Die Deutschen halten zusammen – aber dort wo Armut, Jugendarbeitslosigkeit und Überalterung der Bevölkerung hoch sind, ist der Zusammenhalt gefährdet. Wachsende kulturelle Vielfalt schwächt das gemeinschaftliche Miteinander dagegen nicht – das zeigt unser Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Allen öffentlichen Unkenrufen zum Trotz ist es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland gut bestellt. Auch die wachsende kulturelle Vielfalt steht dem Gemeinsinn nicht entgegen. Allerdings zeigen sich mögliche Gefährdungen: So hat ein großer Teil der Bevölkerung das Gefühl, dass es hierzulande nicht gerecht zugeht. Das sind die Ergebnisse unseres Radars gesellschaftlicher Zusammenhalt.

Außerdem tut sich eine deutliche Spaltung beim sozialen Miteinander zwischen Ost und West auf sowie zwischen strukturschwachen und wohlhabenden Regionen. So ist der Zusammenhalt in den ostdeutschen Bundesländern durchgängig schwächer als im Westen. Das liegt vor allem an dem geringeren Wohlstand und der höheren Arbeitslosigkeit und Armut. Die höchsten Zusammenhaltswerte weisen das Saarland, Baden-Württemberg und Bayern auf.

Über zwei Drittel der Deutschen finden, dass ihre Nachbarschaft gut zusammenhält

Wie hilfsbereit sind die Deutschen? Wie groß ist der Freundes- und Bekanntenkreis und vertrauen sie der Polizei oder Regierung? Diese und viele weitere Aspekte kommen in unserem Gesamtindex zusammen und zeigen, wie groß der gesellschaftliche Zusammenhalt in der Bundesrepublik und ihren Regionen ist.

Eine Grafik, die die Bereiche und Dimensionen gesellschaftlichen Zusammenhalts zeigt.Für unseren Index haben wir neun Teildimensionen aus insgesamt drei Bereichen erfasst und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland gemessen.

Auf der Skala von 0 bis 100 Punkten erreichen alle deutschen Bundesländer zwischen 57 und 63 Punkte. Trotz dieses guten Ergebnisses geben dennoch drei Viertel der Befragten in Deutschland an, den Eindruck zu haben, der gesellschaftliche Zusammenhalt sei zumindest teilweise gefährdet. Anders sieht es jedoch vor der eigenen Haustür aus: In ihrem Umfeld schätzen bundesweit 68 Prozent der Befragten den Zusammenhalt als gut ein, nur knapp 7 Prozent halten ihn für schlecht.

„Die konkreten Alltagserfahrungen der Menschen sind besser als das, was sie für das gesamte Land vermuten – oder was ihnen öffentliche Debatten dazu spiegeln.“

Was gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt?

Vor allem eine hohe Jugendarbeitslosigkeit wirkt sich negativ auf das Gemeinschaftsgefühl aus. Ähnlich verhält es sich mit einem hohen Anteil von Schulabgängern ohne Schulabschluss und einer überalterten Bevölkerung. Demgegenüber ist der Zusammenhalt dort höher, wo das durchschnittliche Wohlstandsniveau hoch ist und wo mehr Menschen gegenüber der Globalisierung positiv eingestellt sind. Die Studie belegt auch, dass es für den Zusammenhalt keine Rolle spielt, wie viele Ausländer und Migranten in einer Region leben.

„Um den Zusammenhalt zu stärken, kommt es darauf an, soziale Ungleichheit zu verringern und Armut zu verhindern sowie insbesondere die ökonomische Situation in den neuen Bundesländern weiter zu verbessern“, sagt unser Experte für gesellschaftlichen Zusammenhalt Kai Unzicker.

Vor allem auf lokaler Ebene sollten zusätzlich Maßnahmen ergriffen werden, die ermöglichen, dass alle am gesellschaftlichen Leben teilhaben und Kontakte zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen entstehen. Die Förderung des Ehrenamts und der Ausbau einer zivilgesellschaftlichen Infrastruktur sind ebenfalls wichtige Bausteine starken Zusammenhalts.

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