„Die Straßen komme ich entlang geweht“
Der Berliner Dichter Ernst Blass

Jena. Das bereits 28. Heft der von dem Verein POESIE SCHMECKT GUT in Jena herausgegebenen Lyrikreihe „VERSENSPORN – Heft für lyrische Reize“ ist soeben erschienen. Es widmet sich dem expressionistischen Dichter und Kritiker Ernst Blass, der heute fast vollständig vergessen, allerhöchstens noch mit einer einzigen Gedichtzeile im Bewusstsein weniger Literarisch-Interessierter lebendig ist: „Die Straßen komme ich entlang geweht“ …

Ernst Blass, geboren am 17. Oktober 1890 in Berlin, findet früh Anschluss an die literarischen Kreise. Ab 1910 veröffentlicht er in fast allen bedeutenden avantgardistischen Zeitschriften und Anthologien, wird Mitglied im „Neuen Club“, der ersten expressionistischen Autorenvereinigung. Sein erster Gedichtband „Die Straßen komme ich entlang geweht“, der 1912 erscheint, macht ihn schlagartig bekannt. In diesen Dichtungen, die in Rezensionen und Zuschriften begeistert aufgenommen werden, wird die Weltstadt Berlin in all ihren Facetten hergezeigt, „besungen“: Cafés und Bars, Spießbürger und Dirnen, nächtliche Vorstadtstraßen und Busse, Laternen und Hunde … Aber all dies vordergründig Brodelnde, Flutende, Pulsierende ist nur Chiffre für die Einsamkeit, den totalen Sinnverlust des modernen Menschen, für das Gehetztsein seiner Existenz.

Blass’ Lyrik verändert sich in den Folgejahren. Der Hinwendung zum neoklassischen Ästhetizismus folgt Mitte der Zwanziger Jahre eine gewisse Rückbesinnung auf die expressionistischen Anfänge, der Anschluss an die Strömung der „Neuen Sachlichkeit“.

Ab 1926 treten bei Blass erste Anzeichen eines tuberkulöses Augenleidens auf, das im Laufe der Jahre zu fast vollständiger Erblindung führt. Nicht nur psychische, sondern auch materielle Not sind von nun an seine ständigen Begleiter. Infolge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten werden die Arbeits- und Publikationsmöglichkeiten für ihn als jüdischen Schriftsteller immer eingeschränkter.

Am 23. Januar 1938 verstirbt Ernst Blass, völlig vereinsamt und mittellos, in einem jüdischen Krankenhaus an den Folgen einer lange unerkannt gebliebenen Lungentuberkulose.

Das neue Heft des VERSENSPORN bietet einen Querschnitt durch das lyrischen Schaffen dieses wunderbaren Großstadtdichters, dessen Neuentdeckung noch aussteht.

Zu erwerben sind die VERSENSPORN-Hefte über www.poesieschmecktgut.de.