IfL-Karten verdeutlichen regionale Unterschiede der Eigentümerquote in Deutschland und Europa

Leipzig. Als Folge der niedrigen Zinsen hat Wohneigentum als inflationsunabhängige Wertanlage und Alterssicherung in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen. Dessen ungeachtet werden in Deutschland nur 43 Prozent aller Wohnimmobilien vom Eigentümer selbst genutzt – deutlich weniger als im übrigen Europa mit Ausnahme der Schweiz. Gravierende Unterschiede gibt es hierzulande zwischen Stadt und Land, aber auch zwischen Ost und West. Sachsen hat bundesweit die niedrigste Eigentümerquote, im Vergleich deutscher Großstädte rangiert Leipzig auf dem letzten Platz. Aufschluss über diese und weitere Besonderheiten der regionalen Variation von selbst genutztem Wohneigentum geben aktuelle Karten im Webangebot „Nationalatlas aktuell“ des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL).

Signifikant ist demnach der geringe Anteil an privatem Wohneigentum in den neuen Ländern. In Städten über 50.000 Einwohner bewegt sich die Quote fast durchweg deutlich unterhalb der 20-Prozent-Marke. Als Gründe führen die IfL-Wissenschaftler Karin Wiest und Volker Bode die nachwirkende DDR-Wohnungspolitik und die Entwicklungen nach der deutschen Einheit an, die den Erwerb von Wohnimmobilien durch kapitalkräftige Westdeutsche begünstigten. Höhere Eigentumsquoten von deutlich über 50 Prozent erreichen kleinere westdeutsche Städte in Nordrhein-Westfalen und vor allem manche ländlichen Regionen mit Spitzenwerten bis zu 70 Prozent.

Dass Deutschland im europäischen Vergleich ein Mieterland ist, hängt unter anderen mit der Existenz eines breiten und regulierten Mietwohnungsmarktes sowie den strengen Regelungen für Immobilienkredite zusammen. In Ländern mit einer freizügigeren Kreditvergabe wie Spanien und Großbritannien sind die Wohneigentumsquoten traditionell höher. Weiter fällt auf, dass in Schweden, Norwegen und den Niederlanden überdurchschnittlich viele Eigentümer in Immobilien leben, die durch Darlehen und Hypotheken belastet sind. Die hohen Eigentümerquoten bei privat genutzten Wohnimmobilien in den ehemals sozialistischen Staaten führen die Autoren des Nationalatlas-aktuell-Beitrags auf die Umwandlung von staatlichem Eigentum in private Eigentumswohnungen nach dem Systemwechsel zurück. Spitzenreiter ist Rumänien mit 96,5 Prozent, gefolgt von Mazedonien und Kroatien mit jeweils 91 Prozent sowie Litauen und der Slowakei mit jeweils 89 Prozent.

Weitere Informationen:

– Deutschlandkarte: Selbstgenutztes Wohneigentum 2011
– Europakarte: Wohnbesitzverhältnisse 2015
– Grafik: Deutschland: Selbstgenutztes Wohneigentum in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern 2011
http://aktuell.nationalatlas.de/selbstgenutztes_wohneigentum-9_11-2017-0-html/

Weitere Informationen finden Sie unter
http://aktuell.nationalatlas.de/selbstgenutztes_wohneigentum-9_11-2017-0-html/

Autor: Dr. Peter Wittmann, Leibniz-Institut für Länderkunde, leipzig.