Was auf den ersten Blick eine merkwürdige Frage zu sein scheint, ist auf den zweiten Blick gar nicht so abwegig. Bekanntlich sieht sich die selbsternannte Lichtstadt als eine Konzernstadt. Schlanke Strukturen in der Kernverwaltung und den Eigenbetrieben sollen für die Bürgerinnen und Bürger vorteilhaft sein. Allerdings haben die Stadträte nicht immer die Kontrolle in den Werkausschüssen und Ausschüssen über die Eigenbetriebe.

Die Werkleitungen der Eigenbetriebe legen Satzungen vor, die Auswirkungen auf die Gebühren haben. In der Regel sind – trotz gegenläufiger Ankündigung – keine Gebührensenkungen zum Beispiel beim Kommunalservice (KSJ) erfolgt. Im Gegenteil: Durch die kostenpflichtige Zwangsleerung der Mülltonnen, die trotz der hohen Rate der Mülltrennung eingeführt wurde, haben sich die Gebühren für die Müllentsorgung erhöht. Zudem führen hellere Pflastersteine besonders im Zentrum zu einem erhöhten Reinigungs- und damit Kostenaufwand.

Wie verträgt sich die Bürgernähe mit dem Hinweis, wenn das Gebiet der Stadtverwaltung am technischen Rathaus (Am Anger / Lutherplatz 3) zum „Privatgrundstück“ erklärt wird? Darf man als Bürger zum Jugend- oder Gesundheitsamt oder zum Oberbürgermeister in die Bürgersprechstunde gehen? Wie sieht es aus, wenn ich den Fristenbriefkasten der Stadtverwaltung nutzen will? Manchmal verwundert es einen, wenn es in der Stadt Jena Privatstraßen gibt, deren Eigentümerin die Stadt ist. Im Gebiet Am Anger/Lutherplatz 3 übertrifft sich die Stadtverwaltung einmal selbst.