Architektonische Form der Offenheit als Ausdruck geistiger Freiheit

Leipzig. Mit einem Festakt ist heute in Leipzig das „Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli“ im Beisein von Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange, Universitätsrektorin Barbara Schücking und zahlreicher Gäste eröffnet worden. Das Gebäude ist an der Stelle der im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont gebliebenen, am 30. Mai 1968 jedoch auf Anweisung des SED-Regimes gesprengten Paulinerkirche errichtet worden. Das Paulinum beherbergt wissenschaftliche Institute, die Aula der Universität sowie einen Andachtsraum. Ministerpräsident Stanislaw Tillich betonte: „Der Neubau kann den Frevel der Sprengung nicht tilgen. Aber er schließt eine Lücke in der Stadt und den Herzen ihrer Bewohner. Mit dem Paulinum und dem neuen Augusteum kann eine Wunde in der Stadt Leipzig nun endlich heilen: Der Augustusplatz hat sein Gesicht, die Universität ihre Mitte wieder erhalten. Entstanden ist ein einzigartiges Bauwerk, das zurück und nach vorne blickt.“ Der Regierungschef dankte allen, die dieses Projekt, eines der größten Bauvorhaben des Freistaates, begleitet und zum Erfolg geführt haben.

Der Neubau des Paulinums ist nach einem Entwurf des niederländische Architekten Erick van Egeraat errichtet worden. In das Innere der „Aula und Universitätskirche St. Pauli“ wurde ein Teil der historischen Ausstattung der einstigen Paulinerkirche integriert, darunter ein gotischer Flügelaltar aus der Zeit um 1490 sowie etliche Epitaphien. Sachsens Kunst- und Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange: „Es ist meine Überzeugung, dass sich in dem baulichen Selbstverständnis der Universitäten auch die geistige Freiheit der Einrichtung spiegeln sollte. Das Paulinum als alter und neuer Ort der geistigen Auseinandersetzung und des wissenschaftlichen Disputs bringt insbesondere die geisteswissenschaftliche Exzellenz der mehr als 600 Jahre alten Universität Leipzig signifikant zum Ausdruck. Es bleibt dem Betrachter offen, ob er den Innenraum als historisch reflektierend oder als eine kühne moderne Interpretation auffassen möchte. Was kann es für eine Universität eine bessere bauliche Metapher geben, als diese Form der Offenheit? Eine Ausdrucksform, die spontan begeistern kann in ihrer Eleganz und Professionalität, gleichzeitig offen ist für unterschiedliche Denkrichtungen und Interpretationen und damit eine große integrierende Kraft hat.“
Mit der Eröffnung des „Paulinums – Aula und Universitätskirche St. Pauli“ ist die Baumaßnahme Neubau des Campus Augustusplatz der Universität beendet. Seit 2002 wurden rund 255 Millionen Euro investiert. Davon entfielen auf den vierten Bauabschnitt, das Augusteum und Paulinum, insgesamt 117 Millionen Euro, ein-schließlich der Innenraumgestaltung des Paulinums für rund 13,5 Millionen. Euro. Die Mensa, das Hörsaalgebäude, das Instituts- und Seminargebäude der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät wurden 2009, das Augusteum und die Räume im Dachgeschoss des Paulinums 2012 zur Nutzung übergeben.

Im „Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli“ befinden sich neben Andachtsraum und Aula 70 Arbeits-, Praktikums- und Seminarräume und die vier Computerpools der Fakultät für Mathematik und Informatik. Der Felix-Klein-Hörsaal in der 5. Etage verfügt über 120 Sitzplätze, auch für außeruniversitäre Veranstal-tungen nutzbar. In der 7. bis 9. Etage befinden sich von drei Seiten lichtdurchfluteten Seminarräume.

Die Baumaßnahmen wurden finanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.