GuD nach Fertigstellung 1992 Foto: Leipziger Stadtwerke

Stadtwerke-Chef Kleinsorg: “Keine Energiewende ohne Wärmewende”

Leipzig. Am 1. Juli 1992 verschmolzen die Stadtwerke Wärmeversorgung und Anlagenreparatur Leipzig GmbH und die Kommunale Gasversorgung zur Stadtwerke Leipzig GmbH. “Ein Blick auf die vergangenen 25 Jahre zeigt, dass die Stadtwerke bereits zahlreiche Herausforderungen gemeistert haben – für die Stadt Leipzig und ihre Bürger”, sagt Johannes Kleinsorg, Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke. Heute arbeiten 1.123 Mitarbeiter, davon 74 Azubis, für die Leipziger Stadtwerke-Gruppe. Am Tag der Gründung waren es 761 Mitarbeiter.

Umweltfreundliche Energieerzeugung von Anbeginn

Bereits im September 1992 wurde mit der Umstellung von Stadt- auf Erdgas begonnen. In nur zweieinhalb Jahren konnte das umweltschädliche und hochgiftige Stadtgas durch umweltfreundliches Erdgas ersetzt werden. Auch das historische Graugussnetz musste abgelöst werden, da es nicht mehr den technischen Anforderungen entsprach. 835 km Graugussleitungen für die Verteilung des Erdgases wurden bis 2005 für rund 220 Mio. Euro durch moderne Kunststoffmantelrohre ersetzt.

Herzstück der Leipziger Energieversorgung war von Anbeginn das Fernwärmesystem. Doch die Mangelwirtschaft der 80er Jahre hatte auch an den innerstädtischen Wärmenetzen ihre Spuren hinterlassen: Das Leipziger Dampfnetz war verschlissen, die Dampfschwaden aus den Schachtdeckeln ein sichtbares Zeichen. Bis 1999 wurde die bisher dampfversorgte Innenstadt an das Heißwassernetz angeschlossen und das marode Dampfnetz zurückgebaut. Allein 1994 investierten die Leipziger Stadtwerke 70 Millionen DM in die Fernwärmeversorgung. Am 14. September 1993 wurde der Grundstein für die Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) gelegt, die 1995 in Betrieb ging. Seitdem erzeugt die Anlage im Herzen der Stadt umweltschonend Strom und Wärme. “Und das für alle Leipziger deutlich spürbar: Verglichen mit 1990 emittieren 1996 stadtwerkseigene Schornsteine 37 Prozent weniger CO2, 97 Prozent weniger Staub und 88 Prozent weniger Schwefeldioxid”, blickt Karsten Rogall, als Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke auch für das Erzeugungs- und Netzgeschäft des Unternehmens zuständig, zurück. In der jüngeren Zeit stand die Besicherung des zunehmenden Wärmebedarfs im Vordergrund: 2014 und 2015 errichtete das Unternehmen moderne Wärmespeicher und neue Heizwerke.

Heute betreiben die Stadtwerke eine hocheffiziente GuD und produzieren hier in umweltschonender Kraft-Wärme-Kopplung anteilsmäßig 60 Prozent der im Leipziger Stromnetz verkauften Mengen und stellen gleichzeitig die Wärmeversorgung Leipzigs sicher. Die mit den eigenen Biomassekraftwerken und mit im Beteiligungsportfolio befindlichen Windkraftanlagen erzeugten Mengen reichen aus, um die restlichen rund 40 Prozent aus erneuerbaren Quellen abzudecken. Damit produzierten die Stadtwerke im Durchschnitt der Jahre 2015 und 2016 anteilsmäßig sogar 75 Prozent der an ihre Privat- und Gewerbekunden gelieferten Strommengen erneuerbar. “Auch in den nächsten Jahren wollen wir dazu beitragen, die Energiewende mit unseren Investitionen in Erzeugeranlagen voranzubringen – rentabel und technologieoffen”, so Rogall.

Stadtwerk für die Leipziger

Die technischen Herausforderungen der Anfangsjahre waren auch wirtschaftlich eine Mammut-Aufgabe für die jungen Stadtwerke. Von 1993 bis 1996 flossen über eine Milliarde DM in die technische Infrastruktur Leipzigs. Dennoch konnte das Unternehmen bereits 1996 erstmalig ein positives Geschäftsergebnis ausweisen – 0,7 Millionen DM Gewinn. Mit dem Vertrieb von Energieprodukten – auch über Leipzigs Grenzen hinaus -, dem Energiehandel und dem Betrieb eigener Erzeugungsanlagen sowie der Leipziger Strom- und Gasnetze erwirtschaftete die Leipziger Stadtwerke-Gruppe seitdem über 900 Mio. Euro für die Stadt Leipzig und die Daseinsvorsorge ihrer Bürger. Denn die Stadtwerke stehen nicht nur für die verlässliche Versorgung mit Strom, Gas und Wärme, sondern sichern mit ihrer Wirtschaftskraft den öffentlichen Personennahverkehr der Messestadt.

Innerhalb des LVV-Konzerns erbringen sie mit ihrem jährlichen Betriebsergebnis einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der ÖPNV-Leistungen des Unternehmensverbundes aus eigener Kraft. Anderseits sind sie ein starker Garant für die Regionalrendite des Konzerns. Dieser vergibt seine Aufträge zu 85 Prozent in die Region Leipzig. Rund 520 Millionen Euro der Wirtschaftsleistung in Leipzig gehen auf seine Geschäftstätigkeit zurück. Jeder Euro Wertschöpfung, der durch ihn erbracht wird, führt zu weiteren 1,40 Euro Wertschöpfung in der Region.

Vom Versorger zum kundenorientierten Energiedienstleister

Seit der Neugründung entwickelten sich die Stadtwerke vom reinen Versorger zum kundenorientierten Energiedienstleister. Im August 1995 weihten sie ihr Energieberatungszentrum in der Pfaffendorfer Straße als Beratungs- und Kompetenzzentrum ein. Schon zwei Jahre später konnten sich Stadtwerke-Kunden auch im Internet über ihren Lieferanten informieren.

Und weil der umweltfreundliche Umgang mit Energie immer mehr auch ins Bewusstsein der Kunden rückte, rief das Unternehmen 2008 sein UMWELT PLUS-Programm ins Leben. Das Programm bündelt energiesparende und umweltschonende Dienstleistungen und Förderprogramme und schont damit nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel der Kunden.

Die Zukunft der Stadtwerke hat einen Namen: Leipziger Energiewende

Als vertrauter Energiepartner vor Ort wollen die Stadtwerke ihren Kunden in der komplexen Energiewelt Orientierung geben, mit ihnen gemeinsam neue Ideen entwickeln und zukunfts­sichere Lösungen liefern. Denn die Energiewende, die rasante technologische Entwicklung und die Digitalisierung betreffen nicht nur Energieunternehmen. “Die neue Energiewelt eröffnet auch Privatpersonen, Unternehmen und Kommunen eine Vielzahl neuer Chancen und Möglichkeiten”, betont Kleinsorg. “Diese gilt es, rechtzeitig, aktiv und mit intelligenten Konzepten zu nutzen – dafür stehen wir als 360° Energiepartner an der Seite unserer Kunden.”

In Händen starker Stadtwerke kann die urbane Energiewende gelingen

Auch wenn für die Energiewende überall in Deutschland die gleichen Ziele und Rahmenbedingungen gelten, sind die regionalen Treiber und Hürden doch verschieden. Bisher hat die Energiewende mit dem Ausbau von Windkraft- und Fotovoltaikanlagen hauptsächlich stromfokussiert in ländlichen Regionen stattgefunden. “Gelingen wird sie jedoch nur, wenn wir sie in Form einer Wärmewende in die Städte tragen”, ist Kleinsorg überzeugt.

Kleinsorg: “Im fairen Wettbewerb kann auch die Energiewende gerecht werden.”

Bei der Gestaltung der Energiewende in einer wachsenden Stadt Leipzig setzt das Unternehmen auf eine intelligente und technologieoffene Verknüpfung von effizienten erneuerbaren und konventionellen Energien. Dabei ist das moderne Fernwärmesystem nach wie vor zentral für die Leipziger Energieversorgung von morgen. Der Wärmebedarf des Gebäudebestandes soll bis 2020 um 20 Prozent sinken. Darüber hinaus soll ein Großteil des Wärmebedarfs durch erneuerbare Energie gedeckt werden. Vor allem in Ballungszentren stehen Energieversorger und ihre Kunden damit vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Denn in dicht und historisch bebauten Städten wie Leipzig stoßen dezentrale und erneuerbare Versorgungslösungen schnell an ihre Grenzen. “Gebäudedämmung und Einsatz erneuerbarer Energien werden den Wärmebedarf auch in Zukunft nicht allein decken können. Wenn die Energiewende gelingen soll, ist es unverzichtbar die heute schon umweltfreundliche Fernwärme weiter zu entwickeln”, betont Kleinsorg. “Das integrierte Fernwärmesystem aus Erzeugung, Netz und Kundenstationen ist eine hervorragende Basis, die urbane Wärmewende zielgerichtet und zukunftssicher voranzutreiben. Fernwärme kann nicht nur effiziente und hocheffiziente Wärmeerzeugungstechnologien, sondern auch sämtliche Energieträger, ob konventionell oder erneuerbar, bündeln”. Das spart Primär-Energie, reduziert CO2 und Luftschadstoffe. “In Verbindung mit Kraft-Wärme-Kopplung, Wärmespeichern und Power to Heat, also der Umwandlung erneuerbaren Stroms in Wärme, ist auch in Zukunft eine effiziente und bezahlbare Kopplung des Strom- und Wärmemarktes praktizierbar”, ergänzt Rogall.

“Die urbane Wärmewende braucht ein klares, politisches Bekenntnis zu flexiblen Wärmenetzen und zur Kraft-Wärme-Kopplung, wenn sie vorankommen soll. Beide sind die maßgeblichen Träger der Energiewende in Städten”, so Rogall. Als kommunales Stadtwerk können und wollen die Leipziger starker Motor der Energiewende sein – Treibstoff sind die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa. Die politischen Entscheidungsträger haben es in der Hand, ob die Energieversorgung der Zukunft einerseits grüner und effizienter und andererseits auch sicher und wirtschaftlich gestaltet werden kann. Dafür erwarten die Leipziger Stadtwerke deutliche Weichenstellungen nach der Bundestagswahl, die Planungs- und Investitionssicherheit geben und die Energiewende technologieoffen und wettbewerblich vorantreiben. Denn, so Kleinsorg: “Im fairen Wettbewerb kann auch die Energiewende gerecht werden.”

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