„… die Drossel pfeift und alle Hühner lachen“ oder: nomen est omen –
Der Dichter Gustav Specht

Das 30. Heft der von dem Verein POESIE SCHMECKT GUT in Jena herausgegebenen Lyrikreihe „VERSENSPORN – Heft für lyrische Reize“ ist soeben erschienen. Es widmet sich dem baltendeutschen Dichter Gustav Specht, der heute vollständig vergessen ist.

Gustav Specht, geboren am 27. Januar 1885 in Riga, studiert von Oktober 1905 bis zum Sommer 1911 Rechtswissenschaft und Philosophie in Jena, Straßburg und Moskau. Nach dem einjährigen Militärdienst in der russischen Armee arbeitet er zunächst als Sprachlehrer in (Soroki) Bessarabien. Im Sommer 1914, während eines Aufenthaltes in Deutschland, wird er vom Ersten Weltkrieg überrascht und dort festgehalten. Seine zweite Heimat wird Berlin, wo er als Lektor, Pressereferent, politischer Redakteur und später als freier Schriftsteller tätig ist. Er veröffentlicht Gedichte, kleine Prosastücke und Artikel in Zeitschriften, diversen Almanachen und Anthologien, in der Tagespresse sowie in Fachzeitschriften. Außerdem übersetzt er aus dem Russischen und Ukrainischen (u. a. Lew Tolstoi, Wassili Masjutin, Sergej Tretjakow und Wolodymyr Wynnytschenko).

Spechts Dichtungen sind zunächst geprägt von seiner Liebe zur Antike; seine frühen „Göttersonette“ sind zwar formenstreng, jedoch zugleich lebendig-plastisch gestaltet – und zudem lugt hinter jedem Vers bereits der Schelm hervor, der Specht zeit seines Lebens bleiben wird: ob er seine galanten Abenteuer unsentimental und voller Schalk verarbeitet oder ob er, unter großer Lebensgefahr, Spottverse auf das „Reich des Frostes“ und dessen „falschen Propheten“ Hitler macht … Nach dem Ende des Krieges, das er am Bodensee erlebt, klopft der Specht Gustav weiter: diesmal am Stamm der neuen Bundesrepublik, in der der „politische Simulant“ Adenauer den Nazismus bemäntelt und die „Wanzen in Michels Bett“ nicht totzukriegen sind …

Am 26. Februar 1956 stirbt Gustav Specht in Konstanz. Seither galt sein Nachlass als verschollen. POESIE SCHMECKT GUT e. V. konnte ihn im Frühjahr 2016, nach 60 Jahren, auf einem Dachboden in Konstanz aufspüren und retten. Die Aufarbeitung ist im Gange. Das neue Heft des VERSENSPORN bietet einen Querschnitt durch das lyrische Schaffen dieses außergewöhnlichen Dichters und gibt zudem anhand bislang unveröffentlichter Gedichte Einblicke in den umfangreichen Nachlass.

Zu erwerben sind die VERSENSPORN-Hefte über www.poesieschmecktgut.de

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