Aufnahme der Niklaikirche und Petrikirche Foto: Hansestadt Rostock/Fotoagentur nordlicht
ANZEIGEN

Witten/Werdecke. Dr. Klaus Neuhoff weist in seinem neuen Buch nach, dass die Nikolaikirchen insbesondere in den Hansestädten als die ersten Bürgerstiftungen gelten können

In seinem faktenreichen Buch „Nikolaikirchen als frühe Bürgerstiftungen“ weist der Autor nach, dass die Tradition der Stiftung in Europa wesentlich älter ist als bisher gedacht und dass Bürgerstiftungen keineswegs in der Neuzeit in den USA entstanden sind. Neuhoff ist Leiter des Instituts Stiftung und Gemeinwohl der Privaten Universität Witten/Herdecke. „Wenn wir heute über Bürgerstiftungen reden, dann meinen wir damit einen in den USA seit Jahrzehnten aufblühenden Stiftungstyp, der als Gemeinschaftsaktion von Bürgern auch kleinere finanzielle Beiträge zum Gemeinwohl stiftungsfähig macht. Dabei gibt es solches kollektives bürgerliches Engagement stiftungshalber in Deutschland schon seit dem Mittelalter“, erklärt Neuhoff eines der Ergebnisse aus seinem Buch.

Mit seinen Recherchen konnte Neuhoff belegen, dass die ersten Stiftungen in Deutschland in der Zeit Karls des Großen entstanden und damit deutlich älter sind, als das in der Fachliteratur bisher angenommen wurde. „Das waren sogenannte Anstaltsstiftungen (Abteien, Klöster, Stifte), die vom König, vom Kaiser oder den Fürsten eingerichtet wurden und die den Zweck hatten, das Andenken an das fürstliche Haus zu bewahren (sogenannte Memoria), damit aber auch die Macht zu sichern. Wenig später haben dann die hohe Geistlichkeit und die Kirche allgemein ähnliche Stiftungen errichtet“, beschreibt Neuhoff die Ursprünge der Stiftungsbewegung in Europa und im Reich.

Mit dem Aufkommen des Fernhandels vom Mittelmeerraum in den Norden Europas, betrieben von reisenden Kaufleuten, die in Hansen oder Fahrensgenossenschaften organisiert waren, entstand dann in den aufblühenden Städten eine große Finanzkraft, die zu sogenannten Kaufmannskirchen führte (neben Stadtmauer, prächtigen Stadttoren und Rathaus). „Die Kaufleute stifteten oft Nikolaikirchen, die nach dem Heiligen Nikolaus von Myra benannt sind. Dieser war schon in der Ostkirche ein Schutzpatron der Seefahrer. So gibt es in vielen Hansestädten die eigentliche fürstliche oder geistliche Hauptkirche und dann eine weitere – ebenfalls prächtige – Nikolai- oder Marktkirche, die die Kaufleute meist durch Umlagen errichten ließen“, beschreibt Neuhoff die Entstehung dieser ersten Bürgerstiftungen. „Dieses Bürgertum war es auch, das durch Privilegienerkämpfung oder – meistens – Privilegienabkauf bei den notorisch verschuldeten Herrschern der Zeit eine ziemlich weitgehende Unabhängigkeit der Städte von den Landes- oder Kirchenfürsten durchsetzte“, ergänzt Neuhoff aus seinen Forschungen. „Sie formten damit das Vorbild für die Stadt von heute.“

Literaturhinweis:

Klaus Neuhoff: Nikolaikirchen als frühe Bürgerstiftungen, Nomos, 2017, 328 S, ISBN 978-3-8487-3305-7 (87 Euro)
http://www.nomos-shop.de/Neuhoff-Nikolaikirchen-fr%C3%BChe-B%C3%BCrgerstiftungen/productview.aspx?product=28067

Autor: Universität Witten/Herdecke.


Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit über 2.400 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Praxisnähe, Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

www.uni-wh.de / #UniWH / @UniWH

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere