Der Schwerpunkt der Stadt bleibt in der Entwicklung eines Kongresszentrums irgendwo im Zentrum. Zusammengefasst plant die Stadt im Zentrum Jenas demnächst weitere 4 Hotels und natürlich das Kongresszentrum. Nein, nicht Wohnungsbau. Auch wenn der Eigentümer des Anger 32 sogar eine Nutzungsänderung hin zum Wohnen (selbst als Flüchtlingsunterkunft) bewirken wollte, sieht die Stadt das völlig anders.

Jena soll scheinbar nun auch im Zentrum mit Brachialgewalt weiter aufgewertet werden, vor allem im Zentrum. Wohnungen spielen dabei übrigens nicht im Ansatz eine Rolle, von bezahlbaren Wohnraum erst gar nicht zu sprechen. Oh doch, da gibt es ja aktuell doch ein Projekt. Die Grundstücke am Hausberg, die gerade per Los an die neuen Besitzer weggehen. Da werden dann schon mal über 700 Euro /qm für ein Grundstück (ohne Haus) hingelegt. Stolze Preise für eine stolze Stadt?

Und nun will Jena noch mit aller Macht zum Kongressstandort werden. Weil das wohl immer noch einige so sehen, und sich das ständig mit neuen Studien bestätigen lassen. Aber wer macht eigentlich diese Studien. Menschen, die schon im Internetzeitalter leben oder eher welche, die mit Digitalisierung überhaupt nichts am Hut haben. Aber das ist ein anderes Thema. Übrigens wehrt sich auch Weimar gegen ein weieteres Kongresszentrum. Man möchte doch bitte eher zusammenarbeiten, als weitere Kapazitäten auf zu bauen. Weshalb wird hier nicht endlich kooperiert, statt immer nur konkurriert!

Braucht Jena wirklich so viele neue Hotelkapazitäten?

Sieht man sich die Zahlen von Jena an, fällt einem auf, dass Jena, jedenfalls diesen Zahlen nach, nicht mehr wächst. Die Gewerbe- und Einkommenssteuer stagniert bzw. ist im ersten Quartal sogar rückläufig. Sind das wirklich alles Investitionen in die Zukunft? Oder ist das einfach nur blinde Gläubigkeit, weil einige Entscheider nur diesen Weg sehen wollen? Stadtzentrum first. Selbst der Eichplatz wird wieder als Standort für ein weiteres Hotel in Stellung gebracht…Nach einem Plan sieht das alles nicht wirklich aus!

Und auch nicht zu vergessen kommen mit jedem Hotel immer mehr Tagespendler nach Jena, also noch mehr Verkehr. Ach sorry, ich habe vergessen, dass die ja dann alle mit Fahrrad kommen! Jedenfalls sollten sich die Bürger ganz schnell abschminken, dass in Jena weiterer Wohnraum geplant wird. Auch wenn die Stadt immer gerne von neuen Wohngebieten in Nord schwärmt, ist Jena wohl derzeit die einzige Schwarmstedt, die nur in eine Richtung wachsen darf und das bitteschön auch nur im hochpreisigen Segment. Der neue Mietspiegel, der wieder im Schnitt die Wohnungen um 10 Prozent teurer machen wird (bis auf Lobeda) ist bereits erarbeitet und wird demnächst öffentlich vorgestellt werden.

Es ist wirklich schade, dass nur ganz wenige Interessenlagen die Stadtentwicklung bestimmen. Die Politik müsste schon lange laut aufschreien, denn das ist definitiv keine gesunde Entwicklung mehr. Eine Stadt, die immer nur einen Bereich, also die Hochtechnologie im Blick hat, ist langfristig keine lebenswerte Stadt mehr und wird langweilig sein. Aber so ist im Moment die Stadtentwicklung angelegt, nicht qualitativ, sondern rein ideologisch geprägt ohne den Menschen im Blick!

Für Menschen, die nicht in das Konzept Jena passen, hat Jena auch keinen Nerv mehr. Das betrifft auch immer mehr Menschen, die seit vielen Jahrzehnten Bürger sind. Wer nicht mehr passt, muss eben gehen.