Der Multimediaguide zum Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erinnert an bedeutende Ereignisorte in Leipzig und den Kampf der Bürger für Freiheit, Demokratie und Deutsche Einheit

Leipzig. Zum Gedenken an die erste Massenerhebung gegen die kommunistische Diktatur in der DDR entwickelte die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ die zweisprachige App „Leipzig 1953“. Der Multimediaguide mit GPS-geführtem Rundgang und Audioführung in deutscher und englischer Sprache erinnert an 13 bedeutende Orte des Widerstandes am 17. Juni 1953 in Leipzig und klärt über die Ursachen, den Verlauf und die Folgen des Volksaufstandes auf. Zeitgenössische Fotos und Dokumente sowie Ton- und Filmmaterial ermöglichen eine tiefergehende Befassung direkt an den Ereignisorten. Auch die drei Leipziger Gedenkorte sind enthalten. Ab sofort ist die App in vollem Umfang zum Download freigeschaltet.

Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 war acht Jahre nach dem Ende des Krieges und der NS-Terrorherrschaft die erste Massenerhebung gegen die kommunistische Diktatur in der DDR. Aus den anfänglichen Protesten gegen die sozialen und wirtschaftlichen Probleme entwickelte sich weniger als vier Jahre nach Gründung der DDR ein flächendeckender Protest an dem über eine Millionen Menschen in über 700 Städten der DDR teilnahmen. Sie forderten Freiheit und Demokratie sowie die Deutsche Einheit. Sowjetische Panzer und die Deutsche Volkspolizei schlugen den Aufstand blutig nieder. Auch wenn sich ihre Forderungen erst mit der Friedlichen Revolution von 1989/90 erfüllten, so ist der Aufstand ein wichtiges Zeugnis, das an die Kraft und den Willen der Bevölkerung erinnert, sich bereits wenige Jahre nach der Gründung der DDR gegen das kommunistische System und seine Repressionen zu erheben.

Multimediaguide mit Hörführung zu einem Stadtrundgang sowie historischen Fotos, Dokumenten, Ton- und Filmbeiträgen

Die App „Leipzig 1953“ informiert an 13 Originalschauplätzen in Leipzig über bedeutende Aktionen des Widerstandes gegen das SED-Regime. Rund 40.000 Demonstranten protestierten in Leipzig gegen die Normerhöhung, gegen die Regierung und für freie Wahlen. Sie rissen Propagandaplakate und Spruchbänder der SED herunter und belagerten verschiedene Institutionen der SED-Diktatur, darunter die Bezirksleitung der Staatsjugendorganisation FDJ oder das Ernst-Thälmann-Haus mit Sitz des Bezirksvorstandes der gleichgeschalteten Gewerkschaften. Als Demonstranten versuchten, in die Stasi-Untersuchungshaftanstalt in der Beethovenstraße vorzudringen, erschossen Volkspolizisten den 19-jährigen Demonstranten Dieter Teich aus Wiederitzsch. Er war das erste Todesopfer in der Messestadt. Im Bezirk Leipzig kamen in diesen Tagen neun Menschen ums Leben, an die mit Kurzbiographien in der App an den Orten an denen Sie ums Leben kamen auch erinnert wird.

In die GPS-geführte Tour zu den 13 Ereignisorten in Leipzig sind außerdem die drei nach der Friedlichen Revolution entstandenen Gedenkorte in Leipzig integriert. Beim Gedenkort auf dem Südfriedhof wird mit entsprechenden Kurzbiographien auch noch einmal an die neun Todesopfer erinnert, die im dortigen Krematorium heimlich eingeäschert worden waren. Eine Vielzahl von originalen Fotos und Dokumenten sowie zeitgenössischem Ton- und Filmmaterial ergänzen die Informationen in der Hörführung. So können sich die Nutzer sowohl tiefergehend an den Ereignisorten mit den Geschehnissen auseinandersetzen als auch den Stadtwandel seit 1953 im direkten Vergleich nachvollziehen. Sechs Kapitel informieren darüber hinaus über Vorgeschichte, Entwicklung und Folgen des Aufstandes und nehmen eine historische Einordnung vor.

Bewusste Erinnerung an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 und seine Opfer ist notwendig

Seit 1945 gab es Widerstand gegen die Errichtung einer kommunistischen Diktatur im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands, der einen ersten Höhepunkt in den Protesten vor 64 Jahren fand. Vom 16. bis 21. Juni 1953 kam es in fast 700 Städten und Gemeinden der damaligen DDR zu Demonstrationen und Streiks von insgesamt mehr als einer Million Menschen. In Leipzig legten am 17. Juni insgesamt 27.000 Arbeiter und Angestellte in über 80 Betrieben die Arbeit nieder. Am Nachmittag demonstrierten bereits übe 40.000 Menschen auf verschiedenen Routen durch Leipzig. Schon damals waren „Deutsche Einheit“ und „Freie Wahlen“ zentrale Forderungen des friedlichen Protestes. So zeigte sich in diesem ersten antidiktatorischen Aufstand im kommunistischen Machtbereich das Streben der Menschen in der DDR nach Demokratie und Freiheit, das schließlich am militärischen Eingreifen der sowjetischen Besatzungsmacht scheiterte.

Mit dem Einsatz von Schusswaffen und der Verhängung des Ausnahmezustandes wurden alle Hoffnungen auf Veränderungen zerstört. Neun Tote und mindestens 95 Verletzte waren allein im Bezirk Leipzig zu beklagen. Unmittelbar nach dem Aufstand setzte eine große Verhaftungswelle ein. Von den durch Stasi und Volkspolizei in Leipzig fast 1.000 Verhafteten wurden in den Folgemonaten über 100 Personen – teils in Schauprozessen – zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, einer auch zum Tode.

Ein bewusstes Erinnern an den Volksaufstand und seine Opfer war in der DDR nicht möglich. Während die Bundesrepublik den 17. Juni zum gesetzlichen Feiertag und später zum nationalen Gedenktag erklärte, wurde er vom SED-Regime bis zum Schluss als „faschistischer“ bzw. „konterrevolutionärer Putschversuch“ diffamiert. Seit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde der Nationalfeiertag auf dieses Datum gelegt. Der 17. Juni scheint jenseits runder Jubiläen zunehmend in den Hintergrund und damit in Vergessenheit zu geraten. Dies darf nicht passieren! Denn gerade dieser friedliche Aufstand für Freiheit und Demokratie gegen die kommunistische Diktatur zeigt eindrücklich, wie wichtig unsere heutige Demokratie ist und dass wir uns für deren Erhalt immer wieder einsetzen müssen.

„Zeitgeschichte an Original-Orten“ mit Geschichts-Apps der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ erleben

Die App erinnert an den Ereignissorten an den viel zu oft vergessenen Volksaufstand gegen die SED-Diktatur und reiht sich damit ein in das dem Motto der Gedenkstätte „Zeitgeschichte an Original-Orten“. Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ vermittelt unter diesem Motto die Geschichte von Repression und Unterdrückung der kommunistischen Diktatur am Leipziger Beispiel und erinnert an den Widerstand sowie die Selbstbefreiung von der SED-Diktatur im Zuge der Friedlichen Revolution. Die jetzt fertiggestellte App „Leipzig 1953“ zum Volksaufstand vom 17. Juni 1953 ergänzt insoweit die schon seit Jahre erfolgreiche mehrsprachige App „Leipzig ‘89“, die zu 20 Originalschauplätzen des demokratischen Aufbruchs 1989/90 im Leipziger Stadtraum führt, an denen bedeutende Aktionen stattfanden, die zum Sturz der SED-Diktatur beitragen.

Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ will mit ihren Geschichts-Apps bewusst auch die jüngere Generation und die Touristen der Stadt Leipzig erreichen. Diesen multimedialen und mobilen Angebote ergänzen die stationären Gedenk- und Erinnerungsstätten mit Ihren Ausstellungen im Stadtraum, also dort, wo die Menschen sich aufhalten. Gleichzeitig stellen die Apps auch eine Brücke zur Gedenkstätte mit Ihren Ausstellungen her.

Die App „Leipzig 1953“ wurde gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung und von der Leipziger Agentur zweinull.Marketing gestaltet. Ab sofort kann sie in vollem Umfang kostenfrei in den App-Stores heruntergeladen werden. www.runde-ecke-leipzig.de/app1953

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