Jena. Die erste Ausstellung im Johannistor in diesem Jahr präsentiert Arbeiten eines besonderen „Künstlerpaares“ – Vater und Sohn. Es ist die erste Schau, in der beide gemeinsam ausstellen.

Der Vater – Ullrich Schmidt – wurde 1937 in Reppen, Weststernberg, geboren. Er beschäftigte sich als Autodidakt sehr früh mit textilen Techniken, baute sich nach dem Krieg selbst einen Knüpfstuhl und begann mit Resten von Teppichgarn aus dem Thüringer Teppichwerk erste Arbeiten zu schaffen. Sein Motto lautet bis heute „mit den Augen lernen“, das heißt, er schaut sich Dinge ab und wandelt sie dann künstlerisch in eine für ihn passende Form um. Intensive Anregungen bekam er zum Beispiel bei einer Balkanreise, wo er die geknüpften Teppiche der arbeitslosen Fischer studierte. Später entdeckte er handgesponnene Schafwolle für seine Arbeiten. Dies eröffnete ihm neue Möglichkeiten, da die Wolle unterschiedliche Weiß-Braun- und Schwarztöne aufweist, die er mit heimischen Laubhölzern kombinierte.

Diese Kombination von Naturhölzern und Wolle ist charakteristisch für seine Arbeiten geworden. Sie verleiht ihnen eine unverwechselbare besondere Prägung. So macht er die unterschiedlichen Schichten eines Holzes sichtbar, führt damit den Fluss des Lebens und die Lebendigkeit der Natur mit seiner Kunst vor Augen. Die Verbindung harter Materialien mit der Weichheit der Wolle verdeutlicht Gegensätze und Dualität des Lebens.

Ullrich Schmidt arbeitet inzwischen seit über 50 Jahren auf dem Gebiet der künstlerischen Textilgestaltung und hat sich darin überregional einen Namen gemacht. Zahlreiche Ausstellungen, u.a. in Gera, Schleiz, Crimmitschau und Berlin haben seine Arbeiten präsentiert.

Diese Ausstellung widmet sich seinem Schaffen zu seinem 80. Geburtstag.

Der Sohn – Jean Paul Thierevère – ist 1965 im ostthüringischen Gera geboren und aufgewachsen. Die Familie hatte einen starken künstlerischen Einfluss, dennoch fiel die Berufswahl zunächst zu Gunsten der Binnenfischerei aus und künstlerische Aktivitäten blieben sporadisch der Freizeit vorbehalten.

Der Künstler eignete sich sein gesamtes Wissen und Können in Bezug auf Malerei, Druckgrafik und Keramik über verschiedene Workshops und Arbeitsaufenthalte bei namhaften Künstlern autodidaktisch an. Seit 2007 arbeitet er mit voller Intensität auf den von ihm gewählten künstlerischen Feldern.

Veranstaltungshinweis

Ausstellung BOTSCHAFTEN | Ullrich Schmidt und Jaen Paul Thierevère
Handfilzarbeiten – Druckgrafik – Malerei

Vernissage am Freitag, den 1. September 2017 um 18 Uhr.

Die Ausstellung läuft bis 19. September und ist täglich von 13 bis 19 Uhr geöffnet.

Während der Öffnungszeiten ist das Stadtmauerensemble mit Johannistor, Pulverturm und Wehrgang zugänglich.

Der Eintritt in die Ausstellung und in die Türme ist frei.

Die nächste Ausstellung im Johannistor „DAS GOLDENE ZEITALTER“ zeigt überwiegend neue Arbeiten von Waltraud Ehrlich-Schmidt und wird am 23. September 2017 eröffnet.