Thesen des BürgerEnergie Thüringen e.V.

Jena. Um uns vor einer gefährlichen Änderung des Klimas zu schützen und Energie langfristig und sicher gewinnen zu können, müssen wir vor allem Energie einsparen. Das gelingt uns in Deutschland und Thüringen leider nicht ausreichend. Auch wenn es uns an einzelnen Stellen gelingt Energie zu sparen, brauchen wir zusammen doch immer mehr Energie, weil wir immer mehr Geräte nutzen, immer größere Wohnungen beziehen oder immer weitere Wege mit immer größeren Autos fahren (müssen oder wollen). Daher wird der zweitbeste Weg immer wichtiger: In den letzten 20 Jahren ist es uns gelungen, immer mehr Energie aus unerschöpflichen Quellen zu gewinnen, ohne dass wir dabei Rohstoffe verbrennen.

Obwohl fast alle die Energiewende unterstützen, stellen sich viele auch gegen die Nutzung der Windenergie, besonders dort, wo noch keine Erfahrungen mit Windenergie bestehen und die Angst vor dem Unbekannten überwiegt. Vor allem aus Sorge um die schöne Landschaft wehren sich viele Thüringer gegen Windenergieanlagen. In möglichst vielen Blickrichtungen wollen sie keine Windenergieanlagen sehen, sondern die Ruhe über den Feldern, Wiesen und Wäldern genießen. Vielen von uns liegt das Wohl der Tiere am Herzen, die durch Windkraftanlagen beeinträchtigt werden. Wir alle achten darauf, dass der Schattenwurf, die Lautstärke und die nicht hörbaren Vibrationen (Infraschall) der Windräder weit genug weg sind, damit wir Menschen nicht zu stark beeinträchtigt werden. Das alles sind wichtige und notwendige Anliegen, die beim schrittweisen Ausbau der Windenergie mit Blick auf die Risiken und Chancen beachtet werden müssen.

All diese Dinge zu berücksichtigen und dennoch Windenergie ausreichend auszubauen ist unser Ziel als BürgerEnergie Thüringen e.V.. Denn Windenergie ist für eine nachhaltige Energieerzeugung unerlässlich. Zwar ist Thüringen bekannt für seine vorbildliche Bioenergienutzung. Und auch im Bereich Photovoltaik war Thüringen lange Zeit fortschrittlich. Doch bei der dritten Säule der Energiewende, beim Strom aus Windenergie, ist Thüringen gegenüber anderen Ländern hintenan. Einige meinen, man könnte weitgehend auf Windenergie verzichten. Das sehen wir nicht so, denn Biomasse ist zu wertvoll um verwendet zu werden, wenn Wind oder Sonne billig Energie erzeugen können. Da der Wind oft auch dann weht, wenn die Sonne nicht scheint, ergänzen sich diese.

Da die Nutzung der Windenergie auch in Thüringen im Energiemix unerlässlich ist, muss die Frage nach Standorten entschieden werden. Hierfür darf das St.-Florians-Prinzip keine Rolle spielen. Sondern die nötigen Entscheidungen werden demokratisch legitimiert in Planungsgemeinschaften mit Bürgerbeteiligung nach landespolitischen Vorgaben getroffen.

Windenergie deckt in Thüringen heute ca. 11% des Bruttostrombedarfs. Dabei wird nur etwa 10% des Windenergiepotenzials zur Stromerzeugung genutzt. Die politisch gewollte Verdreifachung ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Etwa 50% des Thüringer Strombedarfs wird durch Import gedeckt, u.a. aus Braunkohleverstromung in Sachsen. Das ist mit Belastung des Weltklimas, wirtschaftlicher Abhängigkeit und Verzicht der Thüringer auf regionale Wertschöpfung von über 100 Millionen € pro Jahr verbunden.

Für die Energiewende in den Sektoren Verkehr (z.B. mit Elektromobilität) und Wärme (z.B. „Power-to-Heat“ und Wärmepumpen) sowie zur künftigen Sicherung der Energieversorgung auch bei längerer „Dunkelflaute“ durch „Power-to-Gas“ entsteht zusätzlicher Strombedarf. Auch dieser muss unter anderem aus der Windenergie kommen.

Aufgrund falscher Landespolitik der letzten zwei Jahrzehnte und zögerlichem Engagement der Thüringer Bevölkerung sind bisher nur 12% der Thüringer Windenergieanlagen in Thüringer Hand. Auch das ist mit Verlust an regionaler Wertschöpfung in Millionen-Höhe verbunden. Wir bemühen uns deshalb um Bürgerwindparks, in die Thüringerinnen und Thüringer investieren können.