Zum Tod von Lothar Freund

Erfurt. Der Erfurter Gebrauchsgrafiker Lothar Freund ist am 13. Juli 2017 in Erfurt verstorben, wie am vergangenen Samstag bekannt wurde.

„Die Stadt Erfurt trauert um einen prägenden Geist, der auf dem Gebiet der Gebrauchsgrafik jahrzehntelang die Kulturgeschichte der Stadt mitgeschrieben hat“, so Kulturdirektor Dr. Tobias J. Knoblich, der im Jahr 2012 die Schenkung seines gebrauchsgrafischen Werkes an die Stadt Erfurt entgegennehmen durfte. „Wir werden Lothar Freund in lebendiger Erinnerung behalten und sein Werk bewahren.“ Dieses wird im Stadtmuseum beherbergt, dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenfalls um Lothar Freund trauern und stolz auf die Schenkung sind.

Belege von Freunds Schaffens sind u. a. seine Arbeiten für die Museen der Stadt Erfurt, die iga (Ega), die Städtischen Bühnen Erfurt, den Kaisersaal, das Philharmonische Orchester Erfurt, den Deutschen Gartenbautag in Erfurt 1992 und für das 1250. Stadtjubiläum Erfurts.

Die Arbeiten von Lothar Freund waren mehrfach auf den Kunstausstellungen der DDR in Dresden und den Präsentationen „Beste Plakate der DDR“ zu sehen. Darüber hinaus beteiligte er sich erfolgreich an Ausstellungen etwa in Prag, Warschau, Moskau, Budapest, Brno oder Washington. Zahlreiche Logos und Plakate sind über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und wurden mit Preisen geehrt, so zum Beispiel die Plakate „Fisch zu viert“, „Das Erdbeben in Chili“, „Rigoletto“ und „Fidelio“. Er schuf aber u. a. auch die Ausstattung des Kaisersaals Erfurt, die Logos der Stadt Weißensee und der Philharmonischen Gesellschaft Erfurt, die Illustrationen „Don Quichote“ oder „Das Untier von Samarkand“.

In diesen Arbeiten spürt man die Freiheit in der schöpferischen Umsetzung, aber auch die Verantwortung gegenüber den Auftraggebern. Er hat es vermocht, gleichzeitig Künstler und Dienstleister zu sein.

Lothar Freund wurde 1930 in Stockhausen bei Sondershausen geboren. Von 1947 bis 1949 absolvierte er eine Lehrausbildung zum Glasmaler in Wasungen, danach kam er nach Erfurt. 32 Jahre arbeitete er für die Agentur Dewag, mehrere Jahre als künstlerischer Leiter für über 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Von 1960 bis 1963 ging er an die Fachschule für Angewandte Kunst in Magdeburg, 1970/71 an die Hochschule für Bildende Künste Berlin-Weißensee und studierte u. a. bei Prof. Werner Klemke und bei Prof. Axel Betram.1973 wurde er Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR.

Frank Diemar, Gründer, Mitinhaber und Geschäftsführer der „Diemar Jung Zapfe Werbeagentur GmbH“, sagte 2012 anlässlich der genannten Schenkungsübergabe an die Stadt Erfurt über ihn: „Er war und ist Gebrauchsgrafiker aus Überzeugung und damit ein Gestalter des öffentlichen Erscheinungsbildes und ein großartiger visueller Chronist (…) dieser Stadt und in diesem Land. Was hat er in 60 Berufsjahren nicht alles entworfen: Plakate, Transparente, Markenzeichen und Signets, Briefbögen und Visitenkarten, Verpackungen, Prospekte unter anderem viele Programmhefte und natürlich Bücher und Kalender – viele davon selbst illustriert. Es gibt also kaum eine gebrauchsgrafische Aufgabenstellung, die er nicht erfolgreich gelöst hätte.“