Erfurt. Der Verband der Omnibusunternehmen in Thüringen fordert den massiven Ausbau der Omnibus-Investitionsförderung, um dem Aussterben der ländlichen Räume entgegenzuwirken und die Attraktivität des ÖPNV insgesamt zu steigern. Die bisherige Festpreis-Förderung sollte umgewandelt werden in eine prozentuale Förderung analog der bestehenden Regelung für Straßenbahnen.

Das statistische Durchschnittsalter von Omnibussen in Deutschland beträgt 8,7 Jahre, das Durchschnittsalter der Busse in Thüringen per 1. Januar 2017 ist 8,5 Jahre. In diese Statistik fließen alle Omnibusse ein, auch die Reise- und Fernlinienbusse. Das Durchschnittsalter der Busflotte in Deutschland war zuletzt aufgrund der zahlreichen Neuzulassungen für Fernlinienbusverkehre gesunken.

Für den ÖPNV in Thüringen werden ca. 2.000 Linienbusse mit mehr als neun Plätzen eingesetzt. Hinzu kommen statistisch nicht erfasste Kleinbusse. Die notwendige regelmäßige Erneuerung der Fahrzeugflotte ist in den Nahverkehrsplänen der Städte und Landkreise festgelegt. In der Regel werden ein Durchschnittsalter der Fahrzeugflotte von 6 bis 10 Jahren und ein maximales Höchstalter der Fahrzeuge von acht bis 15 Jahren vorgeschrieben. Dabei gelten die niedrigeren Werte für den Stadtverkehr und die höheren für den Regionalverkehr.

Dies bedeutet, dass in Thüringen jährlich zwischen 150 und 180 Omnibusse für den öffentlichen Personenverkehr neu beschafft werden müssen.

Bei einem mittleren Beschaffungspreis von 220.000 Euro pro Fahrzeug und einer Förderquote von 70 Prozent ergäbe sich ein Bedarf von 23,1 bis 27,7 Millionen Euro jährlich für die Förderung der Busbeschaffung in Thüringen. Bei dieser Berechnung wurde die aktuell gültige Förderquote für die Förderung der Straßenbahnbeschaffung (Förderung anteilig 70% der Beschaffungskosten) angenommen.

Würde statt Dieselfahrzeugen nur elektrisch betriebene Omnibusse beschafft, dann müsste nach vorsichtigen Schätzungen die dreifache Fördermittelmenge für Omnibusse zur Verfügung gestellt werden. Bei Einhaltung der Klimaschutzziele wäre dies in wenigen Jahren notwendig.

Die derzeitige Förderrichtlinie des Freistaates Thüringen sieht für Omnibusse allerdings eine Festpreisförderung von 70.000 Euro für einen Standardlinienbus ab 11 Metern Länge vor. Damit entsteht eine Förderquote von ca. 30% für Omnibusse.

Die Richtlinie läuft Ende des Jahres 2017 aus.

Bei einer Gesamt-Fördersumme von rund 4 Millionen Euro konnten in der letzten Zeit etwa 40 Omnibusse gefördert werden. Vor wenigen Jahren waren diese Werte wesentlich höher. Während die Förderquote für Straßenbahnen defacto 70% beträgt, schätzt der MDO die tatsächliche langjährig gemittelte Förderquote für Linienbusse unter 10 Prozent.

Der ÖPNV in Thüringen sollte ganzheitlich betrachtet und nach gleichen Maßstäben finanziert werden. Während in den Städten in der Regel alle Wege mit dem ÖPNV an allen Tagen in der Woche in maximal 20 Minuten zu erledigen sind, werden viele Gebiete in der Region gar nicht oder kaum durch den ÖPNV erschlossen. Kontinuität ist meist nur in den Schultagen vorhanden. Eine flächendeckende Erschließung der Region zu Abend- oder Nachtzeiten fehlt meistens. Der ÖPNV in den Regionen hat daher enormen Nachholebedarf. Zuletzt wurde eine gesonderte Förderung landesbedeutsamer Linien eingeführt, was die Branche sehr begrüßt hat.

Die Busförderung ist eine der wesentlichen Säulen zur Finanzierung des ÖPNV.

Zudem kann über die Fördermittel die Barrierefreiheit des ÖPNV beeinflusst werden.

Ab 2022 muss der ÖPNV barrierefrei sein. Eine VCD-Studie (pdf, 423 KB) ergab, dass die Kommunen weniger Geld für die Subventionierung von Bussen und Bahnen als für den Autoverkehr aufbringen müssen. Während sich der öffentliche Nahverkehr mit rund 70 Prozent selbst finanziert, liegt der Kostendeckungsgrad des Autoverkehrs je nach Kommune bei lediglich 15 bis 47 Prozent.

Für die Flächenerschließung mit ÖPNV verweisen wir auf eine aktuelle Studie von Professor Matthias Gather der Fachhochschule Erfurt im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft (http://www.thueringen.de/th9/tmil/landesentwicklung/rolp/lb/).

Die Mitgliedsunternehmen des MDO e.V. sind vorrangig im Thüringer Regionalverkehr und in den kleineren Städten Thüringens sowie im Reisebus- und Fernlinienverkehr tätig.

Autor: Verband Mitteldeutscher Omnibusunternehmer e.V. (MDO)