Weimar. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen ist im Bundesgebiet, so wie in Thüringen in den letzten Jahren gleichbleibend. Laut RKI – Robert-Koch-Institut infizierten sich 2016 in Deutschland 3.100 Menschen mit dem HI-Virus, in Thüringen waren es 50. Hochwirksame Strategien, um Infektionen zu vermeiden, bleiben in Deutschland ungenutzt. So sollten die Kosten der Präexpositionsprophylaxe (PrEP) für Menschen mit hohem Risiko von den Krankenkassen übernommen werden. Menschen in Haft müssen Zugang zu sauberen Spritzen bekommen.

Menschen ohne Papiere müssen einen anonymen Zugang zur HIV-Therapie erhalten, damit sie nicht ihre Abschiebung fürchten müssen, wenn sie medizinische Versorgung in Anspruch nehmen möchten. Damit würden Aids-Erkrankungen sowie weitere HIV-Infektionen verhindert.

Zu viele Menschen wissen nicht, dass sie HIV-infiziert sind und bei zu vielen wird die HIV- Diagnose erst gestellt, wenn das Immunsystem schon nachhaltig geschädigt ist. Fast ein Drittel sind sogenannte Spätdiagnosen. In Deutschland lebten 2016 ca. 15 %, also 12.700 Menschen von 88.400, mit HIV, ohne dass sie von ihrer Infektion wussten. In Thüringen, wo die Infektionszahlen mit 700 HIV-positiven Menschen im Jahr 2016 relativ gering sind, ist der Anteil derer, die HIV-infiziert sind und nichts davon wissen mit 30 % (210) doppelt so hoch.

Bei diesen Menschen kann die Infektion ungehemmt fortschreiten. Heute muss jedoch niemand mehr an Aids erkranken, wenn die Diagnose rechtzeitig gestellt und eine Behandlung eingeleitet wird. Eine frühe Diagnose und Behandlung verhindert auch neue Infektionen, da Menschen mit HIV, wenn sie wirksam behandelt werden, nicht mehr infektiös sind. Um HIV-Infektionen möglichst früh zu diagnostizieren müssen Testangebote ausgebaut und mehr niedrigschwellige Testangebote geschaffen werden. Die Aidshilfen benötigen dazu die Unterstützung der Politik.

Männer, die Sex mit Männern haben gehören in Deutschland zu den am stärksten von HIV-Betroffenen. In den letzten Jahren nehmen die Neuinfektionen in dieser Gruppe leicht ab in Thüringen war 2016 jedoch ein Anstieg zu verzeichnen. Die Politik fördert in Thüringen bisher keine Präventionsprogramme für Männer, die Sex mit Männern haben. Dies ist ein Skandal.

Die Bundesregierung hat eine ambitionierte Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C und anderen sexuell übertragbaren Infektionen entwickelt, in Thüringen können die Aidshilfen trotz aller Anstrengungen ihre Arbeit jedoch nicht optimal leisten, da ihnen aufgrund chronischer Unterfinanzierung insbesondere die personellen Ressourcen fehlen.

Wir fordern insbesondere die Landesregierung auf, hier ihrer Verantwortung gerecht zu werden.


Weitere Eckzahlen finden Sie beim Robert-Koch-Institut unter: http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Eckdaten/Eckdaten.html?nn=2374210

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