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Wissenschaftler der Universität Jena veranstalten am 11./12. September. einen Workshop über globale Erzählungen zum 11. September 2001

Jena. Die einschlagenden Flugzeuge, die Rauchsäule über dem World Trade Center – diese Bilder vom 11. September 2001 haben sich buchstäblich eingebrannt. Zugleich verbinden sich mit den Bildern der Terroranschläge von New York und Washington Erzählungen, Narrative, die sehr unterschiedlich sein können. Vom knappen „Nine Eleven“ als Chiffre über Comic und Graphic Novel bis hin zu kruden Verschwörungstheorien. In einem wissenschaftlichen Workshop wird am 11. und 12. September an der Universität danach gefragt, ob und wie die Erzählungen vom 11. September Globalität erzeugen und strukturieren. Ausrichter ist das „Forum for the Study of the Global Condition“, das von den Universitäten Jena, Leipzig, Halle-Wittenberg und Erfurt 2016 als gemeinsame Plattform für Forschungen in den Geistes- und Sozialwissenschaften gegründet wurde.

„Es gibt weltweit vielleicht kein weiteres einzelnes Ereignis mit einer solchen Tragweite wie den 11. September“, sagt Prof. Dr. Tilman Seidensticker von der Universität Jena. Der Islamwissenschaftler ist Gastgeber des Workshops und gehört zur wissenschaftlichen Leitung. Er sagt, am ehesten vergleichbar sei „Nine Eleven“ noch mit dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945. Vergleichbar vorrangig deshalb, weil beide Ereignisse bis in weit entfernte Regionen wahrgenommen wurden und Nachwirkungen hatten.

Während des zweitägigen Workshops werden die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über Disziplinen hinweg zu ergründen versuchen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten die verschiedenen Erzählungen zu 9/11 aufweisen und wie sie sich unterschiedlichen Medien, sozialen Gruppen und Kulturräumen zuordnen lassen. Der Leipziger Historiker Dirk van Laak wird über „Nine Eleven“ als transnational erzähltes Medienereignis sprechen. Der Kunstwissenschaftler Steffen Haug aus Berlin untersucht Flugzeugentführungen und ihre Medienbilder bis 9/11 und Tilman Seidensticker analysiert „Die letzten Momente vor dem Aufprall“, den fiktiven Text eines radikalen Salafisten, der sich „Lewis Atiyat Allah“ nannte.

In einem öffentlichen Abendvortrag spricht der Journalist Patrik Bahners aus München am 11. September ab 18.30 Uhr über „On se souviendra, peut-être: Konjekturen einer Bildergeschichte von Verfall und Untergang“. Bahners, FAZ-Autor, hat u. a. das Buch „Die Panikmacher“ über die „deutsche Angst vor dem Islam“ veröffentlicht.

Prof. Seidensticker lädt die Öffentlichkeit ein, am Workshop teilzunehmen. Getagt wird am Montag (11. September) ab 11.15 Uhr im Senatssaal der Universität Jena (Fürstengraben 1), der zweite Teil beginnt Dienstag (12. September) um 9.00 Uhr, ebenfalls im Senatssaal. Seidensticker betont, dass es nicht um die Ereignisgeschichte des 11. September gehen werde, stattdessen würde mit der Frage nach der Globalität des Ereignisses Neuland betreten. Der Ausgang sei offen.

Nicht ganz glücklich ist Tilman Seidensticker mit der gehäuften Verwendung des Kürzels „9/11“: „Der Begriff ist keineswegs neutral, weil er das US-amerikanische Narrativ der Ereignisse aufgreift.“ Eine Umschreibung à la „die Ereignisse vom 11. September 2001“ sei jedoch einfach zu umständlich.

Das Programm des Workshops im Internet: www.forum-global-condition.de.

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