Der Kommunalservice Jena – ein Eigenbetrieb der Stadt – stellte am 12. Juli zwei neue Müllbehälter bereit. Sie wurden im Leutragaben montiert. Eine mit einer solarbetriebenen Presse steht vor einem Schnellrestaurant, ein zweite an der Ecke Krautgasse/Johannisplatz. Nun entsprechen diese mutmaßlich nicht ganz billigen Abfallbehälter nicht den Vorgaben für Abfallbehälter, wie sie in der Formatio Jenensis vorgeschrieben sind. Dieses auch als Gestaltungshandbuch der Stadt Jena etwas unbekannte Werk dient der Stadtverwaltung als Vorlage für Aus- und Umbauten sowie der Neugestaltung von Straßen und Plätzen. Wer sich also über die geringe Vielfalt von Pflastersteinen oder Straßenbeleuchtung wundert, dem sei ein Blick in das Handbuch ans Herz gelegt. Im Stadtentwicklungsausschuss wird auf die dogmatische Anwendung der Formatio Jenensis gedrungen, fast so, als ob es keiner Alternativen gäbe.

Der neue Mülleimer am Johannisplatz/Krautgasse

Der neue Mülleimer am Johannisplatz/Krautgasse.

Posted by Nachrichten für Jena und die Region on Montag, 31. Juli 2017

Dass man sich selbst nicht ganz so ernst nimmt, beweist der Eigenbetrieb KSJ. Ohne einen Aufrag des Stadtrates oder des Werkausschusses orderte der Eigenbetrieb zwei unterschiedliche Müllbehälter zu Testzwecken. Wie lange die Testphase dauert und mit welchen Zielen diese Müllbehälter aufgestellt wurden, bleibt offen. Aufmerksamkeit erregte ein – nicht ganz ernst gemeinter – Beitrag zum Müllbehälter am Johannisplatz. Darin wurde behauptet, der Mülleimer könne auch „blitzen“. Die Stadtverwaltung reagierte einen Tag später mit einem auf Facebook veröffentlichten Video, das angeblich nachweisen sollte, dass der Mülleimer nicht blitzt. Wie jeder weiß, kann das im Video gezeigte Bobbycar nicht die Geschwindigkeit erreichen und ist zudem nicht motorisiert – ein „Blitzen“ wäre somit a) unmöglich und b) unsinnig.

Schade, denn die Kommunikationsabteilung hat es versäumt, auf ernsthaft gestellte Fragen einzugehen. So wurde gefragt, warum die Mülleimer nicht konform mit dem Prüfauftrag des Stadtrates gehen, die Papierkörbe für das Abstellen von Pfandflaschen fit zu machen. Der Prüfauftrag zum Thema „Pfand gehört daneben“ wurde über ein Jahr in den Ausschüssen und im Stadtrat beraten und schließlich am 5. April 2017 beschlossen. Auf beiden Müllbehältern kann nichts abgestellt werden, ein sogenannter Pfandring wird von einigen Herstellern angeboten. Diese sind an den Jenaer Test-Behältern jedoch nicht angebracht. Auch wurde nicht auf die Frage geantwortet, warum die neuen Behälter nicht der (selbst auferlegten) Norm entsprechen. Darf ein Eigenbetrieb machen, was er will?

Einen wesentlichen Punkt haben zudem die Kommunkationsexperten der Lichtstadt übersehen: Der Abfällbehälter am Johannisplatz ist unzureichend im Boden verankert. Bei geringer Berührung schwingt das teure Stück hin und her. Der ursprüngliche Halter für den alten, ersetzten Papierkorb hingegen steht wie eine Eins. Darauf wurde die Abteilung auch angesprochen.

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