Thüringer Förderprogramm für Elektro-Busse: Verkehrsgesellschaften sind skeptisch
Erfurt. Das 14 Millionen Euro schwere Thüringer Förderprogramm für Stadtbusse mit Elektroantrieb droht zu floppen. 21 Monate nach Präsentation des Programms ist immer noch unklar, wer unter welchen Bedingungen wieviel Geld beantragen kann. Wie ein Sprecher des Umweltministeriums MDR THÜRINGEN mitteilte, wird die Förderrichtlinie derzeit in Brüssel geprüft. Außerdem lehnen nach einer Umfrage von MDR THÜRINGEN derzeit vier der fünf größten Nahverkehrsgesellschaften in Thüringen den Einsatz von E-Bussen im Stadtverkehr ab. Mit dem Förderprogramm will Umweltministerin Anja Siegesmund bis 2020 insgesamt etwa 30 Elektro-Busse und die dafür notwendige Lade-Infrastruktur fördern.

Die Ausnahme ist Jena. Die Pressesprecherin der Stadtwerke, Anja Tautenhahn, sagte MDR THÜRINGEN, die Bus-Flotte solle perspektivisch auf E-Busse umgestellt werden. Geplant sei im kommenden Jahr der Kauf von drei zweiachsigen E-Bussen. Die Jenaer Stadtwerke hoffen auf eine Förderzusage des Landes bis Ende dieses Jahres. Derzeit fehle aber noch die Förderrichtlinie, sagte Tautenhahn. Nach Angaben der Jenaer Stadtwerke kostet ein Elektro-Bus mit 500.000 Euro etwa doppelt so viel wie ein vergleichbarer Dieselbus. Hinzu kämen Investitionen in die Ladestationen und den Umbau von Werkstätten.

Erfurt, Gera, Gotha und Nordhausen wollen dagegen derzeit nicht in E-Busse für den Stadtverkehr investieren. Der Betriebsleiter der Erfurter Verkehrsbetriebe (EVAG), Michael Nitschke, sagte MDR THÜRINGEN, noch sei das betriebswirtschaftliche Risiko zu hoch. Die Speicherkapazität der Busse reiche nicht. Erst wenn sie mit einer Nachtladung 350 bis 400 Kilometer schafften, sei ein Einsatz attraktiv. Derzeit seien es aber nur 150 Kilometer. Zudem werden laut EVAG durch die Straßenbahnen schon jetzt 80 Prozent des Erfurter Stadtverkehrs mit Strom betrieben.
Auch die Stadtwerke Nordhausen verweisen auf die nicht kalkulierbaren wirtschaftlichen Risiken. Zwar wäre ein Einsatz von E-Bussen auf der Stadtbuslinie A möglich, aber nur mit Zwischenladesystemen, teilte Franziska Bernsdorf von den Stadtwerken Nordhausen MDR THÜRINGEN mit. Aber: „Da keine aktuellen Förderquoten und Förderbedingungen aus dem Umweltministerium vorliegen, ist eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und gegebenenfalls Berücksichtigung in der Investitionsplanung nicht möglich“.

Der Leiter des Geraer Verkehrsbetrieb Ralf Roscher verwies darauf, dass auch in Gera aufgrund der Topografie ein ausschließlich per Batterie betriebener Elektro-Bus nicht eingesetzt werden kann. Für Investitionen in Oberleitungssysteme fehle derzeit aber das Geld. Durch die zweijährige Insolvenz der Geraer Verkehrsbetriebe gebe es einen großen Investitionsstau, der jetzt aufgearbeitet werden müsse, sagte Roscher MDR THÜRINGEN. Zunächst müssten beispielweise Niederflurbahnen angeschafft werden. Für Gotha erklärte die Regionale Verkehrsgemeinschaft (RVG), dass das Ministerium aufgrund der unklaren Lage derzeit grundsätzlich keine Busankäufe fördere.

Unabhängig vom Förderprogramm des Umweltministeriums fahren in Thüringen bereits in einer Kommune E-Busse im Stadtverkehr: In Bad Langensalza. Die 1,1 Millionen Euro teure Investition war noch über das ÖPNV-Förderprogramm des Thüringer Wirtschaftsministeriums zu 65 Prozent finanziert worden. Busunternehmer Mario König zieht nach einem Jahr Regelbetrieb eine positive Bilanz. Bisher habe es keine antriebsbedingten Ausfälle bei den Bussen gegeben und auch die Batterien funktionierten noch einwandfrei, sagte König MDR THÜRINGEN. Wann der letzte noch verbliebene Dieselbus im Stadtverkehr von Bad Langensalza durch einen E-Bus ersetzt wird, ist trotzdem unklar. „Der Kauf steht und fällt mit einer Förderung“, so König. Und die sei derzeit unklar.