Vernissage: Freitag, 8. Dezember, 19 Uhr

Jena. Erich Kuithan wird 1875 in Bielefeld geboren. Nach dem Tod des Vaters siedelt die Familie 1888 nach München über. Nach Erlangung des Abiturs besucht Kuithan die Zeichenschule von Ludwig Schmid-Reutte und Friedrich Fehr, wo er unter anderem die menschliche Anatomie anhand ägyptischer und frühgriechischer Skulpturen studiert. 1893 erhält er einen Studienplatz an der Akademie der Bildenden Künste in München für die Zeichenklasse von Karl Raupp. Zwei Jahre später zieht die Familie nach Schliersee in die bayerischen Voralpen. Von da aus unternimmt Kuithan mehrere Studienreisen. Erste Ausstellungen in diversen Kunstvereinen folgen. Daneben illustriert er Kinderbücher und arbeitet für die Münchner Kunst- und Literaturzeitschrift „Jugend“.

Während seines Aufenthaltes in Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts lernt Ludwig Pallat den Künstler kennen, woraufhin er ihn für die Position des Direktors der neu zu gründenden freien Zeichenschule im 1903 eröffneten Volkshaus Jena empfiehlt. Zwischen 1903 und 1908 leitet Kuithan die Schule, unterrichtet Zeichnen, Malen und Modellieren, und organisiert Ausstellungen mit Arbeiten der Kursteilnehmer, mit denen es ihm gelingt, die Bildende Kunst stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. In seiner Jenaer Zeit ist Erich Kuithan zudem selbst künstlerisch sehr produktiv: Inspiriert von den humanistischen Ideen Ernst Abbes, die sozialpolitische Reformen und das Auflösen erstarrter Konventionen zur Folge hatten, entstehen meist idealistische Bilder. Sie zeigen Menschen, mitunter als allegorische Gestalten, am Strand oder in Frühlingslandschaften, in denen man Landstriche des Saaletals wiedererkennen kann. Der größte Bestand seiner Werke befindet sich heute in der Kunstsammlung Jena. Kuithan fertigt nicht nur zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und Illustrationen an, sondern auch Möbel, Geschirr, Kleider, Exlibris und Fresken, wie etwa im Universitäts-Hauptgebäude und im Volkshaus. Für Letzteres übernimmt er die künstlerische Ausgestaltung – neben Wand- und Deckenbildern gestaltet der Künstler den Bühnenvorhang und die Außenanlagen. Für Zeiss entwirft er 1904 den Schriftzug des ersten Warenzeichens. Im neu gegründeten Kunstverein beteiligt er sich sowohl an Ausstellungen, als auch als aktives Mitglied in dessen Vorstand. Darüber hinaus nimmt er wiederholt an kulturellen Gesellschaften in Jena teil und engagiert sich in der Ortsgruppe des Bundes für Heimatschutz.

Aufgrund von Sparmaßnahmen des Trägers der Zeichenschule, der Carl-Zeiss-Stiftung, muss Kuithan 1908 kündigen. Auf Drängen der Öffentlichkeit übernimmt sein Bruder Fritz vorübergehend einige Kurse. Erich Kuithan folgt im Jahr 1911 dem Ruf an die Königliche Zeichenschule in Berlin. Von einer unheilbaren Krankheit geplagt ist er nach fünf Jahren gezwungen, seine Lehrtätigkeit als Professor aufzugeben. Er kehrt nach Jena zurück, wo er 1917 verstirbt.

Erich Kuithan ist ein Maler der Jahrhundertwende, der ohne eindeutige Zuordnung zwischen Jugendstil, Symbolismus und Expressionismus pendelt. Sein bildgewaltiges Werk ist umfangreich und besteht in der Hauptsache aus Gemälden und Zeichnungen. Der Künstler ist für die Kunstgeschichte Jenas außerordentlich bedeutsam. Anlässlich seines 100. Todestages ehren wir sein Andenken mit einer Ausstellung und einer Aufarbeitung des umfangreichen Bestandes seiner Werke in unserer Sammlung.

Katalog mit Bestandsverzeichnis der Werke in der Kunstsammlung Jena: 128 Seiten, 22 Euro.

Veranstaltungshinweis:
Kunstsammlung Jena
9. Dezember 2017 – 15. April 2018
Vernissage: Freitag, 8. Dezember 2017, 19 Uhr
Erich Kuithan
Retrospektive zum 100. Geburtstag
Malerei, Zeichnung und Kunsthandwerk


Öffnungszeiten:

Dienstag, Mittwoch, Freitag 10-17 Uhr, Donnerstag 15-22 Uhr, Samstag, Sonntag 11-18 Uhr, Montag geschlossen

Eintrittspreise

Normal: 6 Euro
Ermäßigt: 5 Euro


Parallele Ausstellung:

Niki de Saint Phalle und das Theater
At Last I Found the Treasure

Skulpturen, Installationen, Grafiken
2. Dezember 2017 – 8. April 2018

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