Am Donnerstag, dem 2. November 2017, hat um 19 Uhr im Jenaer Stadtmuseum die erste Biografie über Johann Friedrich I. seit 100 Jahren Buchpremiere:

Jena. In der rechten Hand das Schwert gezückt, in der linken die Heilige Schrift, so steht sein Denkmal, majestätisch, auf dem Jenaer Markt. Hanfried nennen ihn die Einheimischen und verabreden sich zu seinen Füßen. Johann Friedrich I., Kurfürst von Sachsen, war nicht nur von imposanter Leibesfülle, sondern auch ein Schwergewicht seiner Zeit: als der wichtigste Förderer Luthers und politische Kopf der Reformation führte er den Schmalkaldischen Bund an.

Mit dessen Niederlage bei Mühlberg 1547 verlor er alles: die Kurwürde, die Wittenberger Universität und sein Schloss in Torgau. Zum Tode verurteilt, blieb er über fünf Jahre in der Gefangenschaft des Kaisers. Doch im Scheitern schuf er die Grundlagen kommenden Ruhms:

Mit der Gründung der Jenaer Universität und als Auftraggeber Cranachs nahm Johann Friedrich das Programm des Weimarer Musenhofes vorweg –Kompensation von politischer Ohnmacht durch Förderung weltbedeutender Kultur.

Jahrhunderte lang galt er als „Märtyrer der Reformation“. Die vorliegende Biografie erzählt das Leben des gescheiterten Kurfürsten in all seinen Widersprüchen: als Vertrauter Luthers, theologisch versierter Landesherr, besorgter Vater, Spieler und liebender Gatte seiner Gefährtin Sibylle, von der Lucas Cranach d. Ä. eines der schönsten Frauenporträts der Renaissance geschaffen hat. Einer, der wusste, dass sein ungewisses Glück „auf Stelzen“ geht – und der dennoch beherzt das Nötige tat.

Eine spannend erzählte Biografie mit reichem Bildmaterial und im Anhang mit dem erstmals veröffentlichten Entwurf des Todesurteils über Johann Friedrich sowie einem Augenzeugenbericht seiner Gefangennahme in der Schlacht bei Mühlberg.

Das Buch ist zugleich Begleitband der neuen Ausstellung „Johann Friedrich I. von Sachsen als Glaubenskämpfer in der Gefangenschaft“, die vom 31. Oktober 2017 bis 4. März 2018 im Stadtmuseum Jena zu sehen ist.


Zur Autorin:
Sylvia Weigelt, geboren 1952, ist promovierte Germanistin und Historikerin, bis 2006 war sie Dozentin für Ältere deutsche Sprache und Literatur an der FSU Jena, seit 2007 freiberufliche Publizistin, sie lebt in Kunitz bei Jena und hat zahlreiche Bücher über das ausgehende Mittelalter sowie den Beginn der Neuzeit verfasst.

Zuletzt erschienen von ihr:

Unterwegs zu Elisabeth, Jena 2007
Der Männer Lust und Freude sein. Frauen um Luther, Weimar 2011
Sibylle von Kleve. Cranachs schönes Modell, Weimar 2012

Zur Buchpremiere am 2. November liest Sylvia Weigelt aus dem Band und spricht mit Jens-Fietje Dwars über die Entstehung des Buches und die Bedeutung Hanfrieds für Jena.


Bibliografische Angaben:

Sylvia Weigelt, Mein Glück geht auf Stelzen. Der gescheiterte Kurfürst Johann Friedrich I., quartus-Verlag Bucha bei Jena
256 Seiten, durchgehend farbige Abb., 24,90 Euro
ISBN 978-3- 943768-78- 7 * www.quartus-verlag.de

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