Foto: Ann Bünger. Mit freundlicher Genehmigung.

Veranstaltung zur Erinnerung am Donnerstag, dem 9. November, um 15:30 Uhr, am Gedenkstein jüdisches Sonderlager 1938 in der Gedenkstätte Buchenwald

Weimar. „Plötzlich schrie ein Mann: ‚Ich habe für Deutschland gekämpft. Ich lag über vier Jahre an der Front. Ich bin deutscher Jude. 2.000 Jahre verfolgt man uns schon und ihr wollt ein Kulturvolk sein!‘ Man schleppte ihn zur Seite. Er bekam gleich eine Sonderbehandlung. 25 Stockschläge auf den nackten Hintern. Der Mann schrie, man hörte so richtig, wie der SS-Mann ausholte, die Luft schnitt mit dem Stock, daß es nur so pfiff […] Ich dachte an Weimar, Buchenwald, Goethe. Ich begriff nichts mehr.“

So erinnert Julius Katz den offenen Antisemitismus, die Beschimpfungen und die körperliche Gewalt, denen er und die anderen jüdischen Männer im Konzentrationslager Buchenwald ausgesetzt waren.

In den frühen Morgenstunden des 10. November brennen überall in Deutschland die Synagogen. Juden werden aus ihren Wohnungen geschleppt, zusammengetrieben, geschlagen oder ermordet. Als der Tag anbricht, stehen Schaulustige vielerorts vor verkohlten Gebäuderesten – sehen zu, wie die SA das Mobiliar auf die Straße wirft und Geschäfte plündert. Manche machen mit, viele sind wie gelähmt. Einmal mehr, aber wie nie zuvor öffentlich, demonstrieren die Nationalsozialisten, dass sie über blutige Gewalt nicht nur reden. Nach dem Pogrom lässt die Gestapo etwa 30.000 jüdische Deutsche verhaften und in Konzentrationslager bringen. Sie sollen – so der Auftrag der SS – Todesangst erleben. Alles ist darauf ausgerichtet, ihnen die Würde zu nehmen und sie auszuplündern.

In Weimar spricht es sich herum, dass die SS Juden über das Bahnhofsgelände jagt und zum Ettersberg bringt. Allein in das dortige KZ Buchenwald verschleppt sie 9.845 Männer aus ganz Deutschland. Die SS hält sie in einer abgegrenzten Zone westlich des Appellplatzes in fünf scheunenartigen Baracken gefangen. Das Areal ist mit Stacheldraht umzäunt. Tagelang kommt hier niemand zum Ausruhen. Die Lebensbedingungen sind menschenunwürdig, sanitäre Einrichtungen gibt es kaum.

Den Ort des jüdischen Sonderlagers 1938 markiert heute ein Gedenkstein. Dort wird am Donnerstag, dem 9. November 2017, um 15:30 Uhr, an die damaligen Ereignisse erinnert: an der Stiftung tätige Internationale Freiwillige verlesen Berichte von Zeitzeugen.