wärme-Kopplung, wenn sie in der neuen Legislaturperiode vorankommen soll. Flexible Wärmenetze und Kraft-Wärme-Kopplung sind die maßgeblicher Träger der Energiewende in Städten. Darum investieren die Stadtwerke aktuell in die Weiterentwicklung ihres flexiblen Fernwärmesystems und schließen beispielsweise Plagwitz an die Fernwärme an.

Leipziger Verkehrsbetriebe

Mit über 10 Millionen mehr Fahrgästen konnten die Leipziger Verkehrsbetriebe ihre Fahrgastzahlen 2016 wieder steigern. Das Fahrgastwachstum liegt weit über Bundestrend und Stadtwachstum und ist vor allem auf den starken Anstieg der Anzahl der Stammkunden (+8,3 %) zurückzuführen. Im Rahmen einer Angebotsinitiative wurde im November der Abend-, Nacht- sowie Wochenendfrühverkehr angepasst. Dabei wurden die Sammelanschlüsse am Hauptbahnhof in zwei Gruppen aufgeteilt, wodurch nun alle 30 Minuten ein Verkehrsangebot zur Verfügung steht und damit insbesondere auf den zentrumsnahen Linien eine Taktverdichtung erreicht werden konnte. Diese Maßnahmen tragen maßgeblich zur Attraktivität des Leistungsangebotes und damit zur Steigerung der Anzahl der Fahrgäste bei. Die Umsatzerlöse der Verkehrsbetriebe stiegen von 107,2 Millionen Euro auf 131 Millionen Euro. Das ausgeglichene Jahresergebnis konnte zudem durch interne Kostensenkungen erzielt werden.

Zugleich trieb das Unternehmen seine Investitionsoffensive für die Verbesserung im Angebot und im Service voran. Das Investitionsvolumen erhöhte sich weiter gegenüber dem Vorjahr (56,8 Millionen Euro) auf 63,2 Millionen Euro. Wesentliche Modernisierungen der Infrastruktur und des Fahrzeugparks konnten so angepackt bzw. abgeschlossen werden.

Im Bereich der Netzinfrastruktur konnten langjährige Bauvorhaben wie Könneritzstraße, Antonienbrücken sowie Käthe-Kollwitz-Straße realisiert werden. Im Bereich Liegenschaften wurde ein wichtiger Meilenstein bei der Umsetzung des langfristigen Standortkonzeptes für die Straßenbahninstandhaltung und -abstellung erreicht. Mit der Fertigstellung des Betriebshofes in Dölitz konnte der Busbetrieb optimiert und das Dreieckskonzept mit dem Betriebshof Heiterblick/Paunsdorf und Angerbrücke umgesetzt werden. Darüber hinaus wurden 12 Gelenkbusse beschafft. Auch im Straßenbahnbeschaffungsprogramm erreichte das Unternehmen einen weiteren Meilenstein. Ende 2016 ist das erste Fahrzeug der XL, Leipzigs neue Straßenbahn, vor Ort angekommen. Nach Abschluss der Inbetriebnahme, inklusive der Testfahrten im Netz, erfolgen die technische Zulassung durch die Aufsichtsbehörden sowie die Ausbildung der Fahrerinnen und Fahrer und des technischen Personals. Diese anspruchsvolle Projektphase bis zur ersten Fahrt mit Fahrgästen nimmt branchenüblich einen Zeitraum von ca. sechs Monaten in Anspruch. Mit der Anlieferung erreicht das Unternehmen einen zentralen Meilenstein seiner Investitionsoffensive.

Für die wachsende Stadt will das Unternehmen den öffentlichen Personennahverkehr noch attraktiver machen. Die Verkehrsbetriebe hatten 2015 einen Vertrag mit Solaris Bus & Coach zur Lieferung 41 neuer Straßenbahnen unterschrieben. Mit der Vertragsunterzeichnung wurden verbindlich fünf Fahrzeuge bestellt. Außerdem sieht der Vertrag Optionen für weitere 36 Fahrzeuge vor. Das komplette Beschaffungsprogramm ist bis 2020 geplant.

Bereits zum dritten Mal in Folge konnten die Verkehrsbetriebe ihren Titel und ihre Führungsposition beim nationalen Ranking „Service-Champion“ (veranstaltet von den Kooperationspartnern ServiceValue GmbH, Goethe-Universität Frankfurt am Main und Tageszeitung DIE WELT) erfolgreich verteidigen. Im Gesamtvergleich konnte erstmals eine Silbermedaille erreicht werden. Im Branchenvergleich belegten die Verkehrsbetriebe wiederholt den ersten Platz. Im Mittelpunkt der Befragung standen die Kundenzufriedenheit durch Hilfsbereitschaft, Beratungsqualität und serviceorientierte Atmosphäre.

In der aktuellen Studie „Digital mobil in Deutschlands Städten“ (erstellt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers) erreichte der ÖPNV in Leipzig die Siegerposition unter 25 Städten. „Leipzig zeigt, dass innovative Angebote und Lösungen im ÖPNV nicht nur den großen Metropolen vorbehalten sind“, heißt es darin. „Vor allem durch die Kunden-App „Leipzig mobil“ des Verkehrsverbunds und die Vernetzung mit dritten Mobilitätsanbietern kann Leipzig im Bereich ÖPNV den Spitzenplatz erreichen.“ Und: „Spitzenreiter Leipzig kann mit den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) als Vorbild für andere Städte und Regionen dienen und zeigt, was heute bereits möglich ist.“

Leipziger Wasserwerke
Die steigende Einwohnerzahl macht sich bei den Leipziger Wasserwerken durch einen wachsenden Trinkwasserabsatz und ebenso steigende Abwassermengen wiederholt deutlich bemerkbar. Die Zahl der versorgten Einwohner in Leipzig und der Region ist um 17.000 auf 677.100 erneut angestiegen. Die abgesetzte Trinkwassermenge erhöhte sich dadurch wiederum um eine Million Kubikmeter auf nunmehr 30,7 Mio. m³. Der Pro-Kopf-Gebrauch der Haushalte ist im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt weiterhin um knapp ein Drittel geringer, stabilisiert sich aber bei rund 92 Litern pro Einwohner/Tag.

Im operativen Geschäft haben die Wasserwerke ihre Qualität bei der sicheren Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung zuverlässig unter Beweis gestellt. Lediglich zwei externe Sondereffekte (Umsatzsteuerrückzahlung, Zählerrückruf) beeinflussten das Jahresergebnis, das mit 24,0 Millionen Euro verbucht wird (-6 Mio. Euro).

Mehr als 350 Bauprojekte setzten die Wasserwerke 2016 um. Insgesamt betrug das Investitionsvolumen rund 52,3 Millionen Euro – und damit etwa 15 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Allein 50,9 Millionen Euro wurden dabei für die Erneuerung und Ertüchtigung der Trink- und Abwassernetze in der Stadt Leipzig und den Gemeinden des ZV WALL verwendet. Neben den mit Stadt und Verkehrsbetrieben koordinierten Großprojekten waren der Start der Arbeiten am Stauraumkanal in der Richard-Lehmann-Straße/B2, die Renovierung des zweiten südlichen Hauptsammlers im Clara-Zetkin-Park, der Abschluss der Arbeiten an der Mischwasserleitung Zwenkauer Straße/Krakauer Straße in Markranstädt und die Fortsetzung des 2014 begonnenen Investitionsprogramms zur Ertüchtigung der Brunnenfassungen an den Wasserwerken Canitz und Thallwitz wichtige Meilensteine bei der Ertüchtigung und Modernisierung der Infrastruktur.

Zur Absicherung langfristiger Ver- und Entsorgungssicherheit in Leipzig und der Region unter Berücksichtigung aktueller Bevölkerungsprognosen kommen tragfähigen Zukunftskonzepten eine immer größere Bedeutung zu. Mit der Umsetzung des unternehmensweiten Zukunftskonzeptes zur strategischen Ausrichtung der Trinkwasserproduktion und -verteilung und den laufenden Planungen für die Kapazitätserweiterung im Klärwerk Rosental haben die Wasserwerke zwei wesentliche Großprojekte weiter vorangebracht. Darüber hinaus fokussiert sich das Unternehmen permanent auf die Entwicklung und Umsetzung intelligenter Anpassungsstrategien in den Bereichen Klimawandel und Demografie, auf die Umsetzung steigender gesetzlicher Anforderungen und auf ein intelligentes Energiemanagement der Wasserwerke und ihrer Tochterunternehmen.

Die Jahres- und Konzernabschlüsse 2016 finden Sie im Internet unter:
https://www.l.de/gruppe/das-sind-wir/berichte-und-kennzahlen