Spuren führen zu Sparkasse und LBS

Erfurt. Die armenischen Mafiaclans in Erfurt organisieren seit Jahren Kreditbetrugsgeschäfte. Dabei führen Spuren zur Landesbausparkasse Hessen-Thüringen (LBS), zur Sparkasse Mittelthüringen und weiteren Banken. Das geht aus Ermittlungsunterlagen des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor, die MDR THÜRINGEN vorliegen. An diesen Geschäften waren mutmaßliche Mitglieder der armenischen Mafia, frühere Bankmitarbeiter und freie Kreditvermittler beteiligt. Die Ermittler gehen davon aus, dass hinter diesen Kreditgeschäften ein Geldwäschesystem steckt. Das Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Erfurt hatten zwischen 2009 und 2015 gegen die armenische Mafia in Thüringen ermittelt. Bei diesem komplexen Verfahren waren die Behörden auf diese Kreditbetrügereien gestoßen.

Die Kredite wurden in den meisten Fällen von Strohleuten beantragt. Für diese Anträge bei den Banken wurden mehrfach Unterlagen, wie Gehaltsscheine oder Steuerdokumente, gefälscht. Die Mafia-Bosse organisierten die Strohleute und stellten den Kontakt zu freien Kreditvermittlern her. Laut Abhörprotokollen des BKA gab es auch direkte Kontakte zu Bankmitarbeitern. Diese wiederum regelten mit gefälschten Unterlagen die Vergabe der Darlehen. Die Summen waren in vielen Fällen nicht höher als 60.000 oder 70.000 Euro. Die Fahnder vermuten, dass für die Rückzahlungsraten Gelder aus kriminellen Geschäften eingesetzt wurden. Mit den ausgezahlten Darlehen kamen die Mafia-Bosse zu sauberen Geld. Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN laufen solche Kreditbetrugsgeschäfte noch immer.

Im Zuge des BKA-Verfahrens wurden bereits 2011 unter anderem die Räume der LBS Hessen-Thüringen in Erfurt durchsucht. Die Bank teilt MDR THÜRINGEN mit, dass sie sich von einem Mitarbeiter getrennt habe, der mutmaßlich in die Geschäfte verwickelt war. Auch die Sparkasse Mittelthüringen war von den mutmaßlichen Betrugsgeschäften betroffen. Ein freier Kreditvermittler, der für die Sparkasse tätig war, soll daran beteiligt gewesen sein. Die Sparkasse teilte MDR THÜRINGEN mit, dass ihr die Ermittlungen des BKA bisher nicht bekannt waren. Aus den Akten geht aber hervor, dass die Sparkasse im Rahmen der damaligen Ermittlungen einen Revisionsbericht an die Behörden übergeben hatte. Die betroffenen Kreditvermittler und Ex-Bankmanager wollten sich auf Anfrage nicht äußern.


Sendehinweis:
„Rote Kredite, dunkle Geschäfte: Die Sparkasse und dubiose Vermittler“
„Exakt – Die Story“ am Mittwoch, 21.06.2017, 20.45 Uhr im MDR-Fernsehen

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