Trotz gestiegener Umsatzrendite verdienen viele Unternehmer weniger als den gesetzlichen Mindestlohn

Erfurt. Die letzte Erhebung von Branchenvergleichszahlen für das Hotel- und Gaststättengewerbe liegt mehr als 4 Jahre zurück. Seit je her stehen die Unternehmen der Branche vor der Herausforderung immer weiter steigenden Kosten mit immer besseren und umfangreicheren Dienstleistungen kombinieren zu müssen. Personal zu finden ist heute schwieriger denn je. Notwendige Preisanpassungen als Kompensation der Kostensteigerungen für Mindestlohnanpassungen, Energiewende, Waren usw. müssen dem Gast mühsam erläutert werden und stoßen dennoch nicht immer auf Verständnis.

Bei der aktuellen Erhebung der Branchendaten galt es, einen komplexen und detaillierten Überblick zur wirtschaftlichen Situation des Gastgewerbes nach der Einführung des Mindestlohns darzustellen. Dies erfolgte durch die Auswertung der Jahresabschlüsse sowie einer Befragung zu verschiedenen Themen, beispielsweise über das Investitionsverhalten, der Mitarbeitergewinnung, dem Aufwand für Dokumentationspflichten der Betriebe.

„Thüringen hat sich zum Tourismusland entwickelt, hat Tourismus in der DNA“, stellte Staatssekretär Maier in seiner Begrüßungsrede fest. „Es fehlt an Leitinvestitionen in der gehobenen Hotellerie und im Trendmarkt der Ferienwohnungen.“ Für die notwendige Investorensuche, Akquise und Beratung wurde eine Task force Leitinvestitionen im Tourismus gegründet.

„Der vorliegende Betriebsvergleich ist aber mehr als nur eine Statistik. Vielmehr zeigt er uns für unsere Unternehmen Schwachstellen auf und hilft bei der Einordnung der eigenen betriebswirtschaftlichen Zahlen. Zugleich bietet er uns Vergleiche mit ähnlichen Unternehmen. Er ist sozusagen die Orientierungshilfe für uns als Unternehmer im Thüringer Gastgewerbe in den kommenden Jahren.“, so die Präsidentin des DEHOGA Thüringen, Gudrun Münnich.

Im Zeitraum der Jahre 2010-2015 ging die Zahl der Betriebe im Thüringer Gastgewerbe entgegen dem Bundestrend kontinuierlich zurück und verzeichnet ein Minus von 10,1 Prozent. Nicht nur die Marktbereinigung bringt den verbleibenden Unternehmen eine nachhaltige Verbesserung. So ist der durchschnittliche Umsatz pro Betrieb von 154 TEUR im gleichen Zeitraum auf 210 TEUR gestiegen. Das bedeutet eine deutliche nominale Steigerung um 36 Prozent. Die liegt aber noch immer deutlich unter dem deutschlandweiten Durchschnitt mit 356 TEUR Umsatz pro Betriebsstätte.

Im Thüringer Gastgewerbe ist der Umsatz von 2014 auf 2015 um 14,8 TEUR gestiegen. Dies bedeutet eine Steigerung um 7,3 Prozent. Das deutsche Gastgewerbe konnte im gleichen Zeitraum einen prozentualen Umsatzzuwachs in Höhe von 5,8 Prozent verbuchen, was jedoch einem absoluten Wert von 19,5 TEUR entsprach.

Die Umsatzrenditen liegen aktuell in der Gastronomie je nach Betriebsart zwischen 6,6 und 15,8 Prozent. In der Hotellerie liegen sie aktuell zwischen 4,4 und 14,3 Prozent. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen im Thüringer Gastgewerbe Einzelunternehmen bzw. Personalgesellschaften sind, und aus Gewinn der Unternehmen ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Daraus sind dann jeweils die Verbindlichkeiten sowie eine angemessene Altersvorsorge zu bestreiten.

„Wenn der ermittelte Gewinn im Thüringer Gastgewerbe pro Betriebsstunde zwischen 8,83 und 16,04 EUR liegt und wir dabei berücksichtigen, dass fast 20 Prozent der im Gastgewerbe Beschäftigten eben nicht auf der Lohnliste stehen, weil es die Unternehmer selbst oder ihre Angehörigen sind und sie außerdem noch pro Woche zwischen 10 und 15 Stunden mit bürokratischen Vorschriften, wie Dokumentation und Kennzeichnungen beschäftigt sind, dann liegt das Einkommen der Unternehmer weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn. Dies macht selbstredend das Finden von Nachfolgern nicht gerade einfacher.“, so Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Thüringen.

Die betrieblichen Kosten für Wareneinsatz, Betriebs- und Verwaltungskosten sowie Zinsaufwand entwickelten sich in allen Vergleichsgruppen positiv. Diese wurden jedoch durch den gestiegenen Personalkostenaufwand wieder kompensiert, sodass eine positive Ergebnisentwicklung nur langsam zu verzeichnen ist.

Aktuell gaben die Unternehmer des Beherbergungsgewerbes an, größere Investitionen zu planen und umzusetzen.

Leider ist gerade die kleinstrukturierte Gastronomie weiterhin auf einem Deinvestitionskurs. Dies bedeutet, dass die Abschreibungen weit höher sind als die betrieblichen Investitionen, was einem betrieblichen Substanzverbrauch kennzeichnet. Leider stehen bei den meisten Unternehmen vorerst nur Ersatzinvestitionen im Fokus.

Hier muss nun gezielt angesetzt werden, den Hautleistungsträgern im „Tourismusland Thüringen“ auch die Luft zu verschaffen, dass sich Unternehmen und dessen Mitarbeiter motivieren, qualifizieren und damit weiterentwickeln können.

Die Ergebnisse der aktuell erhobenen Daten von Unternehmen aus der Gastronomie und der Hotellerie wurden vom DEHOGA Thüringen e.V. am 27. Juni 2017 in der Thüringer Aufbaubank vorgestellt.

Die Durchführung des Betriebsvergleiches wurde durch die Unterstützung des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft, Thüringer Aufbaubank, der IHK Südthüringen und der IHK Erfurt ermöglicht. Die wissenschaftliche Ausführung erfolgte durch das dwif e.V. (Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr e.V. an der Universität München).

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere