Jena. Schon zum 25. Mal beteiligt sich die Stadt Jena am bundesweiten Tag des offenen Denkmals. Auch in diesem Jahr sind wieder zahlreiche Denkmaleigentümer, Vereine, Restauratoren, Architekten und Handwerker mit dabei. Unter dem Motto „Macht und Pracht“ können Besucher rund 30 Denkmäler – von Burgau bis Zwätzen, von Jenprießnitz bis zum Forst – am 10. September 2017 entdecken:

Burgau: inoffizielles Zentrum des Denkmaltages

Dabei bildet der Stadtteil Burgau in diesem Jahr das inoffizielle Zentrum des Denkmaltages. Nahezu der gesamte Ort präsentiert an diesem Tag Geschichte und Geschichten. So öffnen die Drei- und Vierseithöfe im Denkmalensemble Geraer Straße ab 13:00 Uhr ihre prächtigen Toranlagen anlässlich des „Tags der offenen Höfe“. Das noch mit einem Generator aus der Erbauungszeit von 1912 und Turbinen von 1938 arbeitende Saalekraftwerk an der Burgauer Brücke mit dem ehemaligen Mühlengehöft lädt ebenso ein, wie die bereits weitgehend sanierte Dreifaltigkeitskirche und die wundervolle sogenannte Binderburg. Bei Letztgenannter handelt es sich um die Villa von Prof. Binder im neoromanischen Stil, die auf dem Gelände der ehemaligen Burgauer Burg errichtet wurde.

Park- und Gartenanlagen

Eine besondere Denkmalkategorie sind die historischen Park- und Gartenanlagen. Drei dieser Parks sind in diesem Jahr dabei. Dr. Schlotter von der Friedrich-Schiller-Universität führt um 11:00, 13:00 und 15:00 Uhr durch Schillers Gartenhaus mit Garten und Prof. von Puttkammer um 10:30 und 12:00 Uhr durch das Griesbachsche Gartenhaus. Von 10:00 bis 16:00 lädt der Drackendorfer Heimatverein in den Drackendorfer Park ein und öffnet dafür auch den Pavillon.

Machtzentren und -symbole

Aber natürlich zeigen wir auch wirkliche Machtzentren und -symbole. So wird es mit dem Stadtarchäologen Matthias Rupp eine Führung zum und im Anfang des 15. Jahrhundert vollendeten Historischen Rathaus und zum Anatomieturm geben. Los geht es um 9:30 Uhr am Rathaus. Über die Setzung neuer Machtsymbole unter Zerstörung und Marginalisierung früherer kann bei einer Führung zum Jentower mit dem Stadthistoriker Dr. Stutz ab 11:00 Uhr diskutiert werden.

Zahlreiche Denkmäler

Auch einige der zahlreichen Denkmäler stellen wir am Sonntag genauer vor. So wird Restaurator Benito Sellin um 15:00 Uhr am „Hanfried-Denkmal“ auf dem Marktplatz die jüngsten Restaurierungsmaßnahmen erläutert. Der monumentale Gedenkpavillon für Abbe am Carl-Zeiß-Platz öffnet ebenfalls seine Tore und auch die beiden Monumente auf dem Forst – Forstturm und Bismarckturm – laden ab 11:00 Uhr Besucher ein.

Kirchen und Friedhöfe

Dass Kirchen und Friedhöfe dabei sind, versteht sich. Das reichhaltige Programm an Vorträgen und Konzerten, das in der Stadtkirche St. Michael und auch auf dem Johannisfriedhof bzw. in der Garnisionkirche geboten wird, sollten sich Besucher in der Broschüre genauer ansehen. Geöffnet haben aber auch die wundervolle mit herrlichen Secco-Malereien ausgestattete Kirche St. Peter in Lobeda und die bereits im 12. Jahrhundert errichtete Kirche St. Marien in Zwätzen, die eine der ältesten Kirchentüren Mitteldeutschlands ihr Eigen zählt.

Derzeit größten Baustelle

Eine der derzeit größten Baustellen und gleichzeitig eine der interessantesten Anlagen ist das Volkshaus am Carl-Zeiß-Platz. Das zwischen 1901 und 1903 auf Initiative von Ernst Abbe nach Plänen Arwed Roßbachs entworfene Gebäudeensemble sollte der „Belehrung und geistigen Anregung der Arbeiter“ dienen. Derzeit laufen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an der Fassade und im Inneren des Saalgebäudes. Die Projektverantwortlichen werden diese in Führungen erläutern. Für die dabei geplanten Gerüstbegehungen sind allerdings Voranmeldungen erforderlich. Diese werden am 7. September von 9:00 bis 12:00 und von 14:00 bis 17:00 unter der Telefonnummer (03641) 49-5141 entgegen genommen.

Jenaprießnitz, Zwätzen und Ziegenhain

Schließlich sei noch auf unsere Ortschaften verwiesen: In Jenaprießnitz öffnet der hiesige Verein das Kommunbrauhaus von1764. In Zwätzen lassen Investor und der Kulturlandschaftsverein Zwätzen gemeinsam die über 800jährige Geschichte der ehemaligen Komturei/des Alten Gutes Zwätzen lebendig werden und erläutern die im letzten Jahr entstandenen Planungen für das Gut. In Ziegenhain öffnet der Eigentümer den für den Ort so bedeutsamen Edelhof.

Anbei finden Sie die Broschüre zum Denkmaltag als PDF.
Hinweis: Änderungen zum gedruckten Programm!

Leider muss die alte Autobahnbrücke über das Saaletal in Göschwitz in diesem Jahr aufgrund personeller Ausfälle entgegen der Ankündigung im Faltblatt geschlossen bleiben. Wir bitten dafür um Verständnis. Im nächsten Jahr ist das Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr wieder mit dabei und dann kann auch die mit 794 Meter längste Brücke des Autobahnprogramms Thüringen wieder begangen werden


Hintergrund zum Denkmaltag:

Ziel dieser bundesweiten Veranstaltung ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren, Interesse und Verständnis für die Belange der Denkmalpflege zu wecken, aber vor allem auch den Denkmaleigentümern, Restauratoren, ehrenamtlich Engagierten die gebotene Anerkennung zukommen zu lassen. Denn Denkmalschutz und Denkmalpflege funktionieren nur miteinander.

Der Tag des offenen Denkmals, der seit 1993 jährlich am zweiten Sonntag im September stattfindet, wird in der Bundesrepublik von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert. Er wird aber europaweit begangen. Seit 1999 gibt die Stiftung ein Motto/Leitthema aus, dem sich Kommunen anschließen können. Im Jahre 2017 lautet es „Macht und Pracht“.

Neben den Baudenkmalen symbolisieren natürlich auch Denkmäler im engeren Sinne das mit seinen Antonymen. Und auch hier ist unbedingt der Umgang mit diesen bewusst zum Zwecke der Erinnerung gesetzten Malen zu betrachten. Damit berührt das Motto – wieder einmal – den Kern der Denkmalkultur und wurde von Jena als Motto für den städtischen Tag des offenen Denkmals gern übernommen.

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