Verdienter 2:0 Sieg der Zeiss-Elf beim Halleschen FC
Auch 4.469 Tage nach dem letzten Spiel gegen den HFC, das der FCC übrigens mit 1:0 im damaligen Kurt-Wabbel-Stadion gewann, bleibt der Hallesche FC ein gutes Pflaster für die Blaugelbweißen! Mit 2:0 behalten die Saalestädter von den Kernbergen die Oberhand in einem intensiven und mitreißenden Ostduell.

Die 76. Auflage des Saaleduells lockte an diesem Dienstagabend bemerkenswerte 10.000 Zuschauer ins Stadion, von denen speziell die mitgereisten 1.200 Zeiss-Schlachtenbummler ihr Kommen keineswegs bereuen sollten.

Allerdings mussten die Jenaer Anhänger zunächst den Schock verdauen, dass zusätzlich zu den schon seit Wochen fehlenden Starke, Eismann und Erlbeck nun auch noch auf Kühne und Cros verzichtet werden musste. Trainer Zimmermann zauberte mit Sucsuz und Bock auf den Außenpositionen und Gerlach und Slamar in der Innenverteidigung eine neue Viererkette aus dem Hut. Davor agierten Löhmannsröben und Grösch in der defensiven Mittelfeldzentrale. Eckardt und Tuma besetzten die offensiven Außenbahnen, und Thiele und Dietz bildeten das Sturmduo.

Die erste Chance jedoch gehörte den Hausherren – und was für eine! Ein Patzer in Jenas Hintermannschaft geriet zur unfreiwilligen Vorlage für Halles Röser, der jedoch von Gerlach abgedrängt und somit am Abschluss gehindert werden konnte (1.). Sollte e tatsächlich dieses Weckrufs bedurft haben, so hatte dieser seine Wirkung nicht verfehlt. Jena in der Folgezeit hellwach! Die erste Tormöglichkeit für den FCC hatte Dietz auf dem Fuß, der sein Startelfdebüt dieser noch jungen Saison gab. Doch dessen Schuss wurde im letzten Moment noch abgefälscht (7.). Es folgte ein intensiver Schlagabtausch, in dem sich beide Teams gute Möglichkeiten erspielten – mit leichten Vorteilen für die Zeiss-Elf. Nach 36 Minuten die Erlösung: Timmy Thiele verwandelte einen von Davud Tuma perfekt getretene einstudierte Elfervariante und brachte seinen FCC verdient mit 1:0 in Führung. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hätte er sogar erhöhen können – nein müssen. René Eckardt tankte sich sehenswert bis in den gegnerischen Strafraum durch, wo er mit seinen Gegenspielern Katz und Maus spielte, um dann mustergültig auf Timmy Thiele zu passen. Doch der vergab aus vier Metern die Riesenchance und schob am Kasten vorbei (45.).

In der Halbzeitpause reagierte Halles Trainer Rico Schmitt und brachte neue Kräfte – darunter Braydon Manu, der noch vor zwei Wochen mit seinem 4:4 und dem anschließenden erfrischenden Interview deutschlandweit für Aufsehen sorgte. Für Aufsehen sorgte er auch dieses Mal. Zunächst war er die erhoffte Belebung des Spiels seiner Mannschaft und wirbelte auffällig ein ums andere mal bis zur Jenaer Grudnlinie, um dann den Ball gefährlich ins Zentrum zu spielen. Aber nur sieben Minuten nach seiner Einwechslung musste der Neuzugang aus Braunschweig vom Platz. Nach einem angedeuteten Kopfstoß gegen Thiele sah er Rot (52.). Halle zeigte Wirkung. Zwar stemmte sich der HFC in Unterzahl gegen die Niederlage, doch der FCC spielte nun mit dem größerem Selbstbewusstsein. Und es sollte für den HFC noch schlimmer kommen: Beim 2:0 für den FC Carl Zeiss Jena durch Davud Tuma verletzte sich Halles Keeper Schnitzler am Kopf. Der 21-Jährige knallte beim Herauslaufen mit dem Torschützen zusammen. Tumas Kopfball flatterte zum 0:2 ins leere HFC-Tor (59.), während Schnitzler  regungslos auf dem Boden liegen blieb. Er musste mit Verdacht auf Schädel-Hirn-Trauma ins Klinikum verbracht werden. Auch von hieraus gute Besserung!

Der FCC hatte nun alle Trümpfe in den Händen und sollte diese auch nicht mehr hergeben. Zwar ergaben sich durchaus noch Möglichkeiten für einen Hallenser Anschlusstreffer, der womöglich Beine und Kulisse nochmals mobilisert hätte, aber sie blieben ungenutzt. In der Nachspielzeit hatte der zwischenzeitlich ins Jenaer Spiel gekommene Maximilian Wolfram noch das 3:0 auf dem Fu, doch sein Schuss strich knapp am langen Pfosten vorbei (90.). Der rest war grenzenloser Jubel über den ersten und so erlösenden Dreier dieser noch jungen Saison.

Trainerstimmen

Mark Zimmermann (Jena): „Ich freue mich sehr, dass wir endlich den Bock umgestoßen haben. Mit unserem Spiel war ich über weite Strecken zufrieden. Das 1:0 hat unser Selbstbewusstsein gestärkt, die Rote Karte hat uns dann natürlich in die Karten gespielt. Nach dem 2:0 haben wir uns noch mehr zugetraut, haben aber den Sack nicht zugemacht. So mussten wir am Ende noch mal zittern. Die Mannschaft hat sich heute  fast von selbst aufgestellt, da unsere beiden Außenverteidiger Cros und Kühne auch noch kurzfristig ausgefallen sind. Deshalb ein großes Kompliment an meine Mannschaft. HFC-Torhüter Schnitzler wünsche ich von hieraus gute Besserung.“

Rico Schmitt (Halle): „Gedanklich sind wir noch bei unserem Torwart Schnitzler, dem es den Umständen entsprechend geht. Am Anfang des Spieles hat man gesehen, was wir vor hatten. Dennoch haben wir uns bereits in der ersten Halbzeit nie richtig in der Jenaer Hälfte festsetzen können. Wir haben eine schwache erste Halbzeit gespielt, waren bei Jenaer Kontern schon sehr verunsichert. Die zweite Halbzeit haben wir ordentlich begonnen, dann gab es aber die beiden Kulminationspunkte, zunächst die Rote Karte gegen Manu wegen Undiszipliniertheit und dann die Entscheidung, 0:2 mit dem Zusammenprall mit Torwart Schnitzler. Ein Punkt aus drei Spielen ist ein schwacher Start, das haben wir uns anders vorgestellt. Ich bin mir aber sicher, dass wir am Sonntag in Osnabrück anders, vor allem männlicher, auftreten werden.“

Torfolge

0:1 Thiele (35.)
0:2 Tuma (59.)

Zuschauer

10.019

Aufstellungen

Jena: Cros – Bock (65. Wolfram), Slamar, Gerlach, Sucsuz – Eckardt (C), Löhmannsröbe, Grösch, Tuma (82. Schau) – Thiele, Dietz

Halle: Schnitzler (62. Müller) – Ajani, Barnofsky, Starostzik, Baumgärtel – Fennell (C) – Lindenhahn, Bohl, Röser (46. Manu) – Sliskovic, Pintol (46. El-Helwe)