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Dresden. Unter Federführung der Sächsischen Akademie der Wissenschaften schaffen fünf geisteswissenschaftliche Institute in Sachsen eine virtuelle Forschungsplattform. Auch das im Krieg zerstörte Mitglieder-Archiv der SAW wird im Verbundprojekt digital rekonstruiert.

Durch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sind heute viele Quellen für die geisteswissenschaftliche Forschung über diverse Archive im In- und Ausland verstreut und kaum erschlossen. Die fortschreitende Digitalisierung bietet nun erstmals die Möglichkeit, diese Puzzleteile ausfindig zu machen und digital wieder zusammenzufügen. Aufgrund der Komplexität des Materials keine leichte Aufgabe – daher haben sich die fünf vom Land Sachsen finanzierten Forschungseinrichtungen in einem Verbund zusammengeschlossen, um gemeinsam die Plattform „Virtuelle Archive für die geisteswissenschaftliche Forschung“ anzulegen.

Gefördert vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst koordiniert die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig im Zeitraum vom Mai 2017 bis Oktober 2019 dieses Verbundprojekt. Darin werden nun erstmals Forschungen zu bildlichen und gegenständlichen, aber auch multimedialen Quellen unterschiedlicher Partner zusammengeführt: So beispielsweise zur Erforschung der Geschichte der Sorben in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus durch das Sorbische Institut in Bautzen, außerdem zum Nachlass des Volkskundlers und Germanisten Adolf Spamer durch das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der TU Dresden sowie mit dem Aufbau eines Personenkatalogs zu den Jüdischen Gelehrten der sächsischen Moderne durch das Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig.

Die Aufbereitung und Verfügbarmachung der Quellen und Forschungsdaten in standardisierter Form ermöglicht die vielfältige Nachnutzung und fach- wie standortübergreifende Auswertung von Materialien im Internet, sowohl für die wissenschaftliche Community als auch für die interessierte Öffentlichkeit. Virtuelle Archive bieten den Nutzern entsprechend ihres jeweiligen Forschungsansatzes einen Zugang, der themenbezogen, quellen- oder materialbezogen, epochenbezogen, mit zeitlichem oder geographischem Bezug sowie personenbezogen sein kann. Die individuelle Suche in den zusammengeführten Beständen mehrerer Archive eröffnet der Forschung ganz neue Perspektiven.

Im Rahmen des Vorhabens rekonstruiert eine Projektgruppe an der SAW auch das während der Bombardierung Leipzigs im Dezember 1943 vollkommen zerstörte Archiv der Akademie. „100 Jahre Wissenschafts- und Institutionengeschichte der bedeutendsten Gelehrtengesellschaft im mitteldeutschen Raum sind in den Flammen verloren gegangen. Es gibt aber noch Bestände in anderen Archiven, aus denen wir ein virtuelles Akademiearchiv aufbauen können.“, so Präsident Prof. Hans Wiesmeth, der die Projektgruppe leitet. In einer späteren Ausbauphase der digitalen Plattform soll zudem eine „Sächsische Gelehrtendatenbank“ entstehen, mit Angaben zu allen Mitgliedern der SAW seit ihrer Gründung 1876 sowie eine nach Themen gegliederte Unterseite zur Geschichte der Akademie.

„Momentan erheben wir bis zu 130 Informationen pro Person. Dazu gehören persönliche Angaben, Angaben zu Familie und Freunden, Informationen zur Mitgliedschaft in der SAW und in anderen Institutionen, politisches Engagement, wissenschaftlicher Werdegang, Berufsstationen, Ehrungen und wissenschaftliche Leistungen. Wir erfassen die SAW-Publikationen und -projekte, Nachrufe und andere Quellen während der Zeit der Mitgliedschaft in der Akademie sowie aussagekräftige Bilder zur Arbeit der Personen“, erklärt die Historikerin Dr. Anne-Simon Rous die bisherige Arbeit, bei der sie weitere drei Mitarbeiter am Dresdner Standort der Akademie unterstützen. Prominente Beispiele aus dem historischen Mitglieder-Archiv sind die Nobelpreisträger Max Planck, Gustav Hertz, Werner Heisenberg und Theodor Mommsen.

Für die Wissenschaftler auf Spurensuche bietet das gemeinsame Projekt „Virtueller Archive“ eine hervorragende Möglichkeit, das bei allen Einrichtungen bereits vorhandene, projektbezogene, zum Teil sehr spezifische Wissen im Bereich der Digitalen Geisteswissenschaften auch anderen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, so dass die diesbezüglichen Kompetenzen gebündelt werden und somit alle Forschungseinrichtungen voneinander profitieren können. Darüber hinaus soll die Kooperation dazu beitragen, die sächsischen Institute auf diesem Feld enger zu vernetzen, gerade auch in Hinblick auf die Fähigkeit, zukünftig gemeinsame Aktivitäten mit externen Partnern durchzuführen.

Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.saw-leipzig.de/de/projekte/virtuelle-archive.

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