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Der Neustart des staatlichen Lebensmittelsiegels „Geprüfte Qualität aus Thüringen“ läuft zurückhaltend an. Erst wenige Hersteller zeigen Interesse an dem verschärften Qualitätszeichen. Ab kommendem Juli ist ein Anteil von 90 Prozent an Thüringer Zutaten vorgeschrieben. Bislang reichen 50,1 Prozent aus. Aktuell „ca. zehn Unternehmen“ seien erstmals an dem Thüringer Siegel interessiert, sagte die Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums Antje Hellmann MDR THÜRINGEN. Zum Interesse der momentanen Lizenzinhaber sagte sie lediglich, dass „einige interessiert“ seien und andere abwarteten. Einzelne hätte unter anderem mit Verweis auf Zertifizierungskosten abgewinkt, so Hellmann.

Über die Jahre haben immer weniger Unternehmen für weniger Produkte mit dem Thüringer Qualitätszeichen geworben. Nach Angaben des Ministeriums sank die Zahl von 145 Betrieben mit 462 Produkten im Jahr 2007 auf jetzt 114 Betriebe mit 287 Produkten. Dazu zählen unter anderem Bier, Brot, Eier, Fleisch, Säfte, Kartoffelprodukte, Schnaps, Tiefkühllebensmittel oder auch Zierpflanzen.

Thüringer Lebensmittelhersteller sehen die Verschärfung des Qualitätszeichens skeptisch. Matthias Gaida, der Vorsitzende des Herstellerverbands „Thüringer Ernährungsnetzwerk“, sagte MDR THÜRINGEN, schon jetzt sei absehbar, dass viele, vor allem größere Hersteller, die 90-Prozent-Vorgabe nie erfüllen können. Viele Zutaten gebe es in Thüringen nicht oder nicht ganzjährig in den benötigten Mengen, so Gaida. Das gelte beispielsweise für Fleisch oder auch für Haselnüsse. Deshalb dürften die Unternehmen aber keinesfalls unterschiedlich behandelt oder gefördert werden. Gaida warnt vor „Firmen 1. und 2. Klasse“.

Generell sei es aber eine gute Sache dem Verbraucherwunsch nach regionalen Lebensmitteln stärker nachzukommen, so Gaida. Langfristig lasse sich der Anteil regionaler Zutaten möglicherweise erhöhen.

Als Voraussetzung sei aber eine Ist-Analyse der in Thüringen produzierten und verarbeiteten landwirtschaftlichen Rohstoffe dringend nötig. „Importe“ und „Exporte“ aus und nach Thüringen müssten gegenüber gestellt werden. So eine Analyse sei bereits angedacht und müsse nun sehr schnell erarbeitet werden. Das Thüringer Ernährungsnetzwerk vertritt knapp 40 Thüringer Lebensmittelhersteller.

Der Aufwand das verschärfte 90-Prozent-Siegel verwenden zu dürfen, steigt deutlich. Sämtliche Güte- und Prüfbestimmungen wurden für mehr als 30 Produkte komplett überarbeitet. Hersteller müssen ihre Produktion teilweise erst gezielt darauf umstellen. Vier Labore hat das Land für die Zertifizierungen gefunden mit denen nun entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen werden. Jede einzelne Siegelvergabe mit Betriebs- und Warenkontrollen wird nach Angaben des Ministeriums zwei bis drei Monate dauern.

Das Landwirtschaftsministerium setzt darauf, dass Hersteller und Verbraucher langfristig das neue Thüringer Qualitätszeichen als nützlich wahrnehmen und das schrittweise zu einer steigenden Nachfrage auf beiden Seiten führt. Unter anderem sei eine Werbekampagne mit beklebten Straßenbahnen, Messeauftritten und Heißluftballons geplant, so Ministeriumssprecherin Antje Hellmann. Dafür stünden in den kommenden vier Jahren jeweils 150.000 Euro zur Verfügung. Das staatliche Qualitätssiegel gibt es seit 25 Jahren. Es soll die Vermarktung von Thüringer Produkten unterstützen.

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