Solarworld Arnstadt Freistellung abgewendet – Perspektive nur für einen zu kleinen Teil der Beschäftigten
Die IG Metall begrüßt den angekündigten Einstieg eines Investors und kritisiert die geringe Zahl an vorerst erhaltenen Arbeitsplätzen

Arnstadt. In der heutigen Belegschaftsversammlung bei der Solarworld Industries Thüringen hat Insolvenzverwalter Horst Piepenburg durch einen Sprecher ankündigen lassen, dass von zuletzt etwas mehr als 700 Beschäftigten nur etwa jeder Vierte seinen Arbeitsplatz behalte. Wörtlich sagte er, dass von den circa 1.650 Beschäftigten an den Standorten Arnstadt und Freiberg mit dem Einstieg eines Investors ab dem 15. August 2017 450 Kolleginnen und Kollegen an beiden Standorten weiter beschäftigt werden könnten.

Aufgrund der vollkontinuierlichen Produktionsweise, in der die Maschinen sieben Tage die Woche 24 Stunden am Tag laufen und der Prozess nicht unterbrochen werden kann, werden deutlich mehr, als nur eine Rumpfmannschaft von circa 25 Prozent zum Betrieb der Anlagen benötigt. Die verbleibenden bisherigen Beschäftigten sollen an beiden Standorten in einer Transfergesellschaft aufgefangen werden.
„Es ist erst einmal gut, dass der schlimmste Fall abgewendet scheint. Auch wenn die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind, so ist die heutige Verlautbarung des Insolvenzverwalters eine positive Nachricht, die die IG Metall ausdrücklich begrüßt“ so Kirsten Joachim Breuer, 2. Bevollmächtigter der IG Metall.

Aus Sicht der Gewerkschaft ist die Anzahl der vorerst gesicherten Arbeitsplätze jedoch viel zu gering.
„Beide Produktionsanlagen in Freiberg und in Arnstadt lassen sich nicht mit 450 Beschäftigten betreiben. Das Szenario eines Ausverkaufs oder einer Schließung auf Raten ist damit noch längst nicht abgewendet“, so Breuer.
Die IG Metall begrüßt, dass diejenigen Beschäftigten, die nicht im Werk verbleiben können, in einer Transfergesellschaft aufgefangen werden sollen.
„Die Transfergesellschaft ist für die Betroffenen ein sehr hartes Los, da sie ihren bisherigen Arbeitsplatz verlieren und ihnen die Unsicherheit nicht genommen wird. Sie bietet aber auch die Chance, dass die Betroffenen Zeit bekommen, sich auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren. Dabei werden wir unsere Mitglieder nach Kräften unterstützen. Die nunmehr anstehenden Verhandlungen müssen zum Ziel haben, die Härten des Arbeitsplatzverlustes spürbar abzufedern. Die IG Metall verfügt in Arnstadt über gute tarifliche Möglichkeiten zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Diese Optionen müssen zum Wohl aller heutigen Beschäftigten in Anwendung gebracht werden“ so Breuer.

Offen ließ der Insolvenzverwalter in der heutigen Versammlung, wer der neue Investor sei.
„Die Beschäftigten brauchen jedoch Klarheit über die strategische Ausrichtung des Produktionsstandortes und damit über ihre berufliche Zukunft. Diese Klarheit beginnt mit der Kenntnis über den neuen Investor“ so Breuer abschließend.