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Das Deutsche Kaiserreich besaß einige Kolonien in Afrika, konnte aber mit den Kolonialmächten wie Großbritannien, Frankreich, Spanien oder Belgien nicht mithalten. Dennoch gab es für eine lange Zeit sogenannte Kolonialwarenläden, in denen zum Beispiel die Alltagsdroge Kaffee feil geboten wurden. Dort gab es aber auch exotische Gewürze und Heilkräuter. Spezialisten nahmen diese Wirkstoffe genauer unter die Lupe. Viele Heilmittel konnten so gewonnen werden. Einige Kolonialwarenläden spezialisierten sich auf den Verkauf von solchen Heilmitteln. Aus diesen entwickelten sich kleinere Drogerien und Apotheken.

Eine solche Apotheke ist ins Visier einiger Stadträte geraten. Am 18. Oktober, als eine Straße am Petersberg den Namen des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl erhalten sollte, stellten sie einen weiteren Antrag, frei nach Schiller: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan. Der Mohr kann gehen.

Nun ist es heute nicht mehr en vogue, Schwarzafrikaner als Neger oder Mohren zu bezeichnen, selbst Wortkombination wie „Negerkuss“ sind verpönt.

Der Mohr aus der Mohren-Apotheke in Erfurt muss verschwinden, fordern einige Stadträte. Es soll jedoch nicht um ein einfaches Verbot gehen. Deswegen wurden schon Namen und Inhalte vorgeschlagen. Wie wäre es, wenn eine Frau* im weiten Mantel am Lagerfeuer in der „Schaman*_Innen Apotheke“ tanzt? Oder eine Lutherplastik vor der „Reform-Apotheke“ aufgestellt wird? Auf keinen Fall dürfe, so der Tenor, in der Landeshauptstadt etwas an die alte Handelstradition in ferne und unbekannte Länder erinnern. Sonst könnte man sich ja gleich Hansestadt nennen.

In Jena machen sich seit Beginn des Wintersemesters drei Studentinnen dafür stark, das Burschenschaftsdenkmal wieder aufstellen zu lassen, freilich als Mutterschaftsdenkmal. Innerhalb weniger Tage konnte so schon eine vierstellige Summe für eine Bearbeitung der Marmorskulptur gesammelt werden.

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