Die Ergebnisse für alle neun Dimensionen können Werte zwischen null (minimaler Zusammenhalt) und 100 (maximaler Zusammenhalt) annehmen. Für jede Dimension wurden zwischen vier und sechs unterschiedliche Indikatoren herangezogen. Darüber hinaus lassen sich die Dimensionen zu einem Gesamtindex zusammenführen, d.h. ein gemeinsamer Wert, der für die unterschiedlichen Aspekte von Zusammenhalt steht.

– Thüringen erreicht im Gesamtindex mit 58,63 Punkten den drittniedrigsten Wert von allen Bundesländern. Der durchschnittliche Wert für Deutschland insgesamt liegt bei 61,37. Der höchste Wert findet sich im Saarland (63,07), der niedrigste in Sachsen (57,06).

– Die Werte von Thüringen liegen bei acht der neun Dimensionen unterhalb des bundesweiten Gesamtergebnisses. Lediglich in der Dimension soziale Netze (72,79) wird der bundesweite Gesamtwert (71,14) überschritten.

– Die Einzeldimension mit dem höchsten Wert in Thüringen ist die Anerkennung sozialer Regeln (75,7). Die Indexwerte (0-100) für diese Dimension fallen verhältnismäßig hoch aus. Bundesweit wird ein Wert von 77,32 erreicht. In Bayern liegt der Wert am höchsten (82,16), in Berlin am niedrigsten (69,73).

– Die Einzeldimension mit dem geringsten Wert in Thüringen ist das Gerechtigkeitsempfinden (35,45). Diese Dimension schneidet bundesweit besonders schlecht ab. Am geringsten sind die Werte für das Gerechtigkeitsempfinden in Berlin (32,8), am höchsten in Schleswig-Holstein (41,91).

– In Thüringen liegen Ergebnisse für zwei unterschiedliche Regionen vor. Die höheren Werte für Zusammenhalt im Gesamtindex erreicht die Region TH 1 (59,71), die sich aus Erfurt, Eisenach, Eichsfeld, Nordhausen, dem Wartburgkreis, dem Unstrut-Hainich-Kreis, dem Kyffhäuserkreis und Schmalkalden-Meiningen sowie Gotha zusammensetzt. Etwas niedrigere Werte finden sich in der Region TH 2 (57,57), die aus Sömmerda, Gera, Jena, Suhl, Weimar, Hildburghausen, dem Ilm-Kreis, dem Weimarer Land, Sonneberg, Saalfeld-Rudolstadt, dem Saale-Holzland-Kreis, dem Saale-Orla-Kreis und Greiz sowie dem Altenburger Land besteht.

Ergebnisse für die neun Einzeldimensionen

1. Soziale Netze:
Für einen starken Zusammenhalt ist entscheidend, dass die Menschen in ein intaktes soziales Netz eingebunden sind, das über den engeren Kreis der Familie hinausgeht. Die Stärke eines solchen Netzes misst sich anhand der Häufigkeit und Qualität von Interaktionen, zum Beispiel mit Freundinnen und Freunden, Bekannten, Nachbarinnen und Nachbarn oder Menschen, die im gleichen Betrieb arbeiten.

Thüringen weist in der Dimension soziale Netze mit 72,79 Punkten den vierthöchsten Wert aller Bundesländer auf. Für Deutschland insgesamt liegt der Indexwert (0-100) in dieser Dimension bei 71,14. Der höchste Wert findet sich in Bremen (74,87), der niedrigste in Sachsen-Anhalt (63,5). Verdeutlichen lässt sich dies an einem Beispielindikator. Wir haben gefragt, wie oft sich die Teilnehmer der Studie mit Freunden, Bekannten oder privat mit Arbeitskollegen treffen. Im Schnitt sagen 49 Prozent aller Befragten in Deutschland, dass sie sich sehr häufig oder häufig treffen. Von den Befragten aus Thüringen sagen dies 50 Prozent. Am seltensten treffen sich die Menschen in SachsenAnhalt. Hier sagen nur 40 Prozent, dass sie sich häufig oder sehr häufig treffen.

2. Vertrauen in Mitmenschen:
Vertrauen ist eine Grundvoraussetzung für jede Art positiver sozialer Interaktion. Es liegt nahe, dass der Kontakt zu Mitmenschen und gemeinsames Handeln schwerer fällt, wenn man ihnen kein Vertrauen entgegenbringt. In unserer Studie setzt sich das Vertrauen in die Mitmenschen aus zwei Aspekten zusammen, nämlich dem grundsätzlichen Vertrauen anderen gegenüber und dem Vertrauen Menschen gegenüber, denen man im Alltag begegnet.

Thüringen erreicht in der Dimension Vertrauen in Mitmenschen den drittniedrigsten Wert aller Bundesländer (51,32). Der Indexwert (0-100) für diese Dimension liegt in Deutschland bei 55,58. Am höchsten fällt der Wert in Bremen aus (59,3), am niedrigsten in Brandenburg (49,71). Danach gefragt, wie sehr sie einem Menschen vertrauen, dem sie zum ersten Mal begegnen, geben insgesamt 15 Prozent der Befragten an, diesem völlig oder ziemlich zu vertrauen und weitere 44 Prozent teils-teils. In Thüringen sind es mit 13 bzw. 37 Prozent weniger. In Hamburg sagen sogar 23 Prozent der Befragten, dass sie bei der ersten Begegnung völlig oder ziemlich vertrauen; in Brandenburg indes lediglich acht Prozent.

3. Akzeptanz von Diversität:
Moderne Gesellschaften sind divers: Sie zeichnen sich durch eine Vielfalt an Lebensstilen, Weltanschauungen und kulturellen Einflüssen aus. Für einen starken Zusammenhalt, der alle Mitglieder der Gesellschaft umfasst, ist es daher entscheidend, inwieweit andere Wertvorstellungen und Lebensweisen als gleichberechtigt akzeptiert werden.

Thüringen erzielt in der Dimension Akzeptanz von Diversität einen Indexwert von 74,14 und weist damit den viertniedrigsten Wert aller Bundesländer auf. Von allen neun Dimensionen erreicht die Akzeptanz von Diversität dabei die höchsten absoluten Indexwerte (0-100). Für Deutschland insgesamt liegt der Wert bei 79,15. Von den Bundesländern schneiden hier Bremen (84,78) mit dem höchsten und Sachsen (68,34) mit dem niedrigsten Wert ab. Trotz des hohen Indexwerts zeigen die Indikatoren, dass es durchaus noch Verbesserungspotential bei der Akzeptanz von Diversität gibt.

So geben z.B. in Deutschland insgesamt 22 Prozent der Befragten an, einen Ausländer oder Migranten ungern als Nachbarn haben zu wollen. In Sachsen sind es sogar 43 Prozent, die dies sagen, während in Hamburg lediglich zehn Prozent dieser Auffassung sind. In Thüringen möchten 34 Prozent der Befragten ungern einen Ausländer oder Migranten als Nachbarn haben.

4. Identifikation:
Nur wenn sich Menschen mit ihrem Gemeinwesen identifizieren und sich als ein Teil dieses Kollektivs empfinden, kann starker gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehen. Wer keine Verbundenheit mit seiner Nachbarschaft, seiner Stadt oder seinem Bundesland spürt, hat auch wenig Interesse daran, sich für die Anliegen der Menschen, die dort leben, einzusetzen. Ebenso ist geringe Identifikation ein Zeichen dafür, dass es Personengruppen gibt, die sich ausgeschlossen und als nicht-zugehörig ansehen.

Thüringen weist in der Dimension Identifikation mit dem Gemeinwesen einen Wert von 75,6 auf und bleibt damit unter dem Durchschnitt der Bundesländer. Bundesweit erreicht der Index (0-100) 77,01. In dieser Dimension fällt der Ost-West-Unterschied geringer aus. In Mecklenburg-Vorpommern findet sich der höchste Wert (83,21); in Berlin der niedrigste (73,11). Am Beispiel der Verbundenheit mit dem Wohnort lässt sich diese Dimension gut veranschaulichen. 78 Prozent aller Befragten in Deutschland fühlen sich sehr oder ziemlich verbunden mit ihrem Wohnort, so auch in Thüringen. In Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern sind es 89 Prozent, in Berlin lediglich 70 Prozent.

5. Vertrauen in Institutionen:
Wenn Menschen großes Vertrauen in gesellschaftliche und politische Institutionen wie die Polizei, politische Parteien und ihre Regierung haben, fühlen sie sich nicht nur von der Politik gerecht behandelt, sondern auch vom gesellschaftlichen System gut repräsentiert. Dies bedeutet gleichzeitig, dass sie wenig Angst vor Korruption oder Willkür von staatlicher Seite haben. Somit stellt das Institutionenvertrauen einen wichtigen Bestandteil von „vertikalem“ gesellschaftlichem Zusammenhalt dar.

Thüringen kommt in der Dimension Vertrauen in Institutionen auf 51,35 Punkte und weist damit den drittniedrigsten Wert aller Bundesländer auf. Der Indexwert (0-100) erreicht deutschlandweit 55,16 Punkte. Der niedrigste Wert findet sich dabei in Brandenburg (49,44), der höchste in Hessen mit 57,49. Obwohl alle Länder insgesamt ähnliche Indexwerte erzielen, gibt es dennoch bei den Einzelindikatoren erkennbare Unterschiede. So geben 37 Prozent der Befragten in Brandenburg an, der Bundesregierung nur gering oder überhaupt nicht zu vertrauen. In Hamburg sagen dies lediglich 15 Prozent. Deutschlandweit sind 25 Prozent der Befragten dieser Auffassung. In Thüringen haben 24 Prozent nur geringes oder überhaupt kein Vertrauen in die Bundesregierung.

6. Gerechtigkeitsempfinden:
Gerechtigkeit spielt eine zentrale Rolle für den sozialen Zusammenhalt. Wichtig ist dabei aber der Fokus auf das subjektive Empfinden: Denn nur, wenn die objektiven Ungleichheiten auch als ungerecht empfunden werden, kann es zu Umbrüchen in der Gesellschaft kommen. Deswegen sind in dieser Zusammenhaltsdimension nicht objektive Indikatoren von Ungleichheit, wie zum Beispiel Einkommens- oder Vermögensunterschiede zusammengefasst. Stattdessen werden Indikatoren genutzt, die Auskunft darüber geben, ob die Menschen die Verteilung der Güter in der Gesellschaft als gerecht empfinden, und ob sie sich gerecht behandelt fühlen.

Thüringen erreicht in der Dimension Gerechtigkeitsempfinden mit 34,45 Punkten einen Wert, der deutlich unter dem Durchschnitt der Bundesländer liegt. Von allen neun Dimensionen schneidet diese insgesamt mit den niedrigsten Indexwerten (0-100) ab. Bundesweit wird hier nur ein Wert von 37,8 erreicht. Am höchsten ist der Wert für das Gerechtigkeitsempfinden in Schleswig-Holstein (41,91), am niedrigsten in Berlin (32,8). Am Beispiel der Frage danach, ob die wirtschaftlichen Gewinne in Deutschland gerecht verteilt werden, lassen sich sowohl das insgesamt niedrige Gerechtigkeitsempfinden, als auch die regionalen Unterschiede verdeutlichen. In Brandenburg sind gerade mal ein Prozent der Befragten der Meinung, die Gewinne würden im Großen und Ganzen gerecht verteilt. Die größte Zustimmung findet sich mit 15 Prozent in Bremen. Deutschlandweit sind es acht Prozent. In Thüringen liegt die Zustimmung deutlich unter dem Durchschnitt: Hier sind es nur drei Prozent.

7. Solidarität und Hilfsbereitschaft:
Für einen starken Zusammenhalt ist es wichtig, Schwache in der Gesellschaft zu unterstützen. Ob und wie stark sich Menschen für ihre Mitmenschen verantwortlich fühlen, messen wir mit unserer Dimension Solidarität und Hilfsbereitschaft. Der Fokus liegt hierbei darauf, dass die Menschen selbst aktiv werden und Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen und dies nicht allein staatlichen Institutionen oder Einrichtungen überlassen.

Thüringen weist in der Dimension Solidarität und Hilfsbereitschaft einen Indexwert von 41,77 und damit den zweitniedrigsten Wert aller Bundesländer auf. Deutschlandweit liegt der Indexwert dieser Dimension bei 47,75 (0-100). Baden-Württemberg erzielt in dieser Dimension den höchsten Wert mit 50,69 Punkten. Der niedrigste Wert ist in Mecklenburg-Vorpommern (40,95) zu verzeichnen. Ein Beispielindikator für diese Dimension ist die Frage danach, ob eine Person in den letzten zwölf Monaten eine Geldspende für soziale oder gemeinnützige Zwecke geleistet hat. In Sachsen-Anhalt bejahen dies nur 53 Prozent, während es in Thüringen 56 sind. In Hamburg und in Bayern geben sogar 68 Prozent an, in den letzten zwölf Monaten eine Geldspende für soziale oder gemeinnützige Zwecke geleistet zu haben. Der Durchschnitt liegt bei 61 Prozent.

8. Anerkennung sozialer Regeln:
Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist auch davon abhängig, inwieweit sich Menschen an die sozialen Regeln halten, die in der Gesellschaft als Ganzes und in ihren jeweiligen lokalen Gemeinwesen gelten. Darunter fallen nicht nur polizeilich verfolgte Straftaten, sondern dazu gehört auch Verhalten, das die geltenden, zum Teil „unausgesprochenen“ Normen und Konventionen verletzt.

Thüringen liegt in der Dimension Anerkennung sozialer Regeln mit 75,7 Punkten leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt. Die Indexwerte (0-100) für diese Dimension fallen verhältnismäßig hoch aus. Bundesweit wird ein Wert von 77,32 erreicht. In Bayern liegt der Wert am höchsten (82,16), in den drei Stadtstaaten am niedrigsten, wobei Berlin den geringsten Wert in dieser Dimension erreicht (69,73). Einer der Indikatoren für diese Dimension war, ob die Befragten in der eigenen Nachbarschaft bestimmte Probleme erkennen (darunter u.a. beschädigte Spielplätze, Graffiti, Müll in den Straßen oder Grünanlagen, Ruhestörungen oder Belästigungen und Beschimpfungen). 26 Prozent der Deutschen berichten, dass es keine solchen Probleme in ihrer Nachbarschaft gibt. Im Saarland sagen dies sogar 35 Prozent. In Berlin hingegen beantworten nur elf Prozent der Befragten die Frage so. In Thüringen geben 32 Prozent kein solches Problem in ihrer Nachbarschaft an, 44 Prozent nennen wenige Probleme (eins oder zwei) und 24 Prozent zählen mehr als drei Probleme auf.

9. Gesellschaftliche Teilhabe:
Unser Verständnis von gesellschaftlichem Zusammenhalt schließt die gesellschaftliche Teilhabe als zentrale Dimension mit ein. Wenn Menschen am gesellschaftlichen und politischen Leben teilnehmen und sich in öffentliche Debatten einbringen, gestalten sie ihre Nachbarschaft, die Stadt oder Gemeinde, in der sie leben und somit die Gesellschaft als Ganzes aktiv mit. Thüringen liegt in der Dimension gesellschaftliche Teilhabe mit 50,59 Punkten leicht unter dem Bundesdurchschnitt. Bundesweit erreicht der Indexwert (0-100) für gesellschaftliche Teilhabe einen Wert von 51,39. Der höchste Wert findet sich im Saarland (55,85), der niedrigste in Sachsen-Anhalt (45,54). Einer der vier Einzelindikatoren in dieser Dimension ist die Frage nach dem allgemeinen politischen Interesse. Hier geben in Deutschland insgesamt 42 Prozent der Befragten an, sich sehr stark oder eher stark für Politik zu interessieren. In Bremen sagen dies 52 Prozent und damit die meisten. Am geringsten fällt das Interesse für Politik im Saarland aus (33 Prozent), obwohl das Land über alle vier Indikatoren hinweg den höchsten Wert für gesellschaftliche Teilhabe erzielt. In Thüringen geben 50 Prozent an, sich sehr oder eher stark für Politik zu interessieren, 38 Prozent nennen ein mittleres Interesse. Nur 13 Prozent geben an, sich wenig oder gar nicht für Politik zu interessieren.

Regionale Unterschiede in Thüringen
Für das Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt wurde die Stichprobe so gezogen, dass für einzelne Regionen Indexwerte berechnet werden können. Hauptsächlich ist dies geschehen, um Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen strukturellen Rahmenbedingungen (u.a. Demografie, Wirtschaftskraft, Urbanisierungsgrad) und gesellschaftlichem Zusammenhalt zu analysieren. Diese Daten eignen sich aber auch dazu, die Indexwerte für gesellschaftlichen Zusammenhalt unterhalb der Ebene der Bundesländer etwas differenzierter darzustellen. In Thüringen können zwei unterschiedliche Regionen dargestellt werden (in der zweiten Spalte lassen sich die zugehörigen Landkreise und kreisfreien Städte ablesen):

Höhere Indexwerte für gesellschaftlichen Zusammenhalt finden sich in der Region TH 1 (59,71). Die Region TH 2 (57,57) weist einen etwas geringeren Wert im Gesamtindex auf.

Profile weiterer Bundesländer im Rahmen der Studie: „Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland“ gibt es hier: KLICK