Ein literarischer Schelmenstreich
Zweisprachiges Buch des Hegel-Kenners Klaus Vieweg von der Uni Jena zu Ehren von Umberto Eco

Jena. Georg Friedrich Wilhelm Hegel war nie in Italien. Und dennoch schrieb der berühmte Denker acht Briefe von dort in die Heimat. Wie kann das sein? Die Antwort kennt Prof. Dr. Klaus Vieweg von der Universität Jena. Zudem ist sie zu finden in dem Buch „Giuoco Piano, Hegels italienische Partie“ oder „Il viaggio in Italia di Hegel“, das Vieweg verfasst hat.

„Hegel wollte gemeinsam mit Freund Schelling nach Italien reisen“, sagt Klaus Vieweg. Der Philosoph sei auf die finanzielle Hilfe seines Freundes angewiesen gewesen, doch ausgerechnet kurz vor der Reise erhielt dieser einen Ruf an die Universität Würzburg. „Schelling sagte in Würzburg zu und die Reise ab“, sagt Klaus Vieweg. Allein konnte Hegel die Reise nicht stemmen. Später sei Hegel von Berlin aus noch viel gereist, doch nie nach Italien. „Ein Verlust besonders für die Ästhetik“, findet Vieweg, der an der Universität Jena Klassische deutsche Philosophie lehrt. Ein Verlust, den es auszugleichen galt. Das Instrument dazu: ein literarisches Schelmenstück allererster Güte.

Klaus Vieweg verfasste die acht Briefe kurzerhand eigenhändig. Anlass war die geplante Ehrendoktorwürde der Universität Jena für den italienischen Gelehrten Umberto Eco. Der Semiotiker und Autor von „Der Name der Rose“ hatte bereits eine veritable Sammlung von Ehrendoktorhüten und wollte ihr keinen neuen mehr hinzufügen. Doch für Jena habe er eine Ausnahme machen wollen, weil er gerne in der Gesellschaft mit Hegel sein würde. Die Universitäts-Gremien hatten schon zugestimmt, das offizielle Schreiben war auf dem Weg zu Eco, doch der 84-Jährige starb im Februar 2016.
Die Hegel-Briefe waren jedoch schon geschrieben und jetzt fand sich ein italienischer Verlag, der sie zweisprachig herausgebracht hat. Das Buch wird zur Tagung „Hegel und Italien – Italien und Hegel: Geistige Synergien von gestern und heute“ vom 26. bis 28. Oktober in der Villa Vigoni (Italien) vorgestellt.

Dabei sind Viewegs Texte keineswegs reine Phantasieprodukte. Sie reihen sich eher ein in ein Spiel mit wechselnden Identitäten und geheimnisvollen Schriften. Ein Spiel wie Umberto Eco es liebte. Eine passende geheimnisvolle Schrift fand Prof. Vieweg in einem Stuttgarter Archiv. Verfasst hatte sie der schwäbische Dichter Wilhelm Lang und sie trägt den Titel „Hegel in Italien“. Ihr Inhalt bleibt geheimnisvoll, denn leider, so Klaus Vieweg, ließ sich die Handschrift nicht transkribieren. Folglich musste eine Neudichtung her.

Klaus Vieweg hat sich aus dem Fundus von Hegel bedient, bei Goethe, dem Hölderlin-Freund Heinse und bei Umberto Eco. Im Mittelpunkt stehen Gedanken über die ewige Sehnsucht nach Italien und über das Lachen. Humor sei für Hegel die höchste Form der Kunst gewesen, sagt Prof. Vieweg. Damit schließe sich der Kreis zum großen Italiener Umberto Eco und dem Leitmotiv in dessen Roman „Der Name der Rose“. Letztlich, sagt Vieweg, sei das Ganze einfach ein großer Spaß. Umberto Eco hätte wohl seine helle Freude daran gehabt.

Bibliographische Angaben:

Klaus Vieweg: „Giuoco Piano, Hegels italienische Partie. Il viaggio in Italia di Hegel“, Mimesis Verlag, Sesto S. Giovanni 2017, 130 Seiten, deutsch-italienisch, 10,00 Euro, ISBN: 978-88-9480-101-9.

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