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Zahl der Erwerbspersonen in Thüringen sinkt bis 2035 um 26,5 Prozent – nur eine der Auswirkungen des zukünftigen Bevölkerungsrückgangs
Neues Internetportal „Thüringen 2035“ stellt umfangreiche Informationen zur zukünftigen Entwicklung demografieabhängiger Kennziffern im Freistaat einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung

Erfurt. Die Ermittlung der zukünftigen Zahl der Erwerbspersonen ist ein Ziel der sogenannten Anschlussrechnungen zur 1. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung (1. rBv). Wie das Thüringer Landesamt für Statistik mitteilt, werden mit den Anschlussrechnungen die aus heutiger Sicht möglichen Folgen der demografischen Entwicklung in Thüringen dargestellt. Betrachtet werden Themenfelder, die in hohem Maße „demografieabhängig“ sind. Dazu gehören neben der Ermittlung der Zahl Erwerbspersonen Berechnungen zur Zahl der Haushalte, Kinderbetreuung, Bildung, Gesundheit und Pflege für die kommenden Jahre.

Die Zahl der Einwohner Thüringens wird von 2.171.000 Personen im Jahr 2015 bis 2035 um 296.000 Personen auf 1.875.000 sinken. Obwohl die Bevölkerungszahl damit um 13,6 Prozent zurückgeht, führt die gleichzeitige Veränderung der Altersstruktur zu teilweise sehr unterschiedlichen Entwicklungen in den betrachteten Themenbereichen.

Während die Zahl der Erwerbspersonen bis zum Jahr 2035 von 1.095.000 um 26,5 Prozent auf 804.000 zurückgeht, sinkt die Zahl der Haushalte hingegen nur um 11,7 Prozent bzw. 131.000 auf 983.000.

Eine stärkere Abnahme wird es zukünftig auch bei der Zahl der zu betreuenden Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege geben. Im Vergleich zu 2015 wird diese bis 2035 22,5 Prozent betragen. Die Zahl der Schüler an allgemeinbildenden Schulen wird hingegen nur um rund 5 Prozent bis zum Schuljahr 2035/36 sinken. An den berufsbildenden Schulen ist sogar mit einem Anstieg der Schülerzahlen um 12,7 Prozent zu rechnen.

Weiterhin führt die zunehmende demografische Alterung unmittelbar zu einer Steigerung der Zahl der Pflegebedürftigen um 26,5 Prozent im Jahr 2035 gegenüber 2015. Anders verhält es sich mit der Zahl der Krankenhausbehandlungen. Diese nimmt im betrachteten Zeitraum um 1,3 Prozent ab, was insbesondere durch den Rückgang der Krankenhausfälle der unter 60-jährigen Bevölkerung bewirkt wird.

Umfangreiche Informationen zu den Ergebnissen und Methoden der Anschlussrechnungen können ab sofort dem eigens dafür erstellten Internetportal „Thüringen 2035“ und dem Statistischen Bericht „Anschlussrechnungen zur 1. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung“ entnommen werden. Unter der Internetadresse www.statistik.thueringen.de/thueringen2035 stehen darüber hinaus verschiedene Aufsätze, ein Faltblatt und weitere Informationen rund um das Thema Vorausberechnung zur Verfügung.


THÜRINGEN 2035: Kernaussagen zur zukünftigen demografischen Entwicklung in Thüringen

Bevölkerung

Die Zahl der Einwohner Thüringens wird von 2 171.000 Personen im Jahr 2015 bis 2035 um rund 14 Prozent (296.000) auf 1 875.000 zurückgehen. Einerseits geht die Zahl der Geburten zurück, da die Zahl potentieller Mütter sinkt. Andererseits steigt auch die Zahl der Sterbefälle in Zukunft an, da die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre in ein Alter mit deutlich steigender Sterblichkeit kommen. Es werden jährlich ca. 15.000 weniger Kinder geboren als Menschen sterben. Die Zuwanderung kann diese Entwicklung langfristig nicht ausgleichen.

Das Durchschnittsalter der Thüringer Bevölkerung wird von 46,8 Jahren im Jahr 2015 bis zum Jahr 2035 um ca. drei Jahre auf 49,9 Jahre ansteigen. Denn während der Anteil der 20- bis unter 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von 59,7 Prozent um 10,5 Prozentpunkte bis zum Jahr 2035 sinkt, wird der Anteil der älteren Mitbürger ab 65 Jahre von 24,2 Prozent im Jahr 2015 um 10,2 Prozentpunkte auf 34,4 Prozent im Jahr 2035 steigen.

Bezogen auf die kreisfreien Städte und Landkreise verläuft die Entwicklung zum Teil sehr unterschiedlich. Während die kreisfreien Städte in der Summe im Jahr 2035 knapp 6.000 Einwohner weniger haben werden (-1,0 Prozent), verlieren die Landkreise zusammen 285.000 Einwohner (-18,0 Prozent).

Privathaushalte

Der Trend zu immer kleineren Haushalten hält weiterhin an. Die durchschnittliche Haushaltsgröße wird von 2015 bis 2035 von 1,92 auf 1,89 Personen je Haushalt zurückgehen. Bis 2035 wird die Zahl der Haushalte gegenüber 2015 um 11,7 Prozent bzw. 131.000 auf 983.000 Haushalte sinken. Betroffen vom Rückgang sind alle Haushaltsgrößen. Aufgrund der sich verändernden Altersstruktur der Bevölkerung wird die Zahl der kleinen Ein- und Zweipersonenhaushalte jedoch weniger stark abnehmen (-9,7 bzw. -10,3 Prozent) als die Zahl der größeren Haushalte mit 3 bzw. 4 und mehr Personen. Deren Zahl wird sich um 17,6 bzw. 18,9 Prozent reduzieren.

Kindertagesbetreuung

Der vorausberechnete Rückgang der Geburten in Thüringen wird sukzessive zum Rückgang der Kinderzahlen in den verschiedenen Altersklassen führen. Bis zum Jahr 2035 wird die Zahl der zu betreuenden Kinder im Vergleich zu 2015 um 22,5 Prozent auf 70.000 Kinder sinken. Dies entspricht einer Abnahme von 20.000 Kindern.

Dabei wird die Zahl der unter 3-Jährigen voraussichtlich um 24,7 Prozent, also um 7.000 Kinder, und die Zahl der 3- bis unter 7-Jährigen um rund 21,9 Prozent bzw. um 13.000 Kinder gegenüber 2015 zurückgehen.

Die Entwicklung wird jedoch in Abhängigkeit von der bisherigen und zukünftigen Geburten- und Einwohnerentwicklung regional in Thüringen zum Teil sehr unterschiedlich verlaufen.

Bildung

Der Rückgang der Geburten in Thüringen führt mit entsprechender zeitlicher Verzögerung auch zum Absinken der Schülerzahlen in den einzelnen Bildungsbereichen der allgemein- und berufsbildenden Schulen.

Bis zum Schuljahr 2035/36 sinkt die Gesamtschülerzahl an allgemeinbildenden Schulen um rund 5 Prozent auf 178.000 Schüler. Dabei sind zum Teil gegensätzliche Entwicklungen in den 3 Schulbereichen zu erwarten.

Noch bis 2021/22 steigen in allen Bereichen die Schülerzahlen an, dann sinken sie im Grundschulbereich, ab 2026/27 im Sekundarbereich I und ab 2030/31 im Sekundarbereich II. An den berufsbildenden Schulen ist bis zum Schuljahr 2033/34 mit einem stetigen Anstieg der Zahl der Schüler zu rechnen.

Auch hier ist in Zukunft aufgrund der regional zum Teil sehr unterschiedlichen bisherigen Geburten- und Einwohnerentwicklung in den Thüringer Kreisen mit unterschiedlichen Verläufen bei den Schülerzahlen zu rechnen.

Erwerbspersonen

Im Jahr 2015 gab es in Thüringen 1 095.000 Erwerbspersonen, davon 581.000 Männer und 514.000 Frauen. Die Erwerbsquote lag insgesamt bei 57,7 Prozent.

Der gegenwärtige Trend der sinkenden Zahl an Erwerbspersonen setzt sich aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung in Zukunft verstärkt fort. Bis zum Jahr 2035 geht die Zahl der Erwerbspersonen nochmals um 291.000 Personen zurück. Die Erwerbsquote sinkt damit um weitere 9,1 Prozentpunkte auf 48,6 Prozent.

Während die Zahl der Erwerbspersonen im Alter von 15 bis unter 65 Jahren um 295.000 Personen bis 2035 sinkt, erhöht sich diese um 5.000 in der Altersgruppe der 65-Jährigen und älteren.

2035 werden somit dem Arbeitsmarkt nur noch 804.000 Erwerbspersonen zur Verfügung stehen.

Gesundheit

2015 wurden insgesamt 596.000 Krankenhausfälle verzeichnet. Davon waren 291.000 Männer und 305.000 Frauen. Bis 2035 geht die Zahl der Krankenhausfälle insgesamt um 1,3 Prozent zurück.

Zunächst steigt die Zahl bis 2021 jedoch auf 598.000 Krankenhausfälle. Anschließend ist ein Rückgang bis zum Jahr 2035 entsprechend dem Bevölkerungsrückgang sukzessive auf 588.000 zu erwarten.

Dabei sinkt die Zahl der Patienten im Alter von unter 40 Jahren sowie im Alter von 40 bis unter 60 Jahren um 20,1 bzw. 28,4 Prozent, während die Zahl der 60 bis unter 80-jährigen Patienten und die der 80-Jährigen und älteren um 4,2 bzw. 47,9 Prozent steigt.

Pflege

2015 gab es insgesamt 94,3.000 Pflegebedürftige. Davon waren 33,6 Tausend Männer und 60,7 Tausend Frauen.

Ausgehend von den alters- und geschlechtsspezifischen Pflegequoten des Jahres 2015 hält der Zuwachs der pflegebedürftigen Bevölkerung aufgrund der weiteren demografischen Alterung an. Unbeeinflusst vom medizinisch-technischen Fortschritt sowie dem möglichen Einfluss der steigenden Lebenserwartung auf den Gesundheitszustand nimmt die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2035 um weitere 26,5 Prozent gegenüber 2015 zu. Dann werden 119.000 Personen pflegebedürftig sein, darunter 37.000 stationär und 30.000 ambulant zu behandelnde Personen.

Unter den Pflegebedürftigen insgesamt wird es 45.000 Männer und 74.000 Frauen geben.

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