2. September bis 12. Oktober 2017
Inken Reinert, Ingeborg Lockemann und Elke Mohr
Fotografie, Video und Installation

Jena. Das neue Ausstellungsprojekt des Jenaer Kunstvereins nimmt Bezug auf die anstehenden Veränderungen des zentralen Stadtbildes von Jena. Drei große Gebiete – Eichplatz, Inselplatz und das Klinikgelände Bachstraße – sollen ein neues Gesicht erhalten und neue Funktionen erfüllen. Die Entscheidungen, die getroffen werden, sind weitreichend. Mit verschiedenen Initiativen wie „Mein Eichplatz“ oder „Ein Kunsthaus für Jena“ haben die Einwohner der Stadt gezeigt, dass sie an diesem Diskurs teilhaben wollen.

Im Fokus der Ausstellung steht die Frage – auch mit Blick auf die Geschichte von Jena – was die Mitte einer Stadt ausmacht, was dort eigentlich sein und wozu sie dienen soll. Im Bild eines Stadtzentrums spiegelt sich die momentane Verfasstheit unserer Gesellschaft wider; seine Gestaltung diente und dient bestimmten Zielen und Interessen. Welche Ziele haben wir heute? Welche Interessen werden sich durchsetzen und die „neue Mitte“ der Stadt bestimmen? Was werden wir in Zukunft hier sehen: Enge oder Weite, Horizonte oder Kleinteiligkeit, kommerzielle Nutzungen oder neue Konzeptionen?

Für das Projekt konnten mit Inken Reinert, Ingeborg Lockemann und Elke Mohr drei Berliner Künstlerinnen gewonnen werden, von denen zwei in Jena geboren und aufgewachsen sind und die die Prozesse in ihrer ehemaligen Heimatstadt aufmerksam verfolgen. Sie präsentieren Arbeiten, die eigens für das Thema und den Jenaer Kunstverein produziert wurden.

Inken Reinert entwickelt ihren Beitrag auf Basis historischer Postkarten vom ehemaligen „Hotel International“ und seinen verschiedenen Leuchtschriften aus den 1960-er bis 1980-er Jahren. In ihrer Arbeit holt sie die Schriftzüge in die Gegenwart zurück, isoliert die Worte voneinander und lässt sie in Form von Fotomontagen und Installationen an unterschiedlichen Orten der Stadt wieder auferstehen. Anhand dieser neuen, teilweise irritierenden Definitionen architektonischer Situationen hinterfragt die Künstlerin die Festlegung und Interpretation städtischer Funktionen.

Das Künstlerinnenduo Elke Mohr/Ingeborg Lockemann zeigt ein Zweikanalvideo, dessen Handlungsraum das Areal des Eichplatzes ist. Seiner Erneuerung sehen viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt sehr wachsam entgegen. Sie wollen ihren mittigsten aller Plätze als wirklich öffentlichen, allen zugänglichen, möglichst grünen Raum ohne Konsumzwang und Shopping-Ödnis erhalten. Auch die Künstlerinnen möchten mit ihrem performativen Video zu großzügigen Ideen ermuntern – denn, schien dieser Ort nicht immer wieder geeignet, durch seine mehr oder weniger gelungenen Gestaltungen Besonderes auszudrücken und den hochfliegenden, ja utopischen Gedanken der jeweiligen Zeit Ausdruck zu verleihen? An unterschiedliche Ideale und Ideologien erinnernd, heben Mohr/Lockemann als Akteurinnen im Film ab und versuchen auf verschiedenen Wegen, die Schwerkraft des Irdischen und der materiellen Begrenzungen zu überwinden.

Ausstellung „Stadt, Platz, Turm – Eine Stadt sucht ihre Mitte“
2. September bis 12. Oktober 2017
Inken Reinert, Ingeborg Lockemann und Elke Mohr
Fotografie, Video und Installation

Vernissage: Freitag, 1. September 2017, 19 Uhr
Jenaer Kunstverein e.V., Stadtspeicher, Markt 16

Öffnungszeiten: Mi, Fr, Sa 12–16 Uhr, Do 12–19 Uhr

Weitere Informationen finden Sie unter:

www.jenaer-kunstverein.de
www.facebook.com/Jenaer.Kunstverein.eV

Zur Ausstellung gibt es ein vielfältiges Begleitprogramm:
Donnerstag, 14. September , 18 Uhr
„Vom Platz der Kosmonauten ins Paradies“
Ein Stadtrundgang mit der Künstlerin Inken Reinert im Rahmen der Ausstellung „Stadt, Platz, Turm – Eine Stadt sucht ihre Mitte“
Treffpunkt: Jenaer Kunstverein, Stadtspeicher, Markt 16, 07743 Jena, Eintritt frei

anschließend 20 Uhr
„Kunststadt Jena? Brauchen wir ein Kunsthaus?“
Podiumsdiskussion im Rahmen der Ausstellung „Stadt, Platz, Turm – Eine Stadt sucht ihre Mitte“ u. a. mit Dr. Gisbert Porstmann (Museen der Stadt Dresden), Heidrun Schrade (Initiative „Kunsthaus Jena“), Erik Stephan (Kurator Kunstsammlung Jena), Jonas Zipf (Werkleiter JenaKultur)
Ort: Glashaus im Paradies Jena (www.glashaus-paradies.de), Eintritt frei

Samstag, 23. September, 15 Uhr
„Orchideenwanderung“ Ein Stadtrundgang mit den Künstlerinnen Ingeborg Lockemann und Elke Mohr im Rahmen der Ausstellung „Stadt, Platz, Turm – Eine Stadt sucht ihre Mitte“
Treffpunkt: Jenaer Kunstverein, Stadtspeicher, Markt 16, 07743 Jena, Eintritt frei

Donnerstag, 28. September, 19 Uhr
„Konsum, Kommerz, Kultur – Welche Mitte brauchen wir?“
Podiumsdiskussion im Rahmen der Ausstellung „Stadt, Platz, Turm – Eine Stadt sucht ihre Mitte“ u. a. mit Dr. Arnold Bartetzky (Kunsthistoriker und Architekturkritiker, Autor der FAZ, Leipzig), Rosa Maria Haschke (Initiative „Mein Eichplatz“, Jena), Michaela Jahn (Initiative „Innenstadt Jena“), Dr. Matthias Lerm (Leiter Fachdienst Stadtentwicklung & Stadtplanung, Jena), Prof. Dr. Tilman Reitz (Institut für Soziologie, FSU Jena)
Ort: Jenaer Kunstverein, Stadtspeicher, Markt 16, 07743 Jena, Eintritt frei

Donnerstag, 5. Oktober, 19 Uhr
„Stadt, Platz, Turm“ – Ein Filmabend von und mit dem Medienwissenschaftler Rainer Bellenbaum, Berlin

In einer Auswahl von Filmen und Filmausschnitten wird die Stadt als ein Dialog- und Interaktionsraum reflektiert und der Frage nachgegangen, inwiefern die Übermacht medialer und virtueller Zeichen sich an die Materialität und Sinnlichkeit der baulich gewachsenen und veränderlichen Stadt zurückbinden lässt.
Ort: wird noch bekannt gegeben

Donnerstag, 12. Oktober, 19 Uhr
Finissage mit Künstlerinnengespräch
Ort: Jenaer Kunstverein, Eintritt frei