Jena. Am Vorabend des Weltfriedenstages 2017 kommt Henrik Paulitz nach Jena. Der Leiter der Akademie Bergstraße stellt sein Buch ‚Anleitung gegen den Krieg’ vor. Wer mit einem so steilen Titel antritt, sieht sich schnell dem Vorwurf ausgesetzt, ein zweihundertsiebzigstes wohlfeiles Kochbuch mit einfachen Rezepten zur abschließenden Rettung der Welt vorzulegen. Nach der Lektüre kann man sagen: Kochbuch JA, einfache – oder fahrlässig vereinfachende – Rezepte NEIN.

Das reichhaltige Menü wendet sich unmittelbar an den Leser: Als Vorspeise wird „Sagen Sie Nein“, serviert. Dann werden diverse Hauptgänge aufgetischt: „Analysieren was geschieht“, „ Die Politik aus der Sündenbockrolle entlassen“ „Kriegsfinanzierung thematisieren“ u. a. Und als Dessert setzt er uns nicht weniger vor, als einen gehaltvollen „Vertrag zur Bewahrung des Friedens“.

Das auch für den Laien gut lesbar geschriebene Buch adelt sich durch intellektuelle Behutsamkeit. Paulitz schneidet Themen an, die auch gerne durch den Fleischwolf diverser Verschwörungstheorien gedreht werden. Aber er filetiert und verliert sich nicht in ominös-nebulösen Spekulationen. Und wenn etwas nach verfügbarem Kenntnisstand mutmaßlich ist, dann bezeichnet er das auch so.

Die Analyse scheint stärker als die Schlussfolgerungen und Handlungsvorschläge, obwohl die auch nicht übel und ehrlicherweise häufig im Konjunktiv gehalten sind.

Ein gern verwendeter Prüfstein für die Seriosität eines politischen Sachbuches ist, ob ein weltanschaulicher Vorschlag den ewigen Frieden oder zumindest ein lang andauerndes zivilisatorisches Hochplateau als Endlösung verheißt (wie es der nationale und der internationale Sozialismus im Angebot hatten), oder ob man der Friedenserhaltung zugesteht, eine kontinuierliche Herausforderung zu sein und zu bleiben. Ein anderer Prüfstein ist die – eher bei älteren Autoren anzutreffende – Fixierung auf einen zwingend monokausalen Welterklärungsansatz. Beide Prüfsteine hat Paulitz mit seinem Werk souverän überstiegen.

Ein Bahn brechendes Buch in einer Zeit, in der es wieder zum guten Ton gehört, Kriege für historisch unausweichlich und Pazifisten für rührend naive Blumenkinder zu halten. Allein schon, dass der frühere beigeordnete UNO-Generalsekretär Dr. Hans-C. von Sponeck, das Buch wärmstens empfiehlt, lässt ahnen, in welcher Liga Paulitz spielt.

Der Autor stellt die Thesen des Buches vor und steht zum Gespräch zur Verfügung. Man darf gespannt sein. Buchbestellung und weitere Rezensionen unter: www.akademie-bergstrasse.de

Vortragsveranstaltung
am 31. August 2017, 19:00 Uhr,
Jena, Campus, Hörsaal 5, Ernst-Abbe-Platz
Eintritt ist frei.

Autor: G. Uth, Jena.