Jena. Heute stehen einige Punkte auf der Tagesordnung des Stadtentwicklungsausschusses. Dabei geht es in einem Schwerpunkt um den Abwägungs- und Feststellungsbeschluss zur Änderung des Flächennutzungsplanes im Bereich des Stadions. Der Ausschuss tagt in diesen Punkten gemeinsam mit den Ortsteilräten Kernberg, Wöllnitz und Süd. Der Bebauungsplan B-Wj 16 „Umbau Ernst-Abbe-Fußballarena soll dabei abgewogen und in einer Satzung festgelegt werden. Bedenken äußerten einige Institutionen wie das Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, das Verkehrsministerium und die Stadt Weimar.

Die Landesanstalt merkt an, dass die Saale als Gewässer 1. Ordnung in ihre Zuständigkeit gehöre. Die Stadt Jena wiegelt ab, da die Grenzen des Bebauungsplanes die Saale nicht berühre.

Das Ministerium verweigert die Zustimmung, weil die Südzufahrt samt Bahnanlagen nicht ausreichend im vorgelegten Entwurf ausgearbeitet wurden: „Mit dem Bau von Betriebsanlagen dürfe erst begonnen werden, wenn die Prüfung der Bauunterlagen durch die technische Aufsichtsbehörde ergibt, dass die Vorschriften der BOStrab beachtet sein und wenn der Unternehmer vom Ergebnis dieser Prüfung durch einen Planfeststellungsbeschluss unterrichtet worden ist. Im Ergebnis der Prüfung der Unterlagen würde festgestellt, dass nicht alle Angaben zur Entscheidung vorlägen, aus diesem Grund seien die Bauunterlagen mit den erforderlichen Angaben nach BOStrab §60 mind 4 Wochen vor Ausführungsbeginn zur Zustimmung vorzulegen.“ Die Stadt Jena sagt zu, dass „(i)m Zuge der konkreten Objektplanung (…) die Aussagen der Machbarkeitsstudie konkretisiert und rechtzeitig zur Prüfung vorgelegt“ werden.

Weimar verweist auf eigene Veranstaltungsräume – weimarhalle – und die entstehende Konkurrenz durch den Neubau im Paradies. Die Liste der Bedenken ist kurz, aber von großer Auswirkung für die Nachbarstadt:
• Vorhaben seien zu vermeiden, die zu regionalen Konkurrenzsituationen und Überkapazitäten führten.
• Gem. Landestourismuskonzeption fehlten keine Tagungskapazitäten, die Auslastung der Bestehenden würde erschwert werden.
• Verdrängungswettbewerb und Qualitätsverlust in der Region durch zusätzliche Nutzung der Sportstätte für touristische Angebote
• Forderung nach Prüfung der Auswirkungen der geplanten Nutzungen auf die Region, insbesondere auf Weimar.

Die Stadt Jena geht in ihrer Abwägung hier ausführlicher auf die Bedenken aus Weimar ein: „Die Hinweise werden zur Kenntnis genommen und teilweise berücksichtigt. Um eine Konkurrenzsituation zwischen den Kommunen und auch innerhalb der Stadt Jena zu verhindern, wird die Fläche der für Events nutzbaren Räume des VIP Bereichs auf 3.000 m² begrenzt, wobei zusätzlich noch eine Begrenzung der zulässigen Größe des größten Raumes auf 1.500 m² erfolgt. In der Landestourismuskonzeption ist der sogen. MICE (Meeting, Incentives, Kongress- und Eventtourismus) nur insoweit behandelt, als dass es hier gesonderte Konzeptionen geben muss, da es sich im Wesentlichen um Segmente der Privatwirtschaft handelt. Über die Entwicklung und Zuordnung der Kapazitäten in diesem Marktsegment wird in dieser Konzeption nichts ausgesagt. Jena als bedeutender Universitäts- und Forschungsstandort in Thüringen benötigt als Peripherie dafür ausreichend Tagungskapazitäten. Die Landestourismuskonzeption fordert außerdem die Schärfung des Profils des Tourismus. Von den 3 Säulen des Thüringen-Tourismus ist lediglich die Säule Kultur-Städtetourismus tangiert. Während sich hier Weimar mit den Klassikern, dem Bauhaus und Museen/Parks positioniert, geht die Zielrichtung des Bebauungsplans eindeutig in die Hauptrichtung Fußball. Daneben sollen allgemeine Veranstaltung (wie sie auch heute schon durchgeführt werden) in einem zeitgemäßen Standard stattfinden können. Dabei handelt es sich z.B. um Firmenveranstaltungen, Produkteinführungen, kleine kulturelle Veranstaltungen und Tagungen (s. vor). Eine Konkurrenz zum Profil der Stadt Weimar oder anderen Umlandgemeinden ist hier nicht zu unterstellen. Es findet im Gegenteil die Schärfung des traditionsreichen Jenaer Profils ‚Wissenschaft und Sport‘ statt. Die Ziele des Bebauungsplans gehen im Übrigen, wie aus der Begründung zu entnehmen ist, mit den Zielen des LEP und der Regionalplanung konform, insbesondere mit dem Ziel der Entwicklung des Spitzensports. Eine Auswirkungsanalyse wird nicht für notwendig erachtet, da das Vorhaben den raumordnerischen Vorgaben für die Stadt Jena im Landesentwicklungsprogramm 2015 und im Regionalplan entspricht. Die planerische Zielstellung wird durch die Stellungnahme der Regionalplanung des Landesverwaltungsamtes unterstützt.“

Der größte Raum im VIP-Bereich in der Arena darf also nicht größer als 1.500 m² sein, insgesamt darf die Fläche nicht mehr als 3.000 m² betragen.

Diese Begrenzung rief den FC Carl Zeiss Jena als Hauptnutzer und Vermarkter auf den Plan:
„- Inhaltlicher Verweis auf Anlage 0 Vision FCC –

1. Ziele seien gefährdet, da die bebaubare Fläche zu gering wäre, Inhaltlicher Verweis auf Anlage 1 Vermarktungskonzept Sport Five, hier signifikante Auswirkung der Flächengröße auf Wirtschaftlichkeit, Mindestgröße Hospitalitybereich nach DFL-Vorgaben sei nicht wirtschaftlich betreibbar. Die bebaubare Fläche bietet zu wenige Vermarktungspotentiale innerhalb und außerhalb der Sportnutzung. Hierzu wird insbesondere die Integration von Büroräumen gefordert.
2. Flexible Hospitality-Bereiche seien auf mehreren Ebenen notwendig, d.h. Fläche müsse ausreichend groß sein. Insbesondere wären die Premium-Fläche in Ebene 0 wichtig, Integration von Büroflächen für externe Firmen (Firmensitze, Callcenter, etc.).
3. Sozialtrakt/Mannschaftskabinen/Pressebereich In alter Tribüne zwar vorhanden, wären jedoch in neuer Tribüne i.V. mit Pressebereich u. Mixedzone notwendig.
4. Die Verlagerung der Spielfläche sei aus Kostengründen zu vermeiden und die bebaubare Fläche der Gegentribüne um 7 m zu erweitern.
5. Erweiterung der Baugrenzen: Bebaubarkeit der Gegengeraden solle mit einer Breite von 40 m bei Nichtverlagerung des Spielfeldes möglich werden, ebenso die Verbreiterung der Kopftribünen um 3-4 m. Die zulässige Höhe solle auf mind. 26 m erhöht werden. Möglichkeit der Umgestaltung der Westtribüne in Richtung Spielfeld (ca. 6m) solle geschaffen werden.
6. Nachwuchsleistungszentrum solle in den Neubau integriert werden.
7. Es solle eine Ausrüstung mit LED-Flutlicht erfolgen.“ [Hervorhebung: Jenapolis.de]

Mit dieser Begrenzung der Räume in dem nicht mehr als polyvalente Multifunktionsarena bezeichneten, „DFL-tauglichen Stadion“ ist das zu bauende Stadion wirtschaftlich nicht betreibbar. Bleibt das Stadion, trotz Aufstieg in die Profiliga, weiterhin ein teures Zuschussobjekt? Ob die Eingriffe in die Natur mit der unwiederbringlichen Vernichtung eines unter Naturschutz stehenden Teils, in die Umwelt, in den Eisen- und Straßenbahnvekehr und den regionalen Tourismus tatsächlich eine solche positive Auswirkung auf das Jenaer Stadion haben wird, ist Gegenstand der Abwägung, die am heutigen Abend getroffen wird. Am 20. September 2017 entscheidet der Stadtrat über die heute zu beratenden Beschlussvorlagen.

Der Stadtentwicklungsausschuss tagt heute, 31. August ab 17:00 Uhr öffentlich im Plenarsaal des historischen Rathauses. Hier finden Sie die Tagesordnung sowie die entsprechenden Unterlagen (externer Link).