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„Kinderarmut darf nicht zum Dauerzustand werden“
50.000 Kinder und Jugendliche in Thüringen von Armut betroffen

Neudietendorf. Fast 50.000 Kinder leben laut dem Armutsbericht 2017 des Paritätischen in Thüringen an oder unterhalb der Armutsschwelle. Die Armutsquote von Kindern ist in Städten wie Gera, Erfurt oder Eisenach besonders hoch und liegt – so der Paritätische Armutsbericht – dort über 20 Prozent. Erschreckend dabei: Wächst ein Kind in Armut auf, bleibt es meistens für längere Zeit arm. Rund 21 Prozent aller Kinder leben in Deutschland dauerhaft oder wiederkehrend in Armutslagen.

Das belegt eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. Der Paritätische Thüringen unterstützt die Forderung an eine neue Bundesregierung, schnelle und entscheidende Schritte gegen die Kinderarmut in Deutschland zu ergreifen. „Wir können und wollen uns nicht damit abfinden, dass Kinderarmut in Deutschland zu einem Dauerzustand wird“, so Landesgeschäftsführer Stefan Werner. „Für jedes Kind muss es die gleichen Teilhabechancen haben.“

Zu einem umfassenden Maßnahmenpaket gehört nach Meinung des Paritätischen vor allem die Einführung einer Kindergrundsicherung. Diese Grundsicherung müsse die tatsächlichen Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen. Kinder- und Jugendhilfe dürfe nicht länger beim Jobcenter angebunden sein. „Denn Kinder sind keine kleinen Arbeitslosen“, so Werner.

Kinderarmut bedeutet für die Betroffenen vor allem eine Abkopplung vom sozialen Leben. Konkrete Auswirkungen: Beengtes Wohnen, wenig Geld für gesundes Essen, Bildung, Hobbies oder Urlaub und nur geringe Chancen auf gesellschaftlichen Aufstieg. Arme Kinder sind von vielen sozialen und kulturellen Aktivitäten ausgeschlossen. Das haben auch die Ergebnisse des Paritätischen Projektes Cardea 2.0 gezeigt, das sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Langzeitarbeitslosigkeit auf die Betroffenen und deren Familien beschäftigt.

Als einen „Beleg des armutspolitischen Scheiterns“ bewertet der Paritätische insgesamt die aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung. „Diese Kinder erleben Ausgrenzung und Mangel Tag für Tag“, so Werner. „Jedes Kind, das in Armut leben muss, ist eines zu viel. Er weist auch darauf hin, dass Kinderarmut immer abhängig von der Armut der Eltern ist. Deshalb sei die beste Politik gegen Kinderarmut eine aktive Arbeitsmarktpolitik, so Werner weiter.

Das umfassende Maßnahmenpaket, das der Paritätische von der Bundesregierung fordert, soll nicht nur die Kinder, sondern die ganze Familie in den Blick nehmen. „Wir werden die Kinder auch mit noch so vielen Bildungsprogrammen niemals aus der Armut herausbekommen, wenn wir nicht die finanzielle Situation für die ganze Familie verbessern. Es gibt keine armen Kinder ohne arme Familien“, so der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider.

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