Jena. Es ist schon eine alte Liebe – diese Städtepartnerschaft zwischen Jena und Erlangen. Besteht sie doch seit nunmehr 30 Jahren. An Schwung hat sie aber noch lange nicht verloren.

„Wenn ich an Erlangen denke, dann denke ich an die zwischen Bürgerinnen und Bürgern am engsten verflochtene Städtepartnerschaft, die Jena hat. Ich denke an die unvergesslichen Anfänge, aber auch an die Möglichkeiten, die sich bis heute aus dieser Konstellation ergeben haben beziehungsweise sich künftig ergeben können“, sagt Oberbürgermeister Albrecht Schröter.

Am morgigen 3. Oktober wird das Jubiläum in Erlangen mit einem großen fränkisch-thüringischen Bürgerfest gefeiert, zudem auch rund 220 Gäste aus Jena anreisen. Mit dabei sind auch Oberbürgermeister Albrecht Schröter und sein Vorgänger Peter Röhlinger, denen beiden die Städtepartnerschaft ganz besonders am Herzen liegt. Zumal sie fast gescheitert werde:

Eklat vor der Unterzeichnung

Bereits 1970 beschloss der Erlanger Stadtrat auf das Betreiben von Claus Uhl einstimmig, eine Partnerschaft mit Jena anzustreben. Es dauerte aber noch 17 Jahre, bis es soweit war. Am 8. April 1987 unterzeichneten beide Städte in Jena die „Vereinbarung der Städtepartnerschaft zwischen Stadt Erlangen und der Stadt Jena“ in Jena. Der Ratifizierung war allerdings ein Eklat vorangegangen:

Drei Wochen vor der Unterzeichnung, am 19. März 1987, wollte der Erlanger Stadtrat der Vereinbarung zustimmen. Zu der Sitzung hatte sich auch Roland Jahn, eingeladen von der Erlanger Fraktionsgemeinschaft Grüne Liste und Grüne Partei, angekündigt. Für die DDR war sein Erscheinen undenkbar. War Jahn Gründungsmitglied der Jenaer Friedensgemeinschaft und wurde 1983 aus der DDR zwangsausgewiesen. Mittlerweile hatte er sich in der BRD als Journalist einen Namen gemacht. Für das ARD-Magazin „Kontraste“ wollte er nun einen kritischen Beitrag über die deutsch-deutsche Städtepartnerschaft erstellen – ein Graus für das SED-Regime.

Versöhnliches Zeichen von Roland Jahn

Um den Vertrag nicht zu gefährden, gab der Erlanger Stadtrat dem Drängen von Jenas damaligem Oberbürgermeister Hans Span nach. Jahn durfte nicht teilnehmen, obwohl es sich um eine öffentliche Sitzung eines frei gewählten Stadtrats handelte. Vor diesem Hintergrund ist es eine ganz besondere Ehre und ein versöhnliches Zeichen, dass Roland Jahn, der mittlerweile Leiter der Stasiunterlagenbehörde BStU ist, die Festrede zum Jubiläum der Städtepartnerschaft hält.

Zusammenarbeit in alle Lebensbereichen

Der 3. Oktober als Tag der Städtepartnerschaft, der jährlich abwechselnd in Jena und Erlangen stattfindet, ist ein beständiger Anker der Partnerschaft. Darüber hinaus gibt es vielfältige Verknüpfungen, die alle Lebensbereiche umfassen. So gibt es unter anderem einen Schüleraustausch zwischen den Jenaer Anger Gymnasium und dem Erlanger Marie-Therese-Gymnasium. Verschiedene Vereine, insbesondere Chöre, treffen sich regelmäßig und haben gemeinsame Projekte. Beispielsweise sind der Volkshochschule Erlangen Collagen von Frank Döbert aus Jena zu sehen. Der Jenaer Verein Lesezeichen veranstaltet zusammen mit Erlanger Autoren Ende Oktober einen Autorenworkshop in Jena und der Knabenchor der Jenaer Philharmonie wird ein Adventskonzert in Erlangen geben.

Auch politisch hat die Städtepartnerschaft Einfluss gehabt. Nach der Wende hat Erlangen Jena insbesondere beim Aufbau bürgerlicher Strukturen wie dem DRK oder den Seniorenbeirat unterstützt. Entscheidend dabei war, dass Erlangen nicht belehrend oder von oben herab agierte, sondern stets partnerschaftlich und auf Augenhöhe. „Die Unterstützung, die wir von Erlangen erfahren haben, hat uns stark geprägt. Aus dieser Erfahrung heraus unterstützen wir unsere Partnerstädten wie Lugoj in Rumänien genauso wie Erlangen uns geholfen hat“, erklärt Oberbürgermeister Schröter. Deshalb gibt es im Jenaer Haushalt auch ein eigenes Budget für Städtepartnerschaft.

Gemeinsame Städte- und Kooperationspartner

Zum Teil haben Jena und Erlangen sogar dieselben Städte- und Kooperationspartner, was die Zusammenarbeit erleichtert und verstärkt. So waren beide Oberbürgermeister zum Beispiel am 70. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Wladimir und haben dort zusammen mit den russischen Freunden dem Frieden gedacht.

Damit hat sich das 1987 formulierte Ziel der Städtepartnerschafts-Vereinbarung, „durch vielfältige und intensive Kontakte der Bürgerschaft und gesellschaftlicher Gruppen beider Städte freundschaftlich zusammenzuwirken und auf diese Weise gegenseitiges Vertrauen zu schaffen“, hinlänglich erfüllt und auch weiterhin bestand.


Foto vom 25. Jubiläum der Städtepartnerschaft Jena – Erlangen. Das 25. Jubiäum der Städtepartnerschaft wurde in Jena gefeiert. Aus diesem Anlass gab es eine mit den Stadtwappen von Jena und Erlangen verzierte Torte.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!

Ich akzeptiere

Please enter your name here