„Mein herzallerliebster Gemahl“ – „Herzliebe Gemahlin“

Jena. Als politischer Kopf und Märtyrer der Reformation ging er in die Geschichte ein: Johann Friedrich von Sachsen, auch Hanfried genannt. Doch dafür zahlte er einen hohen Preis. Mehr als fünf Jahre lang war er als Gefangener des Kaisers von seiner Gemahlin Sibylle von Kleve getrennt. In dieser Zeit konnten sie einander nur durch Briefe nahe sein, Briefe, von denen einige in die Sammlungen der schönsten Liebesbriefe der Literatur aufgenommen wurden.

Diese Briefe gewähren nicht nur Einblicke in das Denken und Fühlen, die Sorgen und Freuden des Paares. Sie bezeugen vor allem eine innige Verbundenheit zwischen beiden, wie sie seinerzeit in Adelskreisen selten war. Nicht nur, dass Sibylle ihm Wacholderdrosseln schickte, damit „mir ja das liebe Bäuchlein nicht verderbe“ und er sie mit Neckarwein und anderen Geschenken aufzumuntern suchte. Beide bekennen sich auch ganz offen zu ihrer sinnlichen Sehnsucht, etwa wenn Hanfried schreibt, er würde sie gern einmal wieder „mit eigenen Händen berühren“ und Sibylle seufzt, dass die ein Wiedersehen kaum erwarten könne, denn sie sei ja auch nur ein Mensch aus Fleisch und Blut.

Die Historikerin und Publizistin Sylvia Weigelt hat die mehr als 250 erhaltenen Briefe, die sich Hanfried und Sibylle in den Jahren der Trennung schrieben, gesichtet. Eine Auswahl dieser Briefe, die an ihrer Liebe und ihrer Sehnsucht, ihren Befindlichkeiten und Problemen in den Zeiten der Trennung teilhaben lassen, stellen sie und Birgitt Hellmann in einer Lesung im Stadtmuseum Jena vor.

Veranstaltungshinweis:

Lesung
23. November, 19:00 im Stadtmuseum Jena.