Wie skandalös und teilweise komisch sich die Deutschen beim Entnazifizieren reinwuschen, beschreibt Niklas Frank in seinem Buch „Dunkle Seele, feiges Maul“, das er am 16. November um 19 Uhr im Erinnerungsort Topf & Söhne vorstellt.

Anhand zahlloser Akten erzählt Niklas Frank empörende, aber auch absurd komische Fälle voller Lügen aus der Zeit der Entnazifizierung zwischen 1945 und 1951. Dreist verkauften damals Mitglieder und Nutznießer der NSDAP die Spruchkammern für dumm und retteten sich ohne Reue ins demokratische Deutschland. Neben Prominenten wie Lina Heydrich, Oskar von Hindenburg, Emmy Göring, Winifred Wagner und anderen interessiert sich Niklas Frank vor allem für die vielen unbekannten Nazis, die das unmenschliche System gestützt und bejubelt, ihre Mitmenschen denunziert und bei der Judenverfolgung weggesehen hatten. Plötzlich wurden sie mit ihren Taten konfrontiert. Anstatt Verantwortung für ihr persönliches Verhalten zu übernehmen, redeten sie sich feige heraus und waren damit oftmals erfolgreich.

Niklas Frank ist der 1939 geborene Sohn des Juristen Hans Frank (1900 – 1946). Dieser trat als 23-Jähriger in die NSDAP ein und war ab 1939 als Generalgouverneur der besetzten polnischen Gebiete verantwortlich für die Enteignung und Ermordung von hunderttausenden Polen und die Deportation von etwa einer Million polnischer Arbeiterinnen und Arbeiter in deutsche Fabriken. Hans Frank organisierte die Verschleppung der polnischen Juden in Ghettos, von wo aus sie in die Vernichtungslager deportiert wurden. Der Internationale Militärgerichtshof in Nürnberg verurteilte ihn 1945 wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode.