Walsmann sieht vertane Chance bei UNESCO-Bewerbung für Augustinerkloster

Erfurt. Mit Verärgerung regiert die CDU-Kulturpolitikerin Marion Walsmann auf die offenbar zurückgezogene UNESCO-Bewerbung „Lutherstätten in Mitteldeutschland“. Teil davon wäre auch das Erfurter Augustinerkloster gewesen. Im Jahr des Reformationsjubiläums sei dies ein fatales Signal für eine Lutherstadt wie Erfurt. Sie sieht vor allem in der strategielosen Kulturpolitik des Oberbürgermeisters Gründe für dieses Scheitern.

„Hinsichtlich des Reformationsjahres 2017 setzt sich in Erfurt ein trauriges Kapitel von Ignoranz fort. Der Erfurter Kulturdirektor hat das Jubiläum faktisch bereits damit degradiert, indem er äußerte, er könne sich nicht um jedes Jubiläum kümmern. Dabei untergräbt er bewusst die historische Bedeutung der Reformation, die ihre wesentlichen geistigen Wurzeln mit dem Wirken Luthers in Erfurt und auch im Augustinerkloster hatte“, kommentiert Walsmann. Die Stadträtin fragte den Oberbürgermeister bereits im vergangenen September, wie er die Bedeutung des Augustinerklosters für Erfurt einschätzen und die UNESCO-Bewerbung entsprechend ideell, praktisch und medial unterstützen würde. Schon zu dem Zeitpunkt verwies er lediglich auf die Verantwortung der Landeskirche. Dass bei einem solchen zentralen und historisch bedeutsamen städtischen Denkmal auch die Stadt in der Pflicht wäre, zieht er offenbar bis heute nicht in Betracht, obwohl diese von einem UNESCO-Titel hätte profitieren können. Im Übrigen hätte er auch seine Stellung auf Landesebene für eine landesübergreifende Initiative stärker nutzen zu können.

Walsmann richtet sich deshalb erneut mit einer Anfrage an den Oberbürgermeister, um Hintergründe der gescheiterten UNESCO-Bewerbung für das Augustinerkloster aus städtischer Sicht zu erfahren. Die CDU-Fraktion mahnte mehrfach zu mehr Engagement des Oberbürgermeisters für das Jahrhundertjubiläum. Dies ist jedoch ausgeblieben. „Der Rückzug der UNESCO-Bewerbung dürfte demnach auch Resultat aus dem fehlenden Engagement des Oberbürgermeisters für das Reformationsjubiläums insgesamt in Erfurt sein. Es ist außerdem ein Unding, dass man über den Rückzug der Bewerbung lediglich aus den Medien erfährt“, moniert Walsmann abschließend. Sie spielt dabei auf die katastrophale Informationspolitik des Oberbürgermeisters gegenüber dem Erfurter Stadtrat in den letzten Monaten an. Es könne nicht sein, dass der Stadtrat über solche Themen nur über die Presse in Kenntnis gesetzt werde.